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Il Cono D'Oro in Krefeld: Das Eis kommt jetzt nach Hause

Uerdingen. : Das Eis kommt jetzt zum Kunden nach Hause

Die Familie Lentini aus Uerdingen geht in der Krise neue Wege und führt einen Lieferdienst ein.

Das italienische Talent zur Improvisation ist weltweit bekannt. Aus dem Unerwarteten das Beste machen, dafür haben die Bewohner der Apennin-Halbinsel schon oft ein Faible gehabt. Kreativität ist mehr denn je gefragt in der Krise. Die Geschäfte müssen schließen. Die Händler fürchten um ihre Zukunft. Die Menschen sollen zu Hause bleiben und warten, bis die Corona-Pandemie vorübergezogen ist. Wann das sein wird, vermag niemand zu sagen.

Die Familie Lentini hat da schon eine Lösung parat. Die Eisverkäufer von „Il Cono d’Oro“ an der Uerdinger Straße gehen nun zum Kunden, wenn der Kunde eben nicht mehr zu ihnen kommen darf. „Viele Stammkunden sind traurig“, erzählt Viviana Lentini. „Wir haben uns also zusammengesetzt und überlegt, was wir machen können. Die Idee hatten wir eigentlich schon lange. Durch das Virus setzen wir es jetzt um.“ Herausgekommen ist das Eis-Taxi, in Anlehnung an die zahlreichen Pizza-Taxis ihrer Landsleute, die ihre Kunden schon seit Jahrzehnten mit heißer Ware aus dem Ofen rund um die Uhr beliefern. Nun also Eis.

Ein Einfall Vivianas war es, die als 24-jährige Tochter der Inhaberin Angela Pullara-Lentini im Geschäft seit der Gründung vor sieben Jahren mithilft und seit Mittwoch die kalte Speise im Stadtgebiet verteilt. Sieben Fahrten kamen da am ersten Tag schon zusammen. Die Saison ist eröffnet. „Ich habe jetzt auch bei Instagram Werbung gemacht, zudem hoffen wir darauf, dass sich das Angebot auch in der Stadt herumspricht“, sagt Viviana Lentini: „Einige Kunden waren schon sehr erfreut.“

Familie kam vor fast 40 Jahren
an den Niederrhein

Die Familie hat als Eisverkäufer eine lange Tradition in Krefeld. Vor 38 Jahren eröffneten die Großeltern, die aus Sizilien an den Niederrhein gekommen waren, ihr Eiscafé an der Marktstraße. Die Speise wird seit jeher in eigener Produktion hergestellt, nach Art des Hauses nach eigener Rezeptur. Seit sieben Jahren wird die gefrorene Süßigkeit nun auch an der Uerdinger Straße über die Theke gereicht. Neben Mutter und Tochter ist auch der Vater mit dabei im Betrieb. Er fährt als Verkäufer in seinem Eiswagen umher. Auch die Schwester und der Schwager Vivianas sind beschäftigt, helfen mit, wo es nur geht.

Ab sofort setzt sich Viviana Lentini in Bewegung, wenn eine Bestellung eingeht. Noch ist sie als „Eis-Taxi-Fahrerin“ alleine. Sollte die Nachfrage des Angebots steigen, wird ihre Tatkraft wohl bald schon nicht mehr ausreichen. „Es besteht aber weiterhin auch die Möglichkeit, das Eis bei uns abzuholen.“

Bisher lag das Einzugsgebiet des Geschäfts in den Stadtteilen Bockum und Uerdingen. Das soll sich nach Möglichkeit aber ändern. Auch Hülser und Fischelner sollen das Speiseeis genießen können, ohne den Weg an die Uerdinger Straße anzutreten. „Wir wollen die Leute aus dem Umland und den anderen Stadtteilen auch mitnehmen“, sagt Lentini.

Die aktuelle Lage ist auch für die Eisverkäufer schwer zu überstehen. Es braucht kreative Lösungen, um den Verkauf irgendwie am Leben zu halten. „Nach der Winterpause müssen wir wieder Fuß fassen. Die neue Saison beginnt. Wir liegen mit dem Eiscafé ein wenig abseits. Es sind sehr wenige Menschen unterwegs“, sagt Lentini. Eine neue Saison hieße auch immer: neue Ideen, neue Entwürfe im Sortiment. In diesem Jahr will die Familie mit Schokobon-, Raffaello- oder dem Oreo-Becher punkten. Um die Ware kalt zu halten, nimmt Viviana in ihrem Auto Kühltaschen, -aggregate und -behälter mit, die man ansonsten eher in dem Eiswagen ihres Vaters sieht. Die Mindestbestellung muss zehn Euro übersteigen, der Fahrpreis ist dann gratis. Ob trotz allem noch Gewinne herausspringen, ist ungewiss: „Man muss lernen, mit dem Verlust umzugehen“, sagt Viviana Lentini.