Im Boden von Fischeln Südwest liegen bedeutsame Relikte vergangener Epochen

Archäologie : Archäologische Schätze in Fischeln

Unter dem geplanten Baugebiet Südwest liegen Relikte aus früheren Zeiten mit Denkmalqualität. Dennoch kann dort gebaut werden, wenn Wohnstätte und Bauherren einiges berücksichtigen.

Während ein Landwirt die noch nicht bebaute Fläche für das Neubaugebiet Fischeln-Südwest frisch umpflügt, schlummern im Boden Relikte einer längst vergessenen Zeit. Einzelstücke aus Metall, Scherben von Ton- oder Keramikfüßen wie auch vielfach Pfostengruben, die den Hinweis darauf geben, dass dort einmal Gebäude einer Siedlung gestanden haben müssen. „In unmittelbarer Umgebung des Plangebiets befinden sich nachgewiesenermaßen mittelalterliche Wüstungen, ein späteisenzeitlicher Siedlungsplatz sowie römische Siedlungsbereiche mit Gräbern“, erklärt Thomas Siegert, Vorstand der Wohnstätte AG. Dem mehrheitlich städtischen Wohnungsunternehmen gehört ein großer Teil der 33 Hektar großen Fläche im Fischelner Südwesten, auf der in mehreren Bauabschnitten etwa 500 Wohnungen für 1500 bis 2000 Menschen entstehen sollen.

Untersuchung war Voraussetzung für den Bebauungsplan

„In dem Plangebiet (Bebauungsplan 625 I) Krefeld-Fischeln musste eine qualifizierte Prospektion nach Maßnahme des Amtes für Bodendenkmalpflege (LVR) durchgeführt werden“, erklärt Siegert. Im Boden vermutet und erwartet wurden Belege verschiedener Zeitstufen. Für fast 400 000 Euro wurde die Firma Thomas Ibeling mit den archäologischen Grabungen und Sondagen beauftragt. Eine Sondage ist ein archäologisches Verfahren zur Abklärung von Schichtfolgen bei der Voruntersuchung eines Terrains, das zur Ausgrabung ansteht. „Diese Untersuchungen waren Voraussetzung für die Aufstellung des Bebauungsplans“, sagt Siegert.

Im Frühjahr 2018 sind sie in zwei Abschnitten erfolgt. „Das Ergebnis ist eine sehr hohe Anzahl an archäologisch relevanten Befunden“, so Siegert. Sie besitzen nach Einschätzung des LVR Denkmalqualität und sind unterschiedlichen Zeitstufen zuzuordnen. Beginnend mit der Vorgeschichte, der Metall- und Eisenzeit über die Jahrhunderte der römischen Zeit bis hin zum Hochmittelalter und der Neuzeit. Sie erfüllen aufgrund ihres Erhaltungszustandes aber nicht die Voraussetzungen zur Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Krefeld.

Das Gros der Fundpositionen entfällt auf die Römerzeit, gefolgt von vorgeschichtlichen und mittelalterlichen Funden. Die werden alle bildlich dokumentiert, kartiert und dem LVR zur Archivierung übergeben. Das wird auch bei künftigen Funden während der verschiedenen Bauzeiten so sein.

„Da die Prospektionsmaßnahmen und die bisherigen Sondagen lediglich einer ersten Einschätzung dienten, wird man im weiteren Verlauf für die Infrastruktur- und einzelnen Baumaßnahmen weitere vorgelagerte Untersuchungen durchführen müssen“, sagt Siegert.

Bauherren müssen Funde vor
dem Aushub von Kellern sichern

In Bereichen, wo künftig Kanäle verlegt, Tiefgaragen und Unterkellerungen geplant sind, müssen die Wohnstätte ebenso wie private Bauherren eine archäologische Bewertung beziehungsweise Begutachtung zuvor in Auftrag geben. „Funde wie Scherben oder Einzelstücke müssen gesichert und archiviert werden“, sagt Siegert, danach können die normalen Tiefbauarbeiten laufen. Gibt es Hinweise darauf, dass an der Stelle einmal ein Haus auf Pfosten gestanden hat oder ein alter Bewässerungsgraben herlief, werden diese Funde vor den weiteren Erdarbeiten bildlich dokumentiert und kartiert.

Bodendenkmäler bleiben
zum größten Teil im Erdreich

In bestimmten Fällen kann es auch zu einer Sicherung des Fundes mittels Versiegelung kommen, sollten keine Erdarbeiten für Keller oder ähnliches notwendig sein. Die Bodendenkmäler bleiben damit an Ort und Stelle.

In dem ersten Bauabschnitt, der 8,4 Hektar umfasst und östlich von der Willicher Straße und südlich vom Kütterweg verläuft, ist der Bau von 160 Wohneinheiten und einer Kindertagesstätte geplant. Begrenzt sind die Gebäudetypen auf zwei bis drei Vollgeschosse. Die Grundstücksgrößen liegt für freistehende Einfamilienhäuser bei zirka 360 Quadratmetern, für Doppelhäuser bei rund 250 Quadratmetern und für Reihenhäuser bei etwa 120 Quadratmetern.

Christoph Kohl vom Berliner Büro K+K Architekten sagt, er habe sich bei seinem Entwurf für den ersten Bauabschnitt von den Häusern Lange und Esters von Mies van der Rohe inspirieren lassen.

Das Besondere dieser neuen Siedlung sind die begrünten Dächer der Gebäude. „Grünes Bauhaus“ nennt der Architekt seinen Entwurf, der aber auch gleichzeitig darauf hinweist, dass in der Original-Bauhaus-Siedlung in Dessau gestaltete Gärten mit Hecken, Pflanzen und Rosen tabu waren. Nur der russische Maler Wassily Kandinsky hatte auf seiner Parzelle Rosen angepflanzt. Ansonsten fand das gesellige Leben auf den Terrassen statt. Das hat Christoph Kohl aufgegriffen und die Dächer als begehbaren, grünen zusätzlichen Raum konzipiert. Die Wohnstätte will die Flächen ohne Bauträger vermarkten. Die Voraussetzungen dafür sind mit den Bodenuntersuchungen geschaffen.

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