Jazz-Festival: "Jazz an einem Sommerabend" mit Stimmwunder aus der Schweiz

Jazz-Festival: "Jazz an einem Sommerabend" mit Stimmwunder aus der Schweiz

Das 32. Festival „Jazz an einem Sommerabend“ lockte bei gutem Wetter 700 Fans in die Burg Linn.

Krefeld. Blitz, Hagel, Donner - der Festivalsommer geriet bisher öfter zur Katastrophengeschichte. Der Jazzklub Krefeld aber hatte Glück. Sein Festival „Jazz an einem Sommerabend“ fand unter blauem Himmel in der Vorburg der Burg Linn statt, und auch noch nach Sonnenuntergang konnten sich die etwa 700 Zuschauer eines lauen Lüftchens erfreuen und das abwechslungsreiche Programm genießen.

Es war die 32. Auflage des Festivals, 50 ehrenamtliche Helfer aus den Reihen des Vereins haben es wieder möglich gemacht. Wie stets wurden Bands geboten, die zunächst die Region, dann die europäische Szene, schließlich die USA als Mutterland des Jazz repräsentieren.

Aus der starken Kölner Jazzszene war der Trompeter Frederik Köster mit seinem Quartett „Die Verwandlung“ angereist. Köster ist beliebt in Krefeld, war hier schon oft zu Gast. Nach einem kurzen balladesken Intro ließ die Band in „Shiva“ gleich mächtig die Zügel schießen.

In dem Bebop-Fusion-Mix zeigte Köster bereits die große Bandbreite seines Könnens. Sein Ton ist mal ungewöhnlich warm, dann wieder scharf. Auch gelungene Wechsel zwischen elegantem Legato und bissigerem Portato bezeugen Variabilität.

Pianist Sebastian Sternal bewies in seinen Soli ebenfalls melodischen Einfallsreichtum und harmonische Kompetenz. Kontrabassist Joscha Oetz agierte sicher und lebendig, der solide Nils Tegen am Schlagzeug war für den Stammspieler des Quartetts auf dieser Position, den grandiosen Jonas Burgwinkel, leider kein vollwertiger Ersatz. Insgesamt aber überzeugte die Band mit intelligenter zeitgenössischer Fusion-Musik, auch wenn Köster die Musik manchmal mit elektronischer Verfremdung zu sehr ins Atmosphärische drängte.

Es folgte ein Duo aus der Schweiz: Von Andreas Schaerer, Stimme, und Lukas Niggli am Schlagzeug war experimentelle schwere Kost erwartet worden, aber sie lösten Begeisterung aus. Schaerer als Sänger zu bezeichnen, wäre eine fahrlässige Untertreibung. Der Mann grunzt, schnalzt, fiept, brummt (teils elektronisch verfremdet auch besonders tief) und singt obendrein. Dabei gleitet er mühelos von seiner Tenorlage in eine sicher beherrsche Kopfstimme und zurück und kann auch noch Obertonsingen integrieren.

Dass er dann auch noch Kabinettstückchen beherrscht, etwa gleichzeitig zu schnalzen und zu singen, brachte das Publikum schier aus dem Häuschen. Schaerers Melodien schienen mal aus einem Schweizer Tal herüberzuwehen, dann aus den Weiten Afrikas, dann aus irgendeiner Ecke des Balkans. Niggli zauberte mit mehr Becken als üblich und vielerlei Stock- und Schlegelarten aus seinem Drumset einen rockig grundierten, aber dann doch eher weltmusikalisch-perkussiven Klangteppich für Schaerer.

„Nicht pfannenfertig, sondern frisch angerührt“ sei ihre Musik, hatte Schaerer angekündigt, und so war es denn auch. In die Fertiggerichtabteilung ging es dann erst mit dem vermeintlichen Top-Act des Abends, mit dem Quartett des Tenorsaxophonisten Joshua Redman.

Redman ist ein großartiger Tenorsaxophonist, daran ließ er in Linn keinen Zweifel. Auch Pianist Kevin Hays und Kontrabassist Joe Sanders bewiesen großes instrumentales Können, Jorge Rossy am Schlagzeug spielte hingegen viel zu zurückhaltend.

Zu hören gab es Modern Jazz. Aber damit nicht genug. In der hierarchischen Art des Zusammenspiels - der Solist wird bieder begleitet, es gibt kaum übergreifende Interaktion -, in der strengen Wahrung der Formen, sei es nun stilistisch oder im Arrangement, bewegte sich das Quartett so sehr im Mainstream, dass es seiner Topact-Rolle nicht gerecht werden konnte.