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Immer weniger Viertklässler in Krefeld können sicher Radfahren

Verkehr : Immer weniger Viertklässler können sicher Radfahren

Wegen fehlender Vorkenntnisse fallen Kinder durch die Radprüfung. Schulamt und Verkehrswacht fordern Hilfe.

Die Entwicklung ist bemerkenswert. In den vergangenen 19 Jahren sank die Zahl der Kinderunfälle im Krefelder Straßenverkehr von 169 (1999) auf 73 im Jahr 2018. Nie wurden weniger Unfälle mit Beteiligung von Kindern gezählt. „Wir sind sehr glücklich über diese Zahlen“, sagen Michael Hülsmann, Geschäftsführer der Initiative Krefelder Fairkehr und Holger Klein, Leiter der polizeilichen Direktion Verkehr. Beim genauen Blick auf die Unfallstatistik fällt auf, dass die Zahl der Kinder, die aktiv am Straßenverkehr teilnahmen und dabei verunglückten, mit 53 deutlich höher ist als die Zahl der verletzten Kinder, die als Beifahrer unterwegs waren (20).

31 Kinder-Radfahrunfälle zählte die Polizei im vergangenen Jahr

„Schauen wir uns die Unfallursachen genauer an, wird schnell deutlich, dass wir noch mehr Wert auf die Präventionsarbeit bei den Kinder legen müssen, die mit dem Rad im Straßenverkehr unterwegs sind“, sagt Polizeirat Holger Klein. 31-mal wurden im vergangenen Jahr Kinder verletzt, die mit dem Rad auf Krefelds Straßen unterwegs waren. Eine Erkenntnis, die die Vertreter der Schulen und der Verkehrswacht nicht überrascht. „Wir sehen, dass immer weniger Kinder in der vierten Klasse die Radfahrprüfung meistern“, sagt Schulamtsdirektorin Marita Koblenz-Lüschow.

Weniger bis gar keine Vorerfahrungen im Umgang mit dem Fahrrad seien in den häufigsten Fällen ein großes Problem. „Die Schulen können es nicht leisten, den Kindern das Radfahren von Grund auf beizubringen.“ Das Hauptproblem liege im Elternhaus. Koblenz-Lüschow erklärt: „Wenn die Eltern nicht Radfahren können oder keinen Wert darauf legen, fehlen den Kindern die Anknüpfungspunkte.“ Oftmals würden die Kinder auch bei bestandener Prüfung nach den Ferien, wenn es auf die weiterführende Schule geht, in alte Verhaltensmuster zurückfallen, die gefährlich seien. „Wir sehen da Kinder, bei denen baumelt der Helm am Lenkrad. Anstatt in einer Reihe wird wieder im Pulk gefahren“, so Koblenz-Lüschow.

Einführung einer mobilen Verkehrsschule gefordert

Die Verkehrswacht sieht auch die Stadt in der Pflicht, mehr für die Verkehrserziehung beim Thema Radfahren zu tun. „Auch wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Zahl der Kinder, die gut Radfahren können, zurückgeht. Deshalb empfehlen wir, die fahrpraktischen Dinge, die die Kinder auf das Radfahren im Straßenverkehr vorbereiten, in einer mobilen Verkehrsschule wieder zum Thema zu machen“, sagt Nadine Habeck-Friese von der Krefelder Verkehrswacht.

Nach der Schließung des Verkehrsübungsplatzes an der Kimplerstraße würden die verkehrsfreien Räume fehlen, in denen Radfahrtrainings mit Kindern und Jugendlichen möglich seien. „Wir wollen eine mobile Jugendkinderverkehrsschule in Krefeld einrichten und hoffen, dass sich die Stadt an der Finanzierung beteiligt“, sagt Habeck-Friese. Solch eine Verkehrsschule könnte ein großer Anhänger sein, der Schulen anfährt. Ausgerüstet mit Übungsgeräten könnte dann auf dem Schulhof ein Radfahrtraining erfolgen. Hülsmann sagte seine Unterstützung zu.