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Kein Brauhaus in Uerdingen: Die Bahn hat andere Pläne

Kein Brauhaus in Uerdingen: Die Bahn hat andere Pläne

Die Idee eines Restaurants mit Biergarten ist gestorben. Es gibt Alternativen — doch die Stadt schweigt.

Krefeld. Auch wenn das Wetter schon wieder Lust macht auf Sommer: Der Traum vom Brauhaus mit Biergarten am Uerdinger Bahnhof ist geplatzt. „Die Idee ist zu 99,9 Prozent gestorben“, erklärt Investor Achim Janser auf Anfrage. „Wir werden das Gebäude in Kürze zum Kauf anbieten.“

Damit endet eine fast vierjährige Hängepartie, die für Janser und seine Mitstreiter ärgerlich und teuer war. Gut 100 000 Euro haben sie in das Gebäude und erste Sanierungsschritte investiert, viel Zeit ist in Gespräche mit der Stadt und der Bahn geflossen. Alles vergebens.

Die Gründe sind vielfältig, und sie haben vor allem mit Geld zu tun. Janser und sein Kompagnon mussten das Gebäude damals ohne Grundstück kaufen, weil Haus und Gelände von verschiedenen Gesellschaften der Bahn angeboten wurden. Als es an den Grundstückskauf ging, seien die Forderungen „deutlich überhöht“ gewesen, sagt Janser. Hinzu kamen Denkmalschutzauflagen für den Umbau des Bahnhofs.

Was jedoch das Fass zum Überlaufen brachte, war eine Machbarkeitsstudie, die im März 2011 von der Bahn präsentiert wurde. Darin hatten die Planer plötzlich ein ufoartiges Bürogebäude links neben das künftige Brauhaus gesetzt — inklusive möglicher Konkurrenz im Erdgeschoss.

„Wir hatten den Eindruck, dass das eine Drohkulisse sein sollte“, sagt Janser heute. Die Bahn habe Druck erzeugen wollten, damit die Investoren das komplette Gelände kaufen. „Uns erschien dieses Auftreten unseriös.“ Bei der Stadt hingegen hat Janser sich stets „gut aufgehoben“ gefühlt.

Auch dort hatte sich zwischenzeitlich angesichts der Haltung der Bahn Verwunderung breit gemacht. Der frühere Baudezernent Thomas Visser hatte öffentlich erklärt, dass er deren Verhalten „sehr befremdlich“ finde. Sein Nachfolger Martin Linne will sich derzeit nicht über die Gespräche äußern.

Diesen Part übernimmt Uerdingens Bezirksvorsteher Elmar Jakubowski. Er findet die mehrjährige Hinhaltetaktik der Bahn unsäglich: „Ich bin sehr wütend darüber.“ Seine Anfragen beim Unternehmen seien zuletzt unbeantwortet geblieben: „Von denen kriege ich gar nichts.“

Der Grund für das Schweigen wird im Lauf der WZ-Recherchen deutlich. So reagiert auch der städtische Baudezernent Martin Linne, sonst ein zuverlässiger Gesprächspartner, erst nach Tagen auf die WZ-Anfrage und lässt dann über das Presseamt mitteilen, dass er derzeit nichts sagen will.

Dem Vernehmen nach liegt eine neue, nachgebesserte Machbarkeitsstudie der Bahn seit einigen Tagen in der Verwaltung vor. Ob sie nach wie vor das viel gescholtene „Ufo“ enthält, ist nicht bekannt. Die Pläne sollen im Frühjahr der Politik und der Öffentlichkeit vorgestellt werden, doch zunächst muss sich die Verwaltung selbst ein Bild machen. So lange wird Linne schweigen.

Die Bahn hält es ähnlich. Auf Anfrage der WZ teilte ein Bahnsprecher mit: „Seitens DB gibt es zurzeit keinen weiteren Informationsbedarf.“ Seitens der Uerdinger dürfte das anders sein.