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Juni 1983 - die Friedensdemo

Juni 1983 - die Friedensdemo

Mehr als 30 000 Menschen demonstrierten auf dem Sprödentalplatz gegen Atomraketen.

Krefeld. Es ist still auf dem Sprödentalplatz. Tausende Menschen halten den Atem an. „You may say I‘m a dreamer, but I‘m not the only one“. John Lennons Hymne „Imagine“ tragen die Lautsprecher in den heißen 25. Juni 1983. Thais Leavitte tanzt dazu ganz in Weiß. „Ich weiß nicht, was die Leute dazu sagen werden“, war sie unsicher. „Das hat noch nie jemand versucht — klassisches Ballet bei einer Massenkundgebung.“

Die junge Amerikanerin, Solotänzerin der Düsseldorfer Staatsoper, verzaubert die auf 30 000 bis 50 000 geschätzte Menge. „Ein Sturm der Begeisterung war der Dank“, ist in einer Dokumentation zur großen Friedensaktion nachzulesen. Es ist das Kontrastprogramm zur offiziellen Philadelphiade anlässlich des 300. Jahrestages der Auswanderung von 13 Quäkerfamilien vom Niederrhein nach Amerika im Jahr 1683.

Anders als Kohl, Carstens und Bush senior im Seidenweberhaus feiert die Friedensbewegung die Auswanderer als Pazifisten, die den Kriegsdienst ablehnten und deshalb geächtet Europa verließen. Und sie setzen auf den „Krefelder Appell“, der mit vier Millionen Unterschriften mit verantwortlich für die ersten Schritte Richtung atomarer Abrüstung war. Damals aber sollte in wenigen Wochen mit der Stationierung weiterer atomarer US-Mittelstreckenraketen in Deutschland begonnen werden. Als Antwort auf die sowjetischen SS-20-Raketen, wie im Seidenweberhaus gesagt wurde.

Das Sprödentalfest ist, wie Heinz Fuhrmann von der Offenen Gemeinde aus Gartenstadt in seiner Begrüßung formuliert, „ein Fest der Freundschaft gegen die Feindbilder, der Liebe gegen den Hass, ein Fest mit dem anderen, dem besseren Amerika.“ Der ebenfalls verstorbene General a.D. Gert Bastian fordert die deutschen Politiker im Seidenweberhaus auf, „sich nicht zum bedingungslosen Komplizen Amerikas beim Streben um die Weltherrschaft zu machen“.

Vorbereitet wurde die Demonstration und das Fest über mehrere Monate von einem kleinen Büro am Karlsplatz 25 aus. Rund 25 Initiativen, Gruppen und Organisationen unterschiedlichster Ausrichtung saßen dort an einem Tisch. Das war der Arbeitskreis Krefelder Friedenswochen. Die gerade gegründeten Grünen vertrat damals Hilko Koch.

Konsens gab es nur im Anspruch, friedlich zu demonstrieren. Aber wie? Putz? Demo mit viel Latscherei, phantasievolle Aktionen, Infostände? In der Dokumentation heißt es: „Wir machen möglichst alles. Über Details gab‘s Debatten, mitunter Zoff, am Ende aber stand immer der Konsens. Gruppen, die in Einzelfragen oft heftig im Clinch liegen, stellten ihre Differenzen zurück.“ Im Sinne von „We Shall Overcome“, dem Abschlusslied auf dem Sprödentalplatz.