Investor baut in Krefeld-Uerdingen zwei Denkmäler zu Wohnhäusern um

Wohnen : Neues Wohnen in Bau-Denkmälern

Willicher Investor kauft „Leutefeldhof“ und altes Reichsbank-Gebäude im Uerdinger Ortskern und baut beide um.

Die Willicher Firma Immobilien Competence baut zwei denkmalgeschützte Bauten im Uerdinger Ortskern um. Das Unternehmen, das seit Jahren einen Schwerpunkt im Bereich Sanierung denkmalgeschützter Gebäude setzt, hat den früheren „Leutefeldhof“ (am Marktplatz 23) sowie die „Alte Reichsbank“ an der Niederstraße 26 gekauft.

„Für beide Gebäude haben wir mit der Stadt und der Unteren Denkmalschutz-Behörde ein Umbau- und Nutzungskonzept erarbeitet. Für die Villa am Marktplatz haben wir bereits eine Baugenehmigung und möchten gerne im Herbst mit dem Umbau beginnen“, erklären Volker Reinert und Christian Paschertz, Geschäftsführer des Unternehmens.

Paschertz ist in Krefeld kein Unbekannter: Erst vor wenigen Wochen hatte er über die Paschertz Grundstücks GmbH, die wie die Immobilien Competence ihren Sitz an der Schmelzerstraße 2 im Gewerbepark Stahlwerk Becker in Willich hat, die alte Brotfabrik „Im Brahm“ an der Ritterstraße übernommen. „Wir haben eine Neigung zu Denkmalobjekten, die interessant sind“, sagte der 40-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. Vor Jahren war er auch für die Sanierung der Jugendstil-Villa Waldhof an der Uerdinger Straße verantwortlich.

Aufgrund der baugeschichtlichen Vergangenheit des Baudenkmals in Uerdingen ist für die Bauausführung insgesamt und im Detail, insbesondere für die Gestaltung der Fassade, der Fenster, der Treppenhaus- und Eingangsanlagen, die Wahl der Baumaterialien und der Farbgebung des Gemeinschaftseigentums die Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden erforderlich. Bauen im Denkmal bedeutet bis zur Fertigstellung eine mit den zuständigen Behörden eng abgestimmte und insgesamt einvernehmliche, laufend an aktuelle Erkenntnisgewinne anzupassende Planung und Bauausführung. Vorgaben, insbesondere Anregungen, Abstimmungen und Weisungen von Seiten der Behörden dürfen unabhängig von deren im Einzelfall rechtlich (un)verbindlichem oder durch Rechtsbehelfe angreifbaren Charakter umgesetzt werden.

Beide Umbau-Konzepte seien unter der Vorgabe entwickelt worden, die Gebäude im Uerdinger Stadtbild zu erhalten – entsprechend werden zum Beispiel die neuen Fenster im historischen Charakter gestaltet. „Die Abstimmungen mit den Behörden in Krefeld sind sehr gut gelaufen“, betont Reinert.

Am Marktplatz 23

Das im bürgerlichen Jugendstil gebaute Haus – in der Denkmalliste als „Leutefeldhof“ eingetragen - wird im Erdgeschoss zwei Bürobereiche erhalten, in den beiden oberen Etagen mit dem teilausgebauten Dachgeschoss werden insgesamt sechs hochwertige Eigentumswohnungen (53 bis 83 m²) für Singles, Paare oder junge Familien errichtet. Das historische Treppenhaus und die historische Fassade bleiben erhalten. Das Treppenhaus wurde in Marmor und mit gedrechselten Treppengeländern errichtet. Der Bereich wird erhalten und aufgearbeitet.

Im zweiten Geschoss und Dachgeschoss entsteht unter anderem eine Maisonette-Wohnung. Die Wohnungen erhalten großzügige Balkons beziehungsweise Terrassen, die mit Holzdielen belegt werden. Durch die Lage an der Rheinseite des Marktplatzes als Eckhaus erhält das Gebäude von drei Seiten Licht. Die Villa umfasst rund 600 Quadratmeter.

Der Marktplatz und der Wochenmarkt dürften so alt sein wie die Verleihung der Stadtrechte an Uerdingen. Urkunden aus dem Jahr 1255 belegen die zeitgleiche Verleihung der Stadt- und der Marktrechte.

Niederstraße 26

Das alte Reichsbank-Gebäude ist mit einem Foto aus dem Jahr 1904 erstmalig belegt. Quellen des Uerdinger Heimatbundes beschreiben das Haus als im Palazzo-Stil – im Sinne der italienischen Renaissance – erbaut. An dieser Stelle befand sich früher einmal ein Franziskanerkloster.

Über viele Jahrzehnte war hier die Reichsbank Nebenstelle, danach die „Uerdinger Bank“, die dann später in „Uerdinger Volksbank“ beziehungsweise Krefelder Volksbank umbenannt wurde. Seit dem Umzug der Volksbank steht das Haus leer.

Auch hier entstehen hochwertige Büros und Praxen sowie Eigentumswohnungen mit Balkon oder Terrassen, Stellplätzen und einem Aufzug, sodass ein barrierefreier Zugang gewährleistet ist. Das Haus umfasst insgesamt rund 660 m².

Die Bauantragstellung wird, unter Berücksichtigung der denkmalrechtlichen Auflagen, zeitnah erfolgen.

Verkauf läuft

Die Wohnungen und Geschäftsräume werden an neue Eigentümer verkauft. Ziel ist es, die Flächen vor dem Baubeginn verkauft zu haben, weil das den neuen Eigentümern den größtmöglichen Nutzen der steuerlichen Abschreibung bei einer Denkmal-Sanierung bietet. Die Sanierung denkmalgeschützter Häuser ist eine der wenigen Möglichkeit, für die Baukosten eine staatliche Förderung zu bekommen – über die steuerliche Abschreibung (Abschreibung für Abnutzung). Im Ergebnis haben die Käufer bei Eigennutzung und oder Vermietung eine wesentlich günstigere Situation, als wenn sie in einer vergleichbaren Lage zur Miete wohnen. Red

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