Umfrage: Ist das Smartphone ein Gesprächskiller?

Umfrage : Ist das Smartphone ein Gesprächskiller?

Krefeld. Wolfgang Lüer steuert seit 25 Jahren und drei Monaten Straßenbahnen durch Krefeld. Dass seine Fahrgäste nur noch auf ihr Smartphone starren und sich gar nicht mehr unterhalten, kann er nicht bestätigen.

„Wenn die Leute sich unterhalten wollen, dann tun sie das“, ist seine Überzeugung. Erwartungsgemäß seien es besonders junge Leute, die sich mit ihrem Smartphone beschäftigen und informieren. Ein großer Unterschied: „Heute holen sich die Fahrgäste die Informationen über Fahrpläne und aktuelle Änderungen auch meist übers Smartphone.“ Daher werde der 54-Jährige seltener als früher persönlich nach Informationen gefragt.

Auch der Straßenbahnfahrer selbst halte sich mit seinem Handy auf dem Laufenden. „Ich bin natürlich gerne informiert, wenn es irgendwo Störungen gibt“, sagt Lüer. Dabei setze der Mitarbeiter der SWK natürlich auf den hauseigenen WhatsApp-Dienst.

Was dem erfahrenen Straßenbahnfahrer aber in Erinnerung bleibt, sind besondere Begegnungen. Dazu zählen Eltern, die ihre Kinder in seine Obhut geben, damit sie lernen, wie man mit der Straßenbahn fährt oder Stammgäste, die er schon seit Jahrzehnten kennt.

Kurios sei auch ein „Scheidungshund“ gewesen, der von einem Herrchen in die Bahn gesetzt wurde und dann ganz ruhig auf seinem Platz sitzenblieb, bis er an der richtigen Haltestelle von einem seiner anderen Herrchen abgeholt wurde.

Solche Dinge könnten dem ein oder anderen Fahrgast, der mit Tunnelblick aufs Smartphone schaut, aber entgehen. „Die Menschen sprechen kaum noch miteinander, sogar, wenn sie sich kennen“, sagt Jürgen Krecht, der jeden Tag mit der Straßenbahn zur Arbeit fährt. „Diese Entwicklung finde ich traurig.“ Es sei eine Art Kommunikationsverhinderung.

Pauschalisieren kann man jedoch an dieser Stelle nicht. Die 20-jährige Tabea ist der Beweis dafür, dass Jugendliche durchaus auch zum Buch greifen. „Nachdem ich festgestellt habe, dass es mich nervt, wenn ich zu viel Zeit am Smartphone verbringe, habe ich das verändert.“ Als Alternative nennt sie: Essen, Lesen oder mit Freunden reden.

„Wenn ich kein Handy hätte, würde ich wohl aktiv nachdenken“, sagt dagegen die 25-jährige Elif Yavuz — mit ihrem Smartphone höre sie meistens türkische oder englische Musik und träumt dabei vor sich hin. „Aber wenn ich von der Uni komme, dann bin ich meistens nicht alleine im Zug und quatsche lieber mit Freunden.“

Auch der 44 Jahre alte Milovan Madzarevic nutzt sein Smartphone in der Straßenbahn: „Früher habe ich immer einen Roman in der Tasche gehabt, heute lese ich Bücher und Nachrichten auf dem Handy.“ Angesprochen wurde er im Zug noch nie. „Ich gucke wohl immer so grimmig, dass mich niemand anspricht“, scherzt Madzarevic.

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