In Krefeld werden Millionen in städtische Gebäude gesteckt.

Sanierung : So plant die Stadt die Sanierungen

Der Zustand aller Liegenschaften im Besitz Krefelds wird erfasst, Arbeiten werden gesteuert.

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr ist Rachid Jaghou als neuer Fachbereichsleiter für das zentrale Gebäudemanagement offiziell in sein Amt eingeführt worden. Der Diplom-Betriebswirt ist für mehr als 1000 städtische Gebäude zuständig, über deren Zustand und die erforderlichen Instandhaltungs-Maßnahmen er sich in den nächsten zwei Jahren mit Hilfe eines zu erstellenden Gebäudekatasters einen Gesamtüberblick verschaffen will. Die ersten 33 Gebäude hat der Fachbereich im Rahmen eines Pilotprojektes inzwischen schon unter die Lupe genommen – und dabei dringenden Sanierungsbedarf entdeckt und dokumentiert. 333 nach Dringlichkeit priorisierte Maßnahmen mit einem Investitionsvolumen in Höhe von 11,478 Millionen Euro in den nächsten sieben Jahren sind daraufhin bereits aufgelistet.

Pilotprojekt zeigt den Sanierungstau auf

„Das Pilotprojekt macht deutlich, welcher Sanierungsstau noch auf uns zukommt“, sagt Oberbürgermeister am Mittwoch bei der Vorstellung der ersten Daten und des weiteren Vorgehens. Angefangen hat die Stadt im vergangenen Jahr mit der Modernisierung und Sanierung der Krefelder Schulen. Eine seitenlange Liste mit rund 1000 Maßnahmen an allen 60 Krefelder Schulen soll bis zum Jahr 2022 abgearbeitet werden. Dazu investiert die Stadt mit Hilfe verschiedener Förderprogramme und kommunaler Mittel allein 143 Millionen Euro.

Wie der Zustand aller anderen städtischen Liegenschaften ist, soll eine Gebäudezustandserfassung zeigen. Mit Begehungen und nach den selben Vorgaben wie beim im vergangenen Jahr durchgeführten Pilotprojekt. Der Auftrag in Höhe von rund einer Million Euro wird laut Jaghou noch ausgeschrieben.

„Das ist sozusagen eine Blaupause für die Gebäudeverwaltung, mit der wir deutlich sagen können, welche Mängel es bei städtischen Gebäude gibt, wie viel Geld wir für die Behebung brauchen und was wir zuerst machen müssen“, erklärt Meyer. Und Jaghou ergänzt: „Wir bauen damit ein strategisches Portfolio-Management für städtische Gebäude auf.“ Das hatte er in seiner Antrittsrede schon angekündigt.

Nach einem standardisierten Fragenkatalog sollen die allgemeinen Gebäudedaten inklusive der Technik und der Gebäudezustand erfasst sowie der mögliche kurz- bis mittelfristige Instandhaltungsbedarf inklusive Kostenschätzung benannt werden. „Damit werden wir eine transparente und nachvollziehbare Objektwirtschafts- und Haushaltsplanung erhalten“, sagt Jaghou. Die gesammelten Daten werden in einem Objektsteckbrief aufgelistet. Ein Blick darauf zeige die kurz- bis mittelfristigen Instandhaltungsmaßnahmen je Gebäude sowie die langfristigen Erneuerungsinvestitionen.

Bessere Steuerung von Baumaßnahmen künftig möglich

„Somit können Jahr für Jahr die geplanten Maßnahmen überprüft werden“, sagt Jaghou. „Dadurch ist zum einen die bessere Steuerung der Sanierungsmaßnahmen möglich – und für die politischen Entscheider wird es leichter zu entscheiden, welchen Sanierungsbedarf wir in Krefeld haben“, sagt Meyer. Zum anderen könne die Stadt von da an auch schneller auf spät im Jahr ausgeschriebene Förderprogramme reagieren und anhand des Gebäudekatasters kurzfristig Bauvorhaben anmelden. Das scheitere in manchen Fällen bislang an den sehr kurzen Eingabefristen.

Mit dem Pilotprojekt im vergangenen Jahr ist die Düsseldorfer Firma Drees + Sommer beauftragt gewesen. Die hatte in der Zeit vom 2. bis 10. Oktober 2018 insgesamt 13 ausgewählte Liegenschaften mit 33 Gebäuden und einer Bruttogeschossfläche von 29 365 Quadratmetern besichtigt.

Neben vier Grundschulen und vier Kindertagesstätten waren das die beiden Rathäuser in Hüls und Bockum, die Kulturfabrik, das Deutsche Textilmuseum und das Gesundheitsamt. „Eine Prioritätenliste der notwendigen Arbeiten ist derzeit noch in Prüfung“, sagt Jaghou. Bald wird sie aber schon der Politik vorgelegt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung