Perspektivwechsel: Impulse, Krefeld zu entdecken

Perspektivwechsel : Impulse, Krefeld zu entdecken

Jury der Aktion „Krefelder Perspektivwechsel“ unterstützt acht Projekte, die noch in diesem Jahr realisiert werden.

Krefeld. Wirtschaftsförderer, Marketingchef und Unternehmer wollen einen Perspektivwechsel: Krefeld ist schön — diese Botschaft soll aus der Mitte der Krefelder verbreitet werden. Dieser Prozess soll bis 2023 — zur 650-Jahr-Feier der Samt- und Seidenstadt — seine Wirkung entfalten und dazu beitragen, ihr ein neues Image zu verpassen. Die Samt- und Seidenstadt soll künftig auch mit Kunst, Kultur und Architektur assoziiert werden.

„Gestalte deine Stadt“ — Dieser Aufruf von Uli Cloos (Stadtmarketing), Eckart Preen (Wirtschaftsförderungsgesellschaft) und Mario Bernards (Leiter Bürgerdialog Chemiepark Uerdingen) wurde gehört: Aus 17 Projektideen haben die Initiatoren acht ausgewählt, die in diesem Jahr gefördert werden. 30 000 Euro haben Wirtschaftsförderung und Firmen in den Topf gesteckt. Geld der Stadt sei nicht geflossen, sagt Uli Cloos.

Das Spannungsverhältnis zwischen Industrie und Natur wird in dem Projekt Wood Art Gallery herausgearbeitet. Im August werden Künstler aus neun Ländern mit dem Gelände des Umweltzentrums arbeiten, Bäume, Steine und Pflanzen mit den Artefakten der Industrievergangenheit zu einem Kunstwerk verbinden. Manfred Willms ist der Initiator. Die Arbeiten entlang der Trampelpfade bleiben auch nach der Aktion (3. bis 8. August) erhalten. Ein besonderer Reiz: Die Künstler werden in der Aktionswoche vor Ort auf Feldbetten im Zelt schlafen und leben. Ein Duschwagen steht bereit, das Catering kommt aus Hüls, erzählt Uli Cloos.

Die Krefelder direkt anzusprechen und einzubinden — dieses Ziel verfolgt auch Sylvia Paschold-Melahn mit der Idee „Glück in Krefeld“. Was bewegt sie, was haben sie Schönes erlebt, was schätzen sie an Krefeld? Der Frage will Paschold-Melahn in Gesprächen mit ganz normalen Menschen, (Cloos: „Keine Prominenten, die sowieso alle zwei Wochen in der Zeitung sind“) nachspüren und das Ergebnis — zusammengefasst und mit Porträts — in einer Ausstellung und auf Plakaten zeigen.

Zwölf- bis 16-Jährigen geben die Freunde der Kunstmuseen die Chance, ein großformatiges Graffiti an einer, wie es Marketingleiter Cloos formuliert, an einer „prominenten Wandfläche“ in der Stadt zu sprayen — unter künstlerischer Anleitung und ausdrücklich mit Genehmigung. Ghost City ist das Motto, und Cloos setzt darauf, dass die Vision einer Stadt nicht gespenstisch ausfällt.

Neue alte Sicht auf Krefelder Geschichte — Kleine Geschichten zur Linner Ortsgeschichte will Andreas Montz auf Schildern in Text und Bild erzählen. Mit Create Your City sucht Georg Dammer (Werkhaus) sucht dagegen die Utopie, eine Vision für die Stadt Krefeld.

„Alle Projekte setzen auf Begegnungen und schaffen Impulse“, sagt Mario Bernard. Und sie wären ohne den Perspektivwechsel wohl alle nicht realisiert worden, sagt Cloos.

Die große Resonanz auf die Aktion hat das Trio überzeugt: Bis im Jahr 2023 soll es in jedem zweiten Jahr wieder eine Aktion zum Perspektivwechsel geben.

Mehr von Westdeutsche Zeitung