Kehrtwende beim Krefelder Großmarkt: Stadt macht es lieber selbst

Kehrtwende beim Krefelder Großmarkt: Stadt macht es lieber selbst

Der Plan, die Krefelder Bau GmbH mit der Verwaltung des Großmarktes zu beauftragen, ist verworfen. Das Konzept soll mehr Einzelhandel beinhalten.

Krefeld. Rachid Jaghou ist Krefelds neuer Gebäudemanager und verfolgt eigene Pläne für den Großmarkt. Er bestätigt WZ-Informationen, nach denen die Einbindung der Stadt-Tochter Krefelder Bau GmbH als kaufmännische und technische Verwalterin verworfen ist. Jaghou soll den gebeutelten Fachbereich Gebäudemanagement, der nicht zuletzt in der Causa Ertürk durch fehlende Standards und Versäumnisse von sich reden machte, wieder auf Vordermann bringen. Zum Großmarkt sagt Jaghou selbstbewusst: „Wir hätten ohnehin einen Mitarbeiter damit betrauen müssen, die Verwaltung durch die Bau GmbH zu überprüfen. Dann können wir es besser selbst machen. Das können wir genauso gut.“

Foto: Lothar Strücken

Überraschend ist das, zumal GmbH-Geschäftsführer Thomas Siegert noch im Januar verkündete: „Wir erhalten nun zunächst die Unterlagen der Stadt und werden dann ein Konzept vorschlagen.“ Zum 1. Januar 2019 sollte sein Team die Verwaltung übernehmen. Der Flair des Großmarktes, hieß es seinerzeit, solle erhalten bleiben, die frei werdenden Lager für Gastronomie genutzt werden. Heute sagt er: „Ende 2017 gab es lediglich Überlegungen, ob es sinnvoll ist, dass die Krefelder Bau GmbH die kaufmännische und technische Verwaltung des Großmarkt übernimmt. Die Stadt hat sich zwischenzeitlich entschieden, die kaufmännische und technische Verwaltung des Großmarktes in Eigenregie fortzuführen, was wir voll und ganz nachvollziehen können.“

Konzeptionell, sagt Jaghou, sehe er eher Einzelhandel auf der Fläche dieses städtischen Kleinods. „Nach den Sommerferien, also im September, hoffen wir, mit dem Konzept fertig zu sein.“ Die Vermarktung ist bereits angelaufen. Nachbarn für das spanische Bar-Restaurant „Tapas“, die italienische „Trattoria da Bruno“, die Taverna „Der Grieche“, die Kulturrampe von Markus „Pille“ Peerlings, die Großmarktgalerie von Armin Richly, das Interieur-Geschäft „design international“, das Fischbistro „Der Seemann“ und das Olivenöl-Magazin „Olio Mediteraneo“. Man befinde sich in intensiven Gesprächen, sagt Jaghou. Ziel ist die Vollvermietung im ersten Halbjahr 2019.

Die Kündigungen für die Lagerflächen sind zum 31. Dezember ausgesprochen. Dann müssen auch Eisfogel, Ponzelar und der türkische Gemüsehändler neue Lagerlösungen in Krefeld finden, der Maler Adamek ist bereits raus.

Fix ist auch, dass wie angekündigt die exklusive Weinbar mit kleiner Essenskarte kommen wird. Der Krefelder Rainer Lohmann bekräftigt das nochmal auf Anfrage: „Planungstechnisch gab es leider Verzögerungen. Wir hoffen, dass noch in diesem Jahr etwas passiert, spätestens jedoch Anfang 2019.“

Mit der Entmietung der Lagerflächen endet ein spezieller Deal zwischen Stadt und Pächtern, die bislang gegen sensationell niedrige Pacht weitgehend selbst für die Instandhaltung sorgte. 800 000 Euro werden die Stadt nun die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten kosten. Dach und Fach, Ver- und Entsorgungsleitungen werden erneuert.