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Junger Krefelder Gorilla Tambo zieht um in einen französischen Zoo

Krefelder Zoo : Für Tambo heißt es Abschied nehmen

Siebenjähriger Sohn von Gorilla-Dame Muna zieht um in eine Junggesellengruppe in den französischen Thoiry ZooSafari

Tambo ist ein Muttersöhnchen. Die Gorilla-Dame Muna im Krefelder Zoo war schon 24 Jahre alt, als sie am 2. Juni 2013 ihr erstes Jungtier im neuen Gorilla-Garten bekam. Im ersten Halbjahr hat sie ihn nicht aus dem Arm, geschweige denn aus den Augen gelassen. Ganz anders als die wesentlich gelassenere Miliki bei ihren beiden Söhnen (Pepe und Bobóto). Inzwischen ist Tambo sieben Jahre alt und der Zeitpunkt äußerst günstig, in eine neue Gorilla-Junggesellengruppe im französischen Zoo von Thoiry umzuziehen. Am Mittwochmorgen heißt es deshalb für Tambo und seine Familie Abschied zu nehmen und auf die Reise zu gehen. Sein Tierpfleger Ben Harr begleitet ihn dort hin.

Flachland- und Berggorillas leben im Freiland in Haremsgruppen

„Wir haben ihn schon länger auf den Tag vorbereitet und in den vergangenen Wochen dazu erzogen, alleine zu schlafen“, erzählt Zoo-Pressesprecherin Petra Schwinn. Damit er sich, aber auch seine Mutter Muna von ihm, Stück für Stück abnabeln kann. „Wir hätten zwar gerne noch zwei Jahre gewartet damit, doch die Chance ist jetzt sehr gut, ihn in eine neue Gruppe integrieren zu könen“, so Schwinn.

Mit zehn Jahren beginnt bei den sogenannten Schwarzrücken die Geschlechtsreife und sie versuchen zunehmend, dem dominanten Silberrücken als Anführer der Familie den Platz streitig zu machen. In der Wildnis führen bei den Berggorillas Silberrücken ihre Familie durchschnittlich nur etwas mehr als viereinhalb Jahre, bevor sie sterben oder von einem Rivalen entmachtet werden. Gorillas können über 50 Jahre alt werden“, sagt Schwinn und schiebt bittere Realität direkt hinterher: „wenn sie nicht durch illegale Brandrodung, Wilderei oder immer kleiner werdende Lebensräume umkommen.“

 Die Empfehlung für den Umzug stammt vom Europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP. Aus vier europäischen Zoos kommen Wazungu, der als ältester und mit seinen 18 Jahren eine Führungspersönlichkeit ist, die beiden gleichaltrigen achtjährigen Männchen Yeba und Ayo sowie als Jüngster Tambo zusammen. „In einigen Jahren wird dann geschaut, wer in einem anderen Zoo als Silberrücken eine Gruppe übernehmen kann“, erzählt Schwinn.

Was sich aus menschlicher Sicht ungewöhnlich anhört, sei für Gorillas auch im Freiland vollkommen normal. Nicht jeder Mann wird in seinem Leben einen eigenen Harem haben. „Schafft er es, eine Gruppe zu übernehmen, tötet er zunächst die Jungtiere seines Vorgängers, damit er schneller eigenen Nachwuchs mit den Frauen zeugen kann“, erklärt die Zoo-Biologin.

Flachland- und Berggorillas leben im Freiland in Haremsgruppen. Ein Silberrücken führt und schützt seine Familie. Weibliche Jungtiere verlassen die Gruppe selbstständig, wenn sie geschlechtsreif werden und schließen sich anderen Familiengruppen an. Männliche Jungtiere verlassen die Gruppe nur auf Druck des Silberrückens, wenn dieser eine Konkurrenz heranwachsen sieht. „Da genauso viele weibliche wie männliche Tiere zur Welt kommen, finden sich die jungen Männer in der Wildnis meist zu Junggesellengruppen zusammen, die gemeinsam umherziehen“, sagt Schwinn. Alte Silberrücken ohne eigenen Harem werden Einzelgänger.

„Der Zoo in Thoiry hat sich zu einem Vorzeige-Zoo entwickelt“, sagt Christian Heidt für ProZoo, der den französischen Zoo vor kurzem noch besucht hat. Begeistert ist er von dem neuen Gorilla-Haus mit großen Freianlagen, das vor kurzem eingeweiht wurde. Dort werden nicht allein die Westlichen Flachlandgorillas gehalten, sondern sie leben in Gesellschaft von Goldbauch-Mangaben und Husarenaffen (siehe Facebook https://t1p.de/a6lz oder Internetseite https://t1p.de/m6sw). Dort wartet das Team schon auf Tambo. Der reist in einer stabilen, metallverstärkten Kiste durch ein Tier-Transportunternehmen dorthin.