Überschwemmung: Indische Flutkatastrophe trifft auch Krefeld

Überschwemmung : Indische Flutkatastrophe trifft auch Krefeld

491 Menschen sind tot, eine Million obdachlos. Der südindische Staat Kerala ist von den schlimmsten Überschwemmungen seit 100 Jahren getroffen worden. Um zu helfen, sammelt die syro-malankarische Gemeinde Spenden.

Von Monika Pradelok

Japan, Thailand — in den vergangenen Tagen und Wochen hat eine Naturkatastrophe nach der anderen diese Länder ereilt. Vor allem die Lage in Lombok bewegt viele Menschen (die WZ berichtete). Aber auch im südindischen Kerala hat sich eine humanitäre Katastrophe ereignet. Seit Anfang August wird der kleine Staat von den schlimmsten Überschwemmungen seit 100 Jahren heimgesucht. Ursache ist sintflutartiger Monsunregen, der trotz der Öffnung der Staudämme für überschwemmte Flüsse und Dammbrüche sorgt. Diese ziehen wiederum Erdrutsche nach sich, die alles unter sich begraben.

Als die Nachricht der Katastrophe die Keralesen Susi Varughese sowie George und Gracy Kochethu in Krefeld erreicht, sind sie am Boden zerstört. Genauso, wie ihre Freunde in der syro-malankarischen Gemeinde in St. Johann. Die Sorge um Familie und Bekannte wächst mit jedem Tag. „Bei dieser Katastrophe sind an die 500 Menschen gestorben, Millionen sind obdachlos“, erklärt George Kochethu, der vor 50 Jahren nach Deutschland kam. „Unseren Familien und Freunden geht es zwar den Umständen entsprechend gut. Aber was ist mit den anderen?“ Wie verzweifelt die Lage vor Ort ist, erklärt Susi Varughese anhand ihrer Nachbarin. „All ihr Hab und Gut ist vom Wasser mitgerissen worden. Sie erzählte mir, dass die Flut sie auch lieber direkt hätte mitnehmen sollen“, sagt sie mit erstickter Stimme.

Obwohl die indische Regierung Unterstützung in Höhe von fünf Milliarden Rupien (das sind rund 60 Millionen Euro) versprochen hat, stellt der Staat Kerala klar, dass eine Summe von 20 Milliarden Rupien nötig ist. Das sie so viel Geld durch einen Spendenaufruf zusammenbekommen, bezweifeln die drei Keralesen.

Trotzdem wollen sie versuchen, so viele Menschen wie nur möglich für ihre Sache zu gewinnen. „Wir haben ursprünglich versucht, Sachspenden und Nahrung nach Kerala zu schicken“, sagen die Kochethus. „Doch der Flughafen Kochi wurde gesperrt, die Pakete kamen nie an.“ Aus diesem Grund wollen sie Geld senden. Und das wird dringend gebraucht. „In Indien gibt es viele Giftschlangen, die sich jetzt durch das Wasser fortbewegen“, geben sie zu bedenken. Aber auch die Trinkwasserversorgung macht ihnen Sorgen. Varughese: „Egal, wie oft die Brunnen dort gesäubert worden sind, sie bleiben dreckig.“ So dreckig, dass durch verunreinigtes Wasser nun die lebensbedrohliche Infektionskrankheit Leptospirose (siehe Kasten) in Umlauf ist.

Unterstützung für ihr Vorhaben erhält das Trio von Pfarrer Joachim Schwarzmüller und Gemeindemitglied Adelheid Loosen. Sie kennen die drei indischen Gemeindemitglieder seit Jahren, und im Gespräch mit der WZ wird klar, dass alle eine tiefe Freundschaft verbindet: Sie schwelgen in Erinnerungen, ergänzen sich gegenseitig, lachen.

Doch die Situation ist ernst. „Die Menschen haben vorher schon nicht viel besessen. Nun stehen sie vor dem Nichts“, sagt Schwarzmüller. Und Loosen ergänzt: „George, Gracy und Susi engagieren sich seit vielen Jahren in der Gemeinde. Sie sind mehr als Freunde, sie sind Familie. Um unseren Dank für ihre Arbeit auszudrücken, wollen wir ihnen bei der Spendenaktion unter die Arme greifen.“ Pfarrer Schwarzmüller sieht das ähnlich und ergänzt: „Ihr habt all die Jahre so viel für uns getan, jetzt sind wir an der Reihe.“ So soll bei der nächsten Messe die Türkollekte den Opfern in Kerala zu Gute kommen.

„Wir wünschen uns nichts sehnlicher, als dass alle in Kerala wieder gesund und normal weiterleben können“, sagen das Ehepaar Kochethu und Susi Varughese. Doch das wird dauern. Deshalb ist Hilfe angesagt. Jetzt.