In Krefelder Kitas wird selten frisch gekocht

In Krefelder Kitas wird selten frisch gekocht

Gesundes Essen wird zwar großgeschrieben. Doch es kommt in den meisten Fällen vom Caterer.

Krefeld. So wie Karlchen isst, so wird sich auch Karl ernähren. Gesunder Genuss, guter Geschmack und das richtige Körpergewicht werden in frühester Jugend ausgebildet. Deshalb ist eine ausgewogene Ernährung schon bei kleinen Kindern wichtig.

Foto: Jochmann, Dirk (dj)

In den Kitas der Republik sieht es anders aus. Hier gibt es zu viel Fleisch und zu wenig Obst und Gemüse. Dies besagt eine Bertelsmann-Studie. Oft fehlt demnach das Geld für gesundes Essen. Die WZ hat in Krefelder Kindergärten nachgefragt.

Foto: Jochmann, Dirk (dj)

In den städtischen Kitas essen mittags 2164 Mädchen und Jungen; es sind diejenigen, die 45 Stunden wöchentlich in der Einrichtung bleiben. „Das sind 59 Prozent aller Kita-Kinder“, berichtet Gerd Ackermann, der Leiter des Fachbereichs Jugend. „Sie werden alle per Caterer mit Tiefkühlkost beliefert, die dann aufgewärmt wird. Wir achten sehr darauf, dass die Kühlkette nicht unterbrochen wird.“ Vorteilhaft daran sei es, dass nur die am Tag benötigten Portionen aufgetaut werden müssten.

Die Kita-Leitungen suchen die Gerichte eigenständig für zwei Wochen aus und achten auf Allergiker, Vegetarier oder auf kulturelle Hintergründe. 30 Euro müssen die Eltern pro Monat für die Mittagsmahlzeiten bezahlen.

Seit 2007 haben die Erzieherinnen der städtischen Kita Felbelstraße einen genauen Blick auf das Essen der Kleinen. „Damals brachten die Kinder Schoko-Croissants und Milchbrötchen mit“, berichtet Leiterin Sabine Schuffels. „Es gab Handlungsbedarf. Jetzt erkennen auch Eltern mit Migrationshintergrund unser Bemühen, freuen sich und unterstützen uns total. „Heute sind wir so weit, dass ein dreijähriges Kind sagen kann, in welchen Nahrungsmitteln zu viel Fett oder Zucker enthalten sind.“

Damit schon die erste Mahlzeit des Tages in Ordnung ist, wird regelmäßig der „Frühstückskönig“ gekürt. Es gibt eine Urkunde für die Eltern und Orden für die Kinder zur Belohnung. „Supersüße kleine Joghurts kommen bei uns nicht vor.“

Mittags entscheidet die Leiterin selbst über das Angebot. „Da Fleisch für die Kinder der Hit ist, bieten wir es nicht jeden Tag an.“ Dafür seien auch Fisch dabei und viel Gemüse, oft in Form eines Auflaufs.“ Die Erzieherinnen bemerken oft, dass Kinder in der Gruppe Kartoffeln und Salat essen, was sie zuvor in der Familie abgelehnt hätten. „Oftmals ist auch ersichtlich, dass im Elternhaus eine gute Esskultur fehlt. Kinder lieben es aber, gemeinsam bei Tisch zu sitzen.“

Das Kennenlernen neuer Lebensmittel, das Wissen, dass eine gute Ernährung die Gesundheit stärkt — das sind Dinge, an die die Kleinen in der Kindertagesstätte Pfiffikus des Kinderschutzbundes herangeführt werden.

„Wir fangen schon mit dem gemeinsamen Frühstück an, das wir gemeinsam mit und für die Kinder zubereiten. „Gemüse, Obst, Getreide und verschiedene Brotsorten gibt es nicht in jeder Familie“, sagt Einrichtungs-Leiterin Iris Stachelhaus. „Wir probieren gemeinsam aus, auch Rezepte von zu Hause. Die Kinder suchen sich automatisch die gesunden Dinge aus, wenn sie vorhanden sind.“

Mittags kommt das Essen warm von einem Krefelder Caterer. Stachelhaus: „Wir haben mit ihm genau besprochen, was wir wie haben möchten und sind sehr zufrieden. Beispiel: Die Kinder essen gerne getrennt, also werden Kartoffeln, Gemüse und Soße extra serviert.“ Das Essen kostet pro Tag 2,40 Euro, die für den Caterer ausreichend seien.

In der Kindertagesstätte der Elterninitiative Kinderinsel an der Glockenspitz wird täglich selbst gekocht. „Wir haben eine erfahrene Küchenkraft“, sagt Leiterin Ulla Manten-Flieger. „Wir besprechen, was es gibt und arbeiten nach der Ernährungspyramide.“ Oft werden die Mahlzeiten gemeinsam mit den Kindern zubereitet. „Das hat auch einen pädagogischen Wert.“

Fisch sei ein Problem, erzählt sie und lacht: „Am liebsten wird er eckig genommen, aber wir probieren es immer wieder, ihn in Filets mit Gewürzen, Kräutern und Soße auf den Teller zu bringen. Er wird von den Kindern aber nicht gerne gesehen.“

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