Karriere: Nach der Arbeit zur Schule

Karriere: Nach der Arbeit zur Schule

Schüler des Abend-Gymnasiums bereiten sich auf die Prüfungen vor – neben Beruf und Familie.

Krefeld. Es sind nur noch wenige Tage bis zu den ersten Prüfungen des Abiturs. Für die Schüler des Abendgymnasiums bedeutet das eine Doppelbelastung. Sie müssen sich neben Beruf und Familie auf die Prüfungen vorzubereiten. Vier Krefelder berichten, warum sie sich das antun - und wie sie mit dem Druck umgehen.

Stefan Winkelmann (24) ist noch recht gelassen. Der gelernte Versicherungskaufmann absolviert zurzeit ein Praktikum zur Vorbereitung seines Studiums der Psychiatrie. Den Prüfungsstress versucht er durch Klettersport auszugleichen. "Für meine anderen Hobbies, Fotografieren und Zeichnen, fehlt mir momentan die Zeit", sagt er, "aber eigentlich bedauere ich es nur wenig.

Dies bestätigt Marijana Sipus (28), die während der Prüfungszeit noch zeitweise bei einem Verlag arbeitet. Sie betont, dass die Studenten sich gegenseitig über die Nervösität hinweg helfen. "Ich meditiere auch viel und suche Ruhe in der Philosophie. Für mich waren Deutsch und Philosophie die interessantesten Fächer. Nach dem Abitur werde ich Sozialpädagogik studieren." Da sie einen eigenen Haushalt führt, bleibt ihr momentan kaum Zeit für ihr Hobby, das Tanzen. "Aber das läuft mir nicht weg," lacht sie, "in ein paar Wochen weiß ich vielleicht gar nicht mehr, was ich mit all der Zeit anfangen soll."

Etwas weniger ausgeglichen ist Bünyamin Yilmaz (21). "Die Leistungskurse Physik und Englisch sind schon in trockenen Tüchern, aber der Grundkurs Mathematik macht mir Sorgen. Ich hoffe, ich erreiche die nötige Punktzahl." Auf den Rat eines Lehrers hin versucht er einen Ausgleich zu schaffen durch den Besuch von Kunstausstellungen: "Das lenkt die Gedanken in eine völlig andere Richtung und erweitert zugleich den Horizont." Auch für etwas Sport hat er noch Zeit, trotz der Arbeit in einem Schnellrestaurant. Nach dem bestandenen Abitur wird er sich um eine Stelle bei der Polizei bewerben.

Aniko Csapo kann es kaum noch erwarten, ihr Abiturzeugnis in Empfang zu nehmen. Im September hat sie ihre Stelle als technische Angestellte gekündigt und studiert als Teilnehmerin eines Begabtenförderungs-Programms Physik an der Ruhr-Universität Bochum. Darüber hinaus arbeitet die 26-Jährige in ihrer Freizeit als Fotomodell. Ihren Berufswunsch hat sie klar definiert: Physikerin in der Erforschung der Teilchenphysik. "Ich habe keine Angst vor dem Abitur, warum auch, meine Noten in den Leistungskursen Mathematik und Physik sind sehr gut."

Wichtig ist allen, dass sie im Team arbeiten. "Wir fördern die Teamarbeit schon in den ersten Semestern," betont Schulleiter Karl-Heinz Loch, "und der Erfolg ist tatsächlich an der Zahl der Abiturienten messbar." Seine Schützlinge hören es mit Interesse, so richtig beruhigt werden sie aber erst sein, wenn sie das Abi-Zeugnisse in den Händen halten.

Mehr von Westdeutsche Zeitung