Jugendbeirat: „Es funktioniert einfach nicht“

Jugendbeirat: „Es funktioniert einfach nicht“

Das junge Gremium fühlt sich von Politik und Verwaltung im Stich gelassen und fordert Änderungen.

Krefeld. „Jugendbeirat auf Abstellgleis“ titelte die WZ im Februar vergangenen Jahres. Vier Jahre nach der Gründung lud der Jugendbeirat damals seine ganze Enttäuschung in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses ab. Sie könnten nicht auf finanzielle Mittel zugreifen und wichtige Projekte nicht realisieren. „Offenbar nimmt man uns nicht ernst. Es funktioniert einfach nicht richtig“, klagten sie damals. Insbesondere der eigene Internetauftritt sei „extrem wichtig“ für eine Ideensammlung. Nicht realisiert worden sei auch eine legale Graffiti-Wand für die in Krefeld sehr aktive Sprayer-Szene.

Genau dieselben Probleme trägt Dominik Schramm anderthalb Jahre danach während der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses vor. „Offenbar ist alles, was wir machen, falsch.“ Immerhin kann er stolz darauf verweisen, dass sein Gremium kurz vor den Landtagswahlen eine Podiumsdiskussion mit den kandidierenden Parteien in der Kulturfabrik geschultert hat, an der rund 350 vorwiegend junge Menschen teilgenommen haben.

Dafür gibt es Beifall, Schelte jedoch für die verschleppten Projekte. Bürgermeister Frank Meyer: „Unglaublich. Man kann doch die jungen Leute nicht im Regen stehen lassen.“ Das sei „schädlich, peinlich und höchst gefährlich“, meint der SPD-Sprecher. Außerdem sei das kontraproduktiv für das Ziel, mehr junge Menschen für die Politik zu interessieren. Ausdrücklich schloss Meyer von seiner Kritik die städtische Jugendhilfe aus.

Hedwig Schomacher, Chefin des Berufskolleg Vera Beckers, schließt sich Meyer an: „Das Ganze ist schwer erträglich. Das ist fast schon kabarettreif. Es ist unglaublich, wie man mit den jungen Leuten umspringt. Da kann man den Beirat ja gleich wieder abschaffen.“

Grünen-Sprecherin Monika Brinner will wissen, dass die organisatorische Verantwortung inzwischen vom Büro des Rates auf die Jugendverwaltung übergegangen ist. Dort seien die Nöte des Beirats inzwischen angekommen. Künftig werde dort ein Sozialarbeiter mit einer begrenzten Stundenzahl dem Beirat zur Seite stehen. Die Ausschuss-Vorsitzende Britta Oellers versichert, dass die Kritik der Junior-Politiker künftig mehr Gehör finde.

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