Krefeld: Investor will Wohnkomplex in Krefeld: Garten der Familie Waldt ist in großer Gefahr

Krefeld: Investor will Wohnkomplex in Krefeld: Garten der Familie Waldt ist in großer Gefahr

Die Rheinschenke in Krefeld soll zu einem Wohnkomplex umgebaut werden. Diesen Baumaßnahmen wird wohl auch der wunderschöne Garten der Familie Waldt zum Opfer fallen.

Wenn Michaela Waldt in ihrem Garten sitzt, könnte sie glatt vergessen, dass sie gerade in Krefeld ist. Zwischen Bambus und Palmen stehen da zwei aus Holzpaletten zusammengezimmerte Liegestühle, auf denen man es jetzt im Sommer besonders gut aushalten, den Blick zu dem kleinen Teich oder die Granatapfel- und Eukalyptusbäume schweifen lassen und dabei die Zehen im Sandboden vergraben kann. Der von großen Metallkübeln gesäumte Kiesweg dahinter führt zu einer gemütlichen Holzhütte, die Michaela Waldts Mann mit viel Liebe gebaut hat. „Für mich ist mein Garten ein Paradies“, sagt Michaela Waldt. Ein Paradies, das nicht für die Ewigkeit ist — denn der Garten muss weg. Und mit ihm die Rheinschenke, die derzeit noch Biergarten und Restaurant an der Düsseldorfer Straße 280 öffnet.

Foto: Grafik: Immobilien Competence GmbH

Ein Investor aus Willich, die Immobilien Competence GmbH, hat das Fleckchen Erde im beschaulichen Gellep-Stratum, zwischen dem Naturschutzgebiet Latumer Bruch und dem Rhein, für sich entdeckt. Unter dem Titel „Römerhof“ will der Investor auf dem Gelände des alten Gutshofs aus dem 19. Jahrhundert schon bald ein Bauprojekt mit luxuriösen Eigentumswohnungen und Doppelhaushälften verwirklichen. Für rund fünf Millionen Euro sollen im Hauptgebäude — der heutigen Rheinschenke — Wohnungen, auf dem gegenüberliegenden Parkplatz vier Doppelhaushälften entstehen und die alte Scheune zu fünf Reihenhäusern umgebaut werden. Genau hier liegt das Problem: Der Garten von Familie Waldt, die seit acht Jahren eine der vier Wohnungen auf dem alten Gutshof mietet, grenzt an diese Scheune. Als Garten soll die Fläche auch künftig genutzt werden — allerdings von den Eigentümern der geplanten Reihenhäuser, zu deren Grundstück diese Fläche dann gehört.

Die Gebäude nach dem Umbau. Grafik: Immobilien Competence GmbH

Michaela Waldt ist verzweifelt. „Mein Mann und ich haben gedacht, wir werden hier alt“, sagt sie. Als die Waldts 2010 den Mietvertrag für die Wohnung in dem alten Haus an der Düsseldorfer Straße 280 a unterschrieben — damals noch ohne Mitnutzung des Gartens — hätten die damaligen Eigentümer versichert: „Wir können hier so lange bleiben wie wir wollen“, erzählt Michaela Waldt. „Das war uns wichtig. Uns hat dieses alte Haus mit dem Kamin auf Anhieb gefallen.“ Im Juli 2012 kam dann eine handschriftlich aufgesetzte Zusatzvereinbarung hinzu, in der die damalige Eigentümerfamilie Pottmeier den Waldts die Erlaubnis zur Gestaltung und Nutzung des Gartens bescheinigt. Wörtlich heißt es darin: „Solange Ihr die Wohnung nutzt, könnt Ihr auch den Garten genießen.“ Der Willicher Investor zweifele jetzt allerdings die Rechtsgültigkeit dieser handschriftlich aufgesetzten Vereinbarung an.

Hinter dem Gartentörchen mit der Aufschrift „Privat“, da wo heute Michaela Waldts kleines Paradies liegt, sei 2012 nicht viel mehr als ein „brachliegendes Feld“ gewesen. „Wir haben Strom und einen Wasserzugang nach hinten legen lassen, den Garten über viele Jahre so gebaut, wie er jetzt aussieht“, erinnert sich die Mieterin. Kurz vor Weihnachten 2016 dann der Schock für das Ehepaar Waldt: „Da eröffneten die Eigentümer uns dann, dass das Haus verkauft werden soll und unser Garten den bereits existierenden Bauplänen zum Opfer fällt.“

Außer der zwei „nicht rechtskräftigen“ Mahnungen eines Düsseldorfer Anwalts der ehemaligen Eigentümer hinsichtlich Luftfeuchtigkeit in der Wohnung und zur Größe der Gartenhütte, die für sie und ihren Mann im vergangenen Juli „wie aus heiterem Himmel“ ins Haus geflattert seien, sei lange nichts passiert, sagt Michaela Waldt. Bis Anfang des Jahres. Da habe sich der Investor aus Willich bei ihnen gemeldet. „Er wollte den Kaufvorantrag unterschreiben und wir sollten uns überlegen, wie wir uns außergerichtlich einigen können“, erinnert sie sich.

Die Rheinschenke soll zu einem Wohnkomplex umgebaut werden.

Für Michaela Waldt und ihren Mann steht derweil fest: „Wir wollen hier nicht weg — aber ohne Garten wollen wir auch nicht bleiben.“ Zumal: „Es wird doch nur eine Frage der Zeit sein, bis auch die Mietwohnungen verkauft werden.“ Zu welchen Konditionen — das sei ungewiss. Sie fürchtet: „Die Lebensituation wird sich hier schon wegen der Bauarbeiten völlig verändern.“ Finanziell abspeisen will sie sich aber nicht lassen: Ein Kostenvoranschlag für den Umzug mit allen Möbeln und mobilen Pflanzenkübeln gehe von mehreren tausend Euro aus — „bei starkem Eigenaufwand“. Mit eingerechnet sei da nicht das Herzblut, das die Waldts in den vergangenen Jahren in die Gestaltung des Gartens gesteckt haben.

Dafür zeigt auch Volker Reinert, Geschäftsführer der Willicher Investorenfirma, Verständnis. „Wir wollen keinen Ärger mit den Mietern und haben Familie Waldt gebeten, sich Gedanken über einen finanziellen Ausgleich zu machen“, sagt er und nennt auch Zahlen: 10 000 Euro seien realistisch. Weiter betont Reinert: „Es geht nicht darum, Mieter zu vergraulen. Von unserer Seite gibt es auch das Angebot, nach einer Ersatzfläche für den Garten auf dem Gelände zu schauen, wenn Familie Waldt daran Interesse hat.“

Der Kaufvertrag sei abgeschlossen, „sobald wir die Baugenehmigung von der Stadt haben, kann es losgehen“. Schon im September, spätestens aber im Oktober könnten dann die Bagger an der Düsseldorfer Straße rollen. Im nächsten Jahr sollen auch die Mietwohnungen renoviert und anschließend als Eigentum im Gesamtkonzept „Römerhof“ verkauft werden — „gerne auch an jetzige Mieter“, betont Reinert. Auch wenn die sich nicht zu einem Kauf entscheiden sollten, rechnet er nicht damit, „dass die Mietverhältnisse aufgelöst werden, weil Käufer die Wohnungen voraussichtlich als Kapitalanlage und nicht für den Eigenbedarf nutzen“.

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