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Architektur: Initiative Stadtkultur: Fokus auf Krefelds Wälle

Architektur : Initiative Stadtkultur: Fokus auf Krefelds Wälle

Der Stadtgrundriss wird 200 Jahre alt: Die Initiative Stadtkultur möchte zwischen den neoklassizistischen Bauten von Vagedes sowie den klassizistisch geprägten Wällen einen Bogen schlagen.

Krefeld. 2019 ist Bauhaus-Jahr. Krefeld wird als einzige Stadt in Nordrhein-Westfalen beim 100-jährigen Jubiläum vertreten sein. Sie besitzt die Mies van der Rohe Villen Haus Lange und Haus Esters sowie die Verseidag-Bauten. Gleichzeitig wird der Stadtgrundriss von Adolph von Vagedes 200 Jahre alt. Die seit vier Jahren aktive „Initiative Stadtkultur Krefeld“ findet, dass die Stadt aus diesen Werten Kapital schlagen und Zeichen setzen muss, die in die Zukunft strahlen. Sie möchte einen Bogen schlagen von den neoklassizistischen Bauten des Stararchitekten zu den klassizistisch geprägten Wällen.

„Nach 2019 sollte etwas Sichtbares bleiben“, sagt die Gruppe engagierter Krefelder um die Design-Professoren Harald Hullmann und Siegfried Gronert. Sie wünscht sich bis zum Jubiläumsjahr Dreierlei: Eine sichtbare Pflege der Wälle, ein profiliertes Gestaltungskonzept, das als zeitgenössische Architektur dem Rückgrat der Stadt gerecht wird und temporäre künstlerische Installationen auf den vier Eckwällen der Wälle, um diese zu markieren.

Dieser Perspektivwechsel soll alle Wälle einheitlich betreffen und nicht nur einen oder gar nur Abschnitte. „Als sichtbares Zeichen der Zusammengehörigkeit könnte die Kunst auf hohen Sockeln an den Eckpunkten der Wälle aufgestellt werden, die sich mit dem Grundriss der Stadt auseinandersetzen“, findet Hullmann. Somit werde das ganze Karree sichtbar. Dazu sagt Baudezernent Martin Linne: „Die Idee ist gut, aber nicht ganz neu. In weiteren Diskussionen müssen wir das historische Erbe von Vagedes so manifestieren, dass es in die nächsten 20 Jahre reicht. Jetzt müssen sich die Akteure darum kümmern, die die nächsten Schritte aussehen sollen.“ Die innerhalb des Programms Stadtumbau-West beantragte kulturhistorische Analyse der Wälle, deren Umsetzung mit knapp 130 000 Euro bereits bewilligt wurde, spiele in die gleiche Richtung, erklärt der Dezernent. Im Herbst soll der Auftrag vergeben werden. Linne betont: „Die Innenstadtakteure und Politiker müssen jetzt Schwerpunkte setzen.“

Martin Linne, Baudezernent

Zurück zu den Maßnahmen der Initiative. Die Mitglieder finden, als erstes müssten die Wälle einheitlich werden: „Sie brechen durch Einzelmaßnahmen auseinander. Unabhängig von der Nutzung sollten verbindende Elemente gefunden werden, nicht historisierend, sondern als ein innovatives Zeichen der Stadt. Wenn auf einem Wall, dann auf allen Wällen: Beleuchtung, Pflasterung, Grünanlagen.“

Apropos Grünanlagen. Sie müssten gepflegt werden. Hierzu brauche es ein Konzept, das langfristig umgesetzt werde. Hullmann: „Was das bedeuten könnte, ist beispielsweise in Ansätzen auf dem Anne-Frank- und Willy-Göldenbach-Platz schon zu sehen. Hier sind die Platzflächen begrünt und gegenüber dem Stadtraum klar abgegrenzt.“ Hierzu sagt Umweltdezernent Thomas Visser: „Die Grünflächen innerhalb der Wälle sind schon jetzt diejenigen, die am intensivsten gepflegt werden. Gestalterische Elemente könnten stärker in den Vordergrund rücken.“ Er erwähnt den Nordwall, der keinen Grünstreifen besitzt. Hier wäre virtuelle Kunst denkbar.“

Insgesamt sei eine gute Idee auf den Tisch gekommen, findet er. Ein weiterer Punkt der Initiative: „Die Kunst auf den Wällen soll kritisch hinterfragt werden. Um Qualität auf den Wällen zu ermöglichen, sollte ein Kurator oder eine Kunstkommission das letzte Wort haben.“ Letztlich könnten auch Farbvorschläge für die klassizistischen Fassaden der Innenstadt und nicht nur für die denkmalgeschützten Fassaden ein einheitliches Bild ergeben.