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Kaufhof in Krefeld: Zahl der Kunden wird per App kontrolliert

Einzelhandel : Zahl der Kunden wird auch per App kontrolliert

Wie Geschäfte und Kunden mit der Begrenzung der Verkaufsfläche und der neuen Mundschutz-Pflicht umgingen.

Zum wiederholten Male presse ich den oberen Saum der Maske an mein Gesicht. Ein Draht soll helfen, den Mund-Nasen-Schutz möglichst dicht an meiner Haut zu halten. Trotzdem rutscht das Einweg-Teil andauernd von meiner Nase ab. Was doch einigermaßen nervig ist. Das scheint auch vielen anderen Menschen so zu gehen – zumindest begegnen mir am Montag in der Krefelder City nicht wenigen, die zwar einen Mundschutz tragen, damit aber auch ausschließlich ihren Mund bedecken. Die Atemluft aus der Nase zu blockieren scheint für viele optional zu sein.

Ebenso wie Abstand halten. An einem Spielwarengeschäft an der Rheinstraße empfangen gleich drei Mitarbeiter und eine Flasche Desinfektionsspray die Kunden. Ein Korb ist Pflicht – so können die Angestellten besser überblicken, wie viele Personen sich bereits im Laden befinden. Denn die Körbe sind abgezählt: Sind alle weg, ist die maximal erlaubte Kundenzahl für den Moment erreicht.

Dieser Moment ist beim Drogeriemarkt nebenan permanent gekommen. Nur wenn jemand herauskommt, darf ein neuer Kunde eintreten. Eine kleine Schlange hat sich draußen gebildet. Da aber alle Abstand halten, fällt diese nicht gleich auf. Eine Frau mit Blümchen-Maske hat sie wohl auch übersehen, jedenfalls wird sie gleich von einigen Wartenden „angefahren“, als sie sich mit beschlagener Brille direkt dem Eingang nähern will.

Drinnen desinfiziert ein Mitarbeiter einen Einkaufswagen und schiebt ihn mir zu. Dann kann ich einkaufen. Eine ordnungsgemäß bedeckte Frau schiebt ein Kind ohne Maske auf einem Dreirad durch den Markt. Es ist deutlich jünger als sechs Jahre.

An der Kasse will gerade ein älteres Paar zahlen. Die Frau hat einen Rollator, der Mann keinen Wagen. Wo der denn sei, will die Kassiererin wissen. Den hat der Senior irgendwo im Laden stehen lassen. Ein weiterer Mitarbeiter springt hinzu. Sein Mundschutz hängt deutlich südlich seiner Nase, während er den Kunden belehrt, dass das so aber nicht gehe. Das Paar gelobt Besserung.

Auch ein paar Meter weiter im Eingang eines Billigmarktes passen gleich mehrere Angestellte auf, dass auch alles korrekt abläuft. Die Abstandsmarkierungen an der Kasse interessieren dennoch nur wenige.

Zwei wartende Damen schauen sich an – und erkennen sich offenbar auf den zweiten Blick. Die eine trägt Schmetterlinge auf ihrer selbstgenähten Maske, die andere ein Bauhaus-Muster. „Ach hallo, wie geht’s denn?“, nuschelt die eine durch ihre Schmetterlinge. „Ach ja, gut“, lautet die Antwort aus dem Muster-Mundschutz. Das Gespräch wirkt unbeholfen und wird schnell beendet. Die Kassiererin ist redseliger: „Da hab‘ ich schon Ausschlag von bekommen und trockene Haut“, klagt sie über ihren Mundschutz. „Schlimm ist das.“

Vor C&A kuscheln sich drei Raucher auf einer Bank aneinander. Das Modehaus dahinter ist allerdings geschlossen. Darin, die Einkaufsfläche auf 800 Quadratmeter zu begrenzen, sah man in der Geschäftsleitung wohl wenig Sinn. Ebenso bei Sinn. Auch das Bekleidungsgeschäft an der Hochstraße ist dunkel.

Anders der Kaufhof: Ein Teil des Erdgeschosses ist zugänglich, große Teile sind aber mit Flatterband abgesperrt. Einen Korb braucht man hier nicht. Mit einer App habe man mich bereits erfasst, heißt es.

Verkäufer sprechen die Kunden an und bieten die Möglichkeit, Waren heranzuholen, die nicht im zugänglichen Bereich zu finden sind. Eine Frau blickt sich hilflos um. „Ich wollte Bettwäsche kaufen“, sagt sie. Ein Angestellter bietet an, etwas herauszusuchen, wenn sie schon eine konkrete Vorstellung habe. Ihr Blick sagt, dass dem eher nicht so ist. Aber Stöbern ist gerade nicht drin. Ich fühle mich ein bisschen wie im Zoo, wie ich da so vom Flatterband aus die Handtaschen und Unterwäsche in der Ferne betrachte.

„Gehen Sie mal zum Saturn“, ruft mir ein Passant zu, als ich wieder in der Fußgängerzone stehe. „Da ist was los, das ist der Hammer!“ Tatsächlich sieht man die Schlange vor dem Eingang schon von Weitem. Sie ist mindestens 50 Meter lang.

Ich stelle mich nicht an, sondern werfe lieber einen Blick durchs Schaufenster. Drinnen sehe ich drei Personen im Verkaufsgespräch um einen Laptop gedrängt.

Auch hier bedecken viele Menschen nur ihren Mund. Die Leute, die lose um den Eingang herum stehen, machen ehrfürchtig Platz, als zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes nahen. Alles schaut ihnen nach, als sie im Elektro-Markt eine Runde drehen. Zu beanstanden haben sie aber vorerst nichts.