Jugend forscht in Krefeld „Ideen, wie sie Erwachsene gar nicht mehr haben“

Krefeld · Thomas Zöllner, Wettbewerbsleiter von „Jugend forscht“, ist begeistert von 187 eingereichten Projekten. Im Interview erklärt er, warum das so ist.

 Thomas Zöllner (Mitte) hat sich die Ideen der Schüler zusammen mit anderen Jury-Mitgliedern angesehen.

Thomas Zöllner (Mitte) hat sich die Ideen der Schüler zusammen mit anderen Jury-Mitgliedern angesehen.

Foto: Jochmann, Dirk (dj)

Nachwuchstüftler und junge Wissenschafts-Fans haben die heiße Phase bereits hinter sich. Ihre 187 Projekte zu Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo-/Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik, Physik und Technik sind eingereicht. Für die Jury hat damit die Arbeit jetzt begonnen. Unter den bis zu 50 Experten hat auch Thomas Zöllner (52) über den Forschungsprojekten gebrütet. Der stellvertretende Schulleiter des Gymnasiums am Moltkeplatz ist Wettbewerbsleiter des niederrheinischen Regionalwettbewerbs und er ist begeistert vom Ideenreichtum der Teilnehmer.

Herr Zöllner, haben die Juroren nicht irgendwann alle Projekte so oder so ähnlich schon mal gesehen?

Thomas Zöllner: Das kann man so pauschal nicht sagen. Selbstverständlich kann es schon mal sein, dass sich Teilnehmer mit einem ähnlichen Thema bewerben wie es schon mal eingereicht worden ist. Aber ein Zahnarzt hat ein Loch im Zahn an einer bestimmten Stelle auch schon oft gesehen. Und trotzdem ist es jedes Mal ein anderer Mensch. Wenn es einem ein Anliegen ist, junge Leute von der Couch und vom Handy weg zu holen, ist man begeistert, dass es solche Jugendlichen wie die Teilnehmer bei „Jugend forscht“ gibt. Die Fragestellungen, die sie haben, begeistern uns.

Was ist so spannend?

Zöllner: Da stellen sich Zehnjährige Fragen, die wir uns als Erwachsene nie stellen. Wo wir im Alltag sagen würden, das ist halt so, wo wir nicht mehr den Blick für haben und etwas übersehen, haben sie einen Forschungsansatz und haben eine ganz besondere Offenheit beim Forschen.

Müssen sich die Juroren auch mal hart auseinandersetzen?

Zöllner: Nein, da geht es höchstens mal um die Frage, ob etwas einen ersten oder zweiten Preis bekommen soll. Wie einig wir uns sind, zeigt sich, nachdem aktuell einige der Juroren, die das ja alle ehrenamtlich machen, beruflich verhindert waren. Sie haben ihre Bewertung schriftlich geschickt. Und nachdem die Jury-Mitglieder, die vor Ort waren, ihre Einschätzung abgegeben hatten, haben wir verglichen und die Juroren mit der schriftlichen Bewertung waren zum gleichen Ergebnis gekommen.

Nach welchen Kriterien bewerten Sie die Arbeiten der Schüler denn?

Zöllner: Da sind das Alter und der Anteil der eigenen Leistung zum Beispiel entscheidend. Aber wir bewerten auch die Präsentation am 3. März. Dann müssen die Schüler auch Fragen der Jury beantworten. Hinterher gibt es dann nach der Bekanntgabe der Gewinner ein Feedback für die Teilnehmer. So dass sie zum Beispiel mit einem kleinen Projekt starten und fürs nächste Mal vielleicht weiterentwickeln können. Diejenigen, die für den Landes- bzw. Bundeswettbewerb weitergemeldet werden, bekommen Beratung von den Experten.

Was bedeutet und bringt den Jugendlichen die Teilnahme?

Zöllner: Viele machen es, weil zum Beispiel aus dem Unterricht etwas erwachsen ist, für das dort beispielsweise keine Zeit mehr geblieben ist. Begeisterung für ein Thema entsteht auch dann, wenn es Unterstützung durch Lehrer gibt wie die ehrenamtlichen Projektleiter von „Jugend forscht“. Und „bringen“ kann es den Schülern für die Zukunft einen leichteren Zugang zu Praktikums- oder Studienplätzen, weil sie durch „Jugend forscht“ das bundesweit gültige Mint-EC-Zertifikat erhalten.

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