Energiewende Wärmekonzept für alle Stadtteile

Krefeld · 60 Prozent des Wärmebedarfs der Stadt Krefeld könnte aus industrieller Abwärme und Erneuerbaren Energien gedeckt werden. Gabi Schock (SPD) erklärt im Interview, wie.

 Gabi Schock

Gabi Schock

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Welches Ziel verfolgt der Krefelder Rat mit dem Klimaschutzkonzept?

Gabi Schock: Mit einem fast einstimmigen Ratsbeschluss hat Krefeld ein klares Ziel vorgegeben, welchen Weg die Stadt gehen will, um den größten Kohlendioxidausstoß zu bändigen – das Ziel ist eine innovative und kreative Wärmeplanung. Krefeld wird gezielt, überprüfbar, realistisch mit der Umsetzung beginnen und so 70 Prozent des Kohlendioxidausstoßes in Krefeld nachhaltig reduzieren.

Wer hinterlässt den größten CO2-Fußabdruck in Krefeld?

Schock: Mit mehr als einer Million Tonnen CO2 (in 2017) hinterlässt die Wirtschaft (Industrie, Gewerbe, Handel, Handwerk und Dienstleistungen) mit etwas mehr als der Hälfte den größten Fußabdruck, gefolgt von den privaten Haushalten mit einem Anteil von 32 und Mobilität mit einem Anteil von 14 Prozent. Der Gesamtausstoß laut Klimaschutzkonzept beträgt 2,04 Millionen Tonnen CO2.

Um eine Reduzierung von 16 Prozent bis 2030 und von 35 Prozent bis 2050 zu erreichen, sprechen Sie sich für eine kommunale Wärmeplanung aus. Was ist darunter zu verstehen?

Schock: Auf der einen Seite werden Gebäude (städtische Einrichtungen, wie Verwaltungsgebäude, Schulen, Schwimmbäder sowie Privathäuser), die einen Wärmebedarf haben, erfasst. Dem gegenüber gestellt werden Unternehmen, Rechenzentren und ähnliches mit großem Wärmeüberschuss. Eine aktuelle Studie des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) sieht großes Potenzial zur Nutzung von industrieller Abwärme. Bei der Wärmeplanung wird in den einzelnen Stadtteilen und Quartieren unter Beteiligung von Bürgern und Unternehmen geprüft, wie dieser Ausgleich geschaffen werden kann und – wenn ein höherer Bedarf vorliegt –, wie dieser mit Erneuerbaren Energien (zum Beispiel Solarthermie und Gebäudedämmung, aber auch Abwärme) gedeckt werden kann.

Und was passiert, wenn das wärmeliefernde Unternehmen ins Ausland die Produktion verlegt oder effizienter arbeitet und weniger Wärme abgeben kann?

Schock: Mit dieser Frage beschäftigen wir uns nicht nur in Krefeld, sondern man kann feststellen, dass unsere Nachbarstädte schon mit großen Schritten daran arbeiten. Sie bauen regionale Wärmenetze auf, die es ermöglichen, bei einem Unternehmensausfall die benötigte Menge kurzfristig aus der Region zu liefern. Da dies erfahrungsgemäß nur selten geschieht, kann weiterhin die Versorgungssicherheit zu bezahlbaren Kosten für den Abnehmer gewährleistet werden. Regionale Netze werden bereits geplant an der Strecke Dinslaken-Moers-Duisburg; Duisburg-Ruhrgebiet; Mönchengladbach-Neuss-Rheinisches Revier; Düsseldorf-Köln. Krefeld liegt mitten drin – hat aber bisher keinen Anschluss an ein solches regionales Wärmenetz.

Was wäre nötig, um ein regionales Wärmenetz aufzubauen?

Schock: Ich wäre begeistert, wenn wir die Herausforderung gemeinsam mit der Hochschule und den städtischen Töchtern annehmen würden, und uns bei den entsprechenden Fördergebern positionieren und die Funktion der Spinne im Netz einnehmen würden. Hierbei würde sich zeigen, dass wir in der Tat als Stadt innovativ und kreativ sind.

Welche Rolle spielt in Krefeld die Fernwärme und die Kraft-Wärme-Kopplung?

Schock: Krefeld war eine der ersten Städte in Deutschland, die die Kraft-Wärme-Kopplung in ihrer Müllverbrennungsanlage hatte. Heute gibt es deutschlandweit nur noch zwei alte Anlagen, die nicht so arbeiten. Auch die Kläranlage war beim Bau schon eine der modernsten und sehr gut ausgestattet. Da wir hier große Produktionsstandorte haben, die Abwärme produzieren, sie aber bislang nicht verkaufen, verpufft diese Energiequelle. Das ist ein Desaster. Aber wir haben die Chance, das nun anders aufzustellen. Wir dürfen nicht kleinteilig denken.

Wie sollen diese Investitionen bezahlt werden?

Schock: Ich komme ursprünglich aus dem Schwäbischen. Hier gilt der Leitspruch: „Für gute Projekte findet man immer Geldgeber.“ Innovative Projekte sind förderfähig. Gerade im Bereich klimaneutrale Wärmeversorgung fördert die EU, der Bund, das Land…. Wir dürfen bei den Projekten uns aber nicht verzetteln, denn innovative Projekte gibt es auch in anderen Städten. Die ökologische Stromwende ist in Deutschland bisher größtenteils von den Bürgern finanziert worden, mit Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach, Windenergiegenossenschaften und vielem mehr. Ich bin mir sicher, dass die Krefelderinnen und Krefelder ihre Ideen zum Wärmeplan in den Quartieren einbringen werden, um die Lebensbedingungen in Krefeld und darüber hinaus nachhaltig zu verbessern.

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