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In Krefeld wachsen katholische und evangelische Gemeinde zusammen

Ökumene in Krefeld : Gemeinden wachsen zusammen

Fünf Jahre lang dauerten die Vorbereitungen: Seit dem 6. September bilden die Lukalkirche und St. Pius X. eine ökumenische Wohngemeinschaft unter einem gemeinsamen Kirchendach. Einmalig bislang.

Von Yvonne Brandt

. In schwierigen Zeiten ist es wohltuend, zusammenzurücken. Das haben die evangelische Gemeinde der Lukas-Kirche und die katholische Gemeinde Pfarrgemeinde St. Pius X. offiziell am 6. September getan, indem sie unter ein gemeinsames Kirchendach gezogen sind. Erstmalig in Krefeld und wegweisend für das Rheinland und die kirchliche Welt, bevor wegen steigender Kirchenaustritte und notwendiger teurer Sanierungen die Lukas-Kirche ganz hätte aufgegeben werden müssen. Unter dem Namen „Pius-Lukas-Kirche, ökumenisches Gemeindezentrum Gartenstadt“ findet seit einigen Wochen nun gelebte Ökumene in St. Pius statt.

Jetzt gibt es regelmäßig einen gemeinsamen Gottesdienst

„Ökumenische Wohngemeinschaft“, hatten die Pfarrer Christoph Zettner für St.Pius und Christoph Tebbe für die Lukas-Gemeinde das bei der Vorstellung im vergangenen August genannt. „Das war längst überfällig“, sagt Tebbe beim ersten Resümee. Neuerdings findet an jedem zweiten Samstag im Montag um 17.30 Uhr ein „ökumenischer klangvoller Gottesdienst“ statt. Das nächste Mal am kommenden Samstag. „Mit Musik von Jazz bis Klassik, aber ohne Gesang – wegen der Corona-Einschränkungen“, erzählt Tebbe. In der Vergangenheit habe es das sporadisch beispielsweise zu Neujahr gegeben. „Jetzt erleben wir eine größere Intensität“, so Tebbe. Dass er und Christoph Zettner sich sehr schätzen, ist gleich zu spüren. Auch wenn der letzte gemeisame Schritt mit dem Zusammenzug erst wenige Wochen zurückliegt, ist die Idee dazu schon fünf Jahre alt – und in beiden Gemeinden gewachsen.

Wer heute die Pius-Lukas-Kirche betritt, hat den Eindruck, dieses Gefüge bestehe schon eine kleine Ewigkeit. Die nach den Plänen des Düsseldorfer Architekten Josef Lehmbrock errichtete Zeltkirche wurde von Dechant Johannes Kaiser am 24.11.1968 benediziert. Mit ihren Beton- und Holzelementen und den farbigen Glasfenstern wirkt sie noch immer sehr modern, klar und beruhigend. Die sakralen Gegenstände der Lukaskirche runden das Verbindende ab. „Wir nutzen gemeinsam den gesamten Raum und haben deshalb die Gegenstände dort auch verteilt“, erzählt Christoph Zettner.

Neben dem Eingang von der Seite des Oscar-Romero-Hauses aus steht eine alte Glocke der Lukaskirche, das 3,50 Meter große helle Holzkreuz hängt im Hintergrund zwischen den versetzten Betonpfeilern des Gebäudes. Das Sonnenlicht, das durch die Fenster bricht, lässt es noch stärker im Raum schweben. Die 1960 von Bundespräsident Eugen Gerstenmaier handsignierte Bibel liegt auf dem katholischen Altar im großen Kirchenraum. Im Halbrund dahinter, nach Worten von Christoph Zettner „die kleinen Kirche“, stehen der Altar, das Predigtpult und die Osterkerze der Lukaskirche. „Auch den Ringleuchter durften wir mitbringen“, erzählt Christoph Tebbe erfreut. Der korrespondiere gut mit dem Ringleuchter in der „großen Kirche“. Zu Weihnachten wird die Krippe von Lukas aufgestellt. „Dann folgend immer im Wechsel mit unserer“, so Christoph Zettner.

Die 50 neuen anthrazit-farbend gebeizten Eichenstühle mit ausklappbarem Kniebänkchen sind eine gemeinsame Anschaffung. 16 000 Euro haben beide Gemeinden dafür aufgebracht. Nicht die einzige Anschaffung. Im Gemeindehaus steht eine neue Küche. Die Reparatur des Kirchendaches wegen eines Lochs, die Sanierung der Heizungsanlage und die Renovierung des Oscar-Romero-Hauses werden folgen.

„Durch die gemeinsamen Planungen und Umsetzungen entsteht ein Wir-Gefühl, das uns alle bereichert“, sagt Christoph Zettner. „Nach Corona“ soll dann eine gemeinsame Feier des Inner Circle und der Ehrenamtler folgen, um die Gemeinschaft zu festigen. Derzeit finden nur Gottesdienste und Treffen der Leitungsgremien statt. Jeden Dienstag verteilt die Krefelder Tafel hier ab 12 Uhr außerdem Lebensmittel. Gelebte Ökumene.