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Jane-Goodall-Institut kündigt Kooperation mit Krefelder Zoo an

Diskussion um den neuen Affenpark : Jane-Goodall-Institut kündigt Kooperation mit Krefelder Zoo an

Zoodirektor Wolfgang Dreßen begrüße das Angebot der Kollegen, ihr Fachwissen in die Planung und Umsetzung des Affenparks einzubringen.

Die Verwirrung war groß: Ein Artikel im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ vermittelte den Eindruck, dass die Primatenforscherin Jane Goodall die Haltung von Affen in Zoos nicht grundsätzlich für schlecht hält. „Tiere können dort sehr glücklich sein“, sagte Goodall dem Spiegel. Dies schien den Neubauplänen eines Menschenaffenparks im Krefelder Zoo Rückenwind zu verleihen – doch wenig später kam das Dementi des Jane-Goodall-Instituts in Deutschland: „Man könnte die veranschlagten 20 Millionen wesentlich wirksamer für den Artenschutz einsetzen als für den prestigeträchtigen Neubau des Affenhauses“, hieß es in einer „Richtigstellung“.

Nun aber scheinen sich die Wogen zu glätten: Vor wenigen Tagen gab es „ein sehr offenes und konstruktives Gespräch“ zwischen Ulrike Beckmann, Deutschland-Chefin des Jane-Goodall-Instituts, und Zoodirektor Wolfgang Dreßen. Geplant ist nun ein Dialog zwischen dem Institut und dem Zoo, „der in Zukunft im Interesse der Schimpansen in Zoohaltung und gleichzeitig der Unterstützung ihrer Artgenossen in den afrikanischen Auffangstationen sowie dem Schutz ihrer ursprünglichen Lebensräume geführt werden wird“.

 Jane Goodall (l.l) mit dem Vorsitzenden des Jane-Goodall-Instituts, Patrick van Veen.
Jane Goodall (l.l) mit dem Vorsitzenden des Jane-Goodall-Instituts, Patrick van Veen. Foto: wz/JGI Austria Bernhard Noll

„Ich freue mich sehr, dass Patrick van Veen die Einstellung des Jane-Goodall-Instituts zur Haltung von Primaten in Zoos verdeutlicht hat. Im internationalen Natur- und Artenschutz gilt mittlerweile ein klares Prinzip zum gemeinsamen Plan (One plan approach): Sowohl der Kampf um den Lebensraum der bedrohten Arten vor Ort als auch die Bildungs- und Zuchtprogramme in den Zoos tragen dazu bei, die Artenvielfalt in natürlichen Lebensräumen zu bewahren“, sagt Krefelds Zoodirektor Wolfgang Dreßen.

„Ich glaube, dass wir zu den Krefelder Plänen eine neutrale Perspektive haben“, hebt Patrick van Veen hervor. Er ist seit vier Jahren „Chair of the Board“ des „Jane-Goodall-Instituts Global“, das weltweit über 30 Niederlassungen verfügt. Wie der Niederländer betont, arbeite das Institut schon seit vielen Jahren eng mit Zoos zusammen – anfangs vor allem in den USA mit dem ChimpanZOO-Programm, das Jane Goodall selbst gestartet hat.

Dessen Ziel war es, die Bedingungen für gefangene Schimpansen und andere Tiere zu verbessern und Aufklärungsarbeit und Arterhaltungsprojekte zu fördern. Mittlerweile sei die Tierhaltung vielfach besser geworden. Die Zusammenarbeit mit den Zoos sei umgekehrt jedoch zurückgegangen, berichtet van Veen. Das soll seit 2019 verändert werden – nun auch durch die mögliche Kooperation mit Krefeld. „Wir lehnen nicht generell Zoos ab, sondern nur schlechte Zoos“, sagt der weltweite Instituts-Vorsitzende. Diese gebe es leider immer noch. Als Beispiel nennt er eine besonders schlimme Anlage in Bangkok.

Auch die Kritik an der alten Affenhaltung des Krefelders Zoos könne er nachvollziehen. Doch man sei realistisch: Das abgebrannte Affenhaus sei ein Erbe der 1970er Jahre gewesen, als es beim Bau den damals aktuellen Stand der Tierhaltung repräsentiert habe. Mit dem Bau des Gorilla-Parks sei in Krefeld mittlerweile schon viel verbessert worden, der geplante Schimpansen-Wald hätte die nächste Stufe bedeutet.

Diese schon fertigen Pläne sollen nun in das „Artenschutzzentrum Affenpark“ integriert werden, das sich auf einer Fläche auf etwa zwei Hektar (20 000 Quadratmeter) in der Größe vervierfachen soll. Als Basis dafür dienen die „Best Practice“-Empfehlungen der Europäischen Erhaltungszuchtprogramme (EEP) für Primaten. Gehalten werden sollen in Krefeld weiterhin Westliche Flachland-Gorillas, westafrikanische Schimpansen und Borneo-Orang-Utans. Hinzukommen sollen Lemuren.

„Ich kenne die Pläne“, berichtet Patrick van Veen. Eingebunden sei man darin bisher nicht, doch passten sie gut in die Strategie des Instituts. Er könne anbieten, bei der weiteren Verwirklichung mit kritischem Rat dabei zu sein. „Ich begrüße das Angebot der Kollegen vom Jane-Goodall-Institut, ihr Fachwissen in die Planung und Umsetzung des Affenparks einzubringen. Eine klare Kooperation sehe ich in dem Bildungsprogramm ChimpanZOO von Jane Goodall, das ein idealer Partner für unser Regionalzentrum zur Bildung für nachhaltige Entwicklung hier im Zoo wäre: beide Programme wenden sich an Kinder und Jugendliche, die im künftigen Krefelder Affenpark aktiviert werden, sich für den Schutz von Primaten wie auch weltweiten Umweltschutz einzusetzen“, erklärt Zoodirektor Dreßen.

Das Jane-Goodall-Institut unterstützt laut eigener Aussage in erster Linie das Leben der Menschenaffen in Freiheit. „Doch dass es den Tieren dort immer am besten geht, ist leider nicht so“, sagt van Veen. Er erinnert an die Rodungen von Regenwald, den immer kleiner werdenden Lebensraum für die Tiere und an den wachsenden Handel mit Wildfleisch.

Die unterschiedlichen Äußerungen des Jane-Goodall-Instituts kann Patrick van Veen erklären: „Auch bei uns gibt es Diskussionen über den richtigen Weg.“ Projekte in Zoos könnten die Botschafter für Tiere in der Wildnis sein. „Ich hoffe sehr, dass das Artenschutzzentrum Affenpark ein solcher Botschafter wird.“ Dann könne der Zoo ein sehr guter Platz sein, an dem vor allem Kinder etwas über die Tiere und den Tierschutz erfahren. Dies sei im Zoo viel besser möglich als durch Filme oder Bücher.

Das Jane-Goodall-Institut unterstützt solche Anstrengungen mit dem Programm „Roots& Shoots“. Es soll Kinder und Jugendliche weltweit motivieren, sich für Menschen, Tiere und die Umwelt zu engagieren. Nicht zuletzt, ergänzt van Veen, unterstützten viele Tiergärten auch Artenschutz-Projekte in Afrika.

Klar ist aus seiner Sicht aber auch: Der Erhalt einer Art im Zoo könne nicht dazu dienen, die von Menschen aufgezogenen Affen später auszuwildern: „Das macht komplett keinen Sinn.“