1. NRW
  2. Krefeld

Kein Stolperstein für Merländer

Kein Stolperstein für Merländer

Verein will an das Schicksal seines Namensgebers erinnern. Die Besitzerin der Villa lehnt das bislang ab.

Krefeld. Die deutschlandweit bekannte Aktion Stolpersteine des Künstlers Günter Demnig erinnert an das Schicksal in der NS-Zeit ermordeter Menschen. Die Idee, Stolpersteine auch nach Krefeld zu holen, stammt aus der Rheinischen Schule für Körperbehinderte Krefeld (Gerd Jansen-Schule). Eine Klasse hatte sich mit dem Schicksal von Richard und Karl Merländer beschäftigt. In deren einstiger Villa an der Friedrich-Ebert-Straße hat heute das NS-Dokumentationszentrum seinen Sitz. Doch ein Stolperstein zur Erinnerung darf nicht vor dem Haus in den Bürgersteig eingelassen werden. Die heutige Besitzerin hat allerdings bislang keine Genehmigung dazu gegeben.

Der Verein Villa Merländer hat vor acht Jahren die Verwaltung von Neuanträgen, Antragsverfahren und Verlegung der Stolpersteine in Krefeld übernommen. 61 Steine sind inzwischen im Stadtgebiet verlegt worden. Sie erinnern nicht nur an jüdische Opfer, sondern auch an Roma und Sinti, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, geistig- und körperlich Kranke, politisch Verfolgte wie Sozialdemokraten und Kommunisten.

Von der Idee bis zur Verlegung des ersten Steins sind drei Jahre vergangen. Neben Einwänden der jüdischen Gemeinde, lehnte auch der Stadtrat zunächst das Vorhaben ab. Aufgrund einer gezielten Nachfrage unserer Zeitung kam 2005 wieder Leben in die Diskussion und es gründete sich eine Initiative, die erfolgreich ein Bürgerbegehren anstieß. Dem Oberbürgermeister konnten 14 000 Unterschriften überreicht werden — weit mehr als nötig.

Auf dieser Basis schlossen Initiative und Stadt einen Kompromiss: In Krefeld konnten Stolpersteine nunmehr verlegt werden, wenn die Hauseigentümer sich nicht ausdrücklich dagegen aussprachen und auch nahe Verwandte der Opfer keine Einwände hatten.

„Nur in einem einzigen Fall ist die Verlegung seitens eines Hausbesitzers abgelehnt worden. Die Familie hatte, wie so viele, das jüdische Eigentum 1938/39 übernommen, möchte jedoch auch heute noch nicht daran erinnert werden, dass die vorherigen Eigentümer in der Folge ermordet worden sind“, sagt Barbara Behr, Vorsitzende des Vereins Villa Merländer. Der Verein hält es für äußerst fragwürdig, „ob hier aufgrund eines solchen ,Familiengeheimnisses’ das Gedenken an die Opfer, denen wirklich Schlimmes widerfahren ist, tatsächlich verhindert werden kann“.

Diese Schilderung eines Falls beziehe sich laut Behr jedoch nicht auf die Eigentümerin der Villa Merländer. Offizielle Angaben gibt es zu ihr nicht. Laut Rheinischer Post soll das eine inzwischen in Italien lebende 90-jährige Frau sein. Barbara Behr hofft, dass der Verein sich in naher Zukunft noch mit der Familie der Seniorin einigen wird. Zumal die Stadt auch demnächst über eine Verlängerung des Mietvertrages der Villa Merländer verhandeln wird.

Gleichzeitig fordern die Grünen, für die Behr im Stadtrat sitzt, dass für die Verlegung der Steine auch in Krefeld keine Anwohner-Genehmigung mehr nötig ist. Der Verein indes erwartet bei künftigen Steinverlegungen von der Verwaltung mehr Unterstützung bei der Ermittlung der Hauseigentümer, häufig auswärtige Erben(-gemeinschaften) oder Käufer. Die scheuten oftmals vor Stolpersteinen vor ihrem Haus zurück, um nicht in den Ruf eines Profiteurs des NS-Regimes zu kommen. Teilweise haben die damals zwangsverkauften Häuser mehrmals seitdem den Besitzern gewechselt. So soll es auch laut Stadt bei der Villa Merländer sein.