Stadtbad Neusser Straße Im alten Freibad Neusser Straße tut sich was

Krefeld · Die neue „Mach-Werk-Stadt“ und der „Strand der Kraft“ sind die ersten größeren Projekte der „Freischwimmer“. Künftig gibt es hier Kaffee und Programm.

 Das alte Eingangstor an der Gerberstraße ist neuerdings bunt bemalt.

Das alte Eingangstor an der Gerberstraße ist neuerdings bunt bemalt.

Foto: Yvonne Brandt

Das alte Eingangstor zum Freibad des Stadtbades Neusser Straße verrät sofort, dass sich dahinter etwas tut. Es ist leuchtend bunt bemalt. Seitdem der Verein „Freischwimmer“ Anfang des Jahres mit kreativen Ideen und einem großen Engagement angetreten ist, das vor 19 Jahren geschlossene Ensemble wieder mit Leben zu erfüllen, wächst die Zahl der Krefelder, die das Mammut-Projekt tatkräftig unterstützen. Allein in den vergangenen drei Wochen wurde der Innenhof von meterhohem Bewuchs und Unrat befreit und die ehemalige Werkstatt verwandelt sich in Windeseile in eine neue, einladende „Mach-Werk-Stadt“. „Künftig können Krefelder hier einen Kaffee trinken, an Workshops teilnehmen und bei schönem Wetter am ,Strand der Kraft’ vom Stadtlärm ausruhen“, erzählen Katrin Mevißen und Marcel Beging, die gemeinsam mit Nils Rottgardt den Vereinsvorstand bilden.

Bis zu 40 Ehrenamtler helfen
pro Tag bei der Umgestaltung

„Wir mussten in den vergangenen Wochen die ehrenamtlichen Helfer zwischendurch mal nach Hause schicken, so viel haben sie hier gearbeitet“, sagt Katrin Mevißen begeistert. 30 bis 40 Leute jeweils über den Tag verteilt. Im Innenhof haben sie mühsam den meterhohen, überwachsenen alten Humus vom Boden geschaufelt und darunter unter anderem Stellplätze freigelegt, von denen niemand mehr wusste, dass sie überhaupt da sind. Die baurechtlich vorgeschriebenen Parkplätze können sie nun problemlos nachweisen.

In der alten Werkstatt ist der lose Putz runtergeschlagen und die Wände inzwischen neu verputzt. Die Fenster sind ausgebaut und derzeit beim Glaser, bis zum Wochenende wird neu gestrichen: Zwei Wände in Weiß, die Decke in Anthrazit und eine Wand bleibt in der alten Optik. Danach wird der neue Estrich-Boden gegossen und ein kleines Kaffee eingerichtet. Ehrenamtlich, wie alles andere auch. „Auch ein Rähmchen darf in der ,Mach-Werk-Stadt’ nicht fehlen, die Krefelder brauchen das“, verspricht Beging.

Das frühere Freibadgelände als grüne Oase und Ruheraum

Direkt neben dieser Durchreiche soll es auf dem Hof Sitzgelegenheiten und für die stimmungsvolle Beleuchtung Lichterketten geben. Auch an die notwendigen Toiletten ist gedacht. „Wir beschaffen einen entsprechenden Container“, erzählen Mevißen und Beging.

Wer von der künftigen „Mach-Werk-Stadt“ aus über einen schmalen Gang das frühere Freibad-Gelände betritt, erlebt einen neuen Ruhe- und Naturraum mitten in der Stadt. „Der ganze Boden war bewachsen, das Gelände völlig zugewachsen“, erzählen die beiden Freischwimmer. Inzwischen sind die verschiedenen Plateaus freigelegt und Wandel-Pfade angelegt. Die Becken sind gefüllt mit Wasser. „Damit keiner reinfällt, wird noch ein Zaun drumherum gezogen“, so Beging. Ansonsten soll die Natur hier weiter als grüner Rückzugsort für die Besucher dienen. Ein grünes Biotop mitten in der Stadt.

„Wir haben dies hier alles unter die großen Frage gestellt, was kann bürgerschaftliches Engagement erreichen und in wie weit Stadtentwicklungsprozesse verändern?“, erklärt Beging. Von dem Resultat und der tatkräftigen Unterstützung ist er jetzt schon begeistert. „Wenn wir hier Aufenthaltsqualtität schaffen, wird das Stadtbad von den Krefeldern auch angenommen.“ Zweifel daran lassen beide gar nicht aufkommen.

„Wir brauchen die ,Mach-Werk-Stadt’ um weiter arbeiten zu können, für Workshops und Seminare, aber auch als Anlaufstelle für unseren Verein“, sagt Mevißen. Gemeinsam wollen sie analysieren, woran in der Vergangenheit die Wiederbelebung des Stadtbades gescheitert ist und was sie anders tun können, damit sie gelingt – auch wenn es bislang nur als Zwischennutzung angedacht ist. Beging und Mevißen machen aber auch klar, ob es im Stadtbad selbst wieder öffentliches Schwimmen geben wird, ist noch unklar.

Neben den inzwischen regelmäßig stattfindenden „Badrunden“ (Rundgang für jeweils 20 Personen), wollen sie gemeinsam mit ehrenamtlichen Mitgliedern und der freien Szene die kulturellen Bedarfe ermitteln und ausloten, was dort möglich ist. Mit 25 000 Euro unterstützt die Stadt den Verein, damit er Veranstaltungen durchführen kann. „Wir sammeln aber auch weitere Ideen, wie wir das hier verschönern und weiter beleben können.“ Bei einem Rundgang durch das Innere des Bades sind inzwischen die bestandserhaltenden Maßnahmen zu sehen, die die Stadt in Auftrag gegeben hat. In dem Verbindungstrakt sind die Fenster erneuert und Fensterstürze aus Metall eingezogen worden. Ein erster Schritt.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort