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IHK: Existenzängste bei Unternehmern

Wirtschaft : Existenzängste bei Unternehmern

„Geschwindigkeit ist jetzt entscheidend. Kommende Woche muss das Geld ausgezahlt werden“, sagt IHK-Chef Jürgen Steinmetz.

Kunden bleiben aus – das Coronavirus legt große Teile der Wirtschaft auch am Mittleren Niederrhein lahm. „Die Probleme in vielen Unternehmen sind gewaltig“, erklärt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, mit Blick auf die Ergebnisse einer IHK-Blitzumfrage. Knapp 250 Unternehmer haben in den vergangenen zwei Tagen auf die Fragen der IHK nach den Auswirkungen der Corona-Krise für ihren Betrieb geantwortet. „Fast 90 Prozent der befragten Unternehmer spüren die negativen Auswirken des Corona-Virus‘ auf ihre Geschäfte,“ berichtet Steinmetz.

„Wir sehen die Auswirkungen über alle Branchen und Unternehmensgrößen hinweg“, erklärt der IHK-Hauptgeschäftsführer. „Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie führen zu einer tiefen Wirtschaftskrise in Deutschland und auch in unserer Region.“ Die Corona-Pandemie beeinflusse die Geschäfte dabei auf nahezu allen Ebenen. 28 Prozent der Unternehmer, die geantwortet haben, sind durch den Stillstand ihrer geschäftlichen Tätigkeit – zum Teil oder komplett – betroffen. Bei 39 Prozent fehlen Waren und Dienstleistungen. 34 Prozent berichten über logistische Engpässe. Fast zwei Drittel der befragten Unternehmer leiden unter einer gesunkenen Nachfrage nach ihren Produkten oder Dienstleistungen. Anfang März war es rund ein Drittel.

44 Prozent der Betriebe sind betroffen, weil Investitionen ausgesetzt werden, und 46 Prozent müssen mit der Stornierung von Aufträgen umgehen. 12,6 Prozent der befragten Unternehmen sind von einer Insolvenz bedroht. „Vor drei Wochen haben 13 Prozent der Betriebe mit Liquiditätsengpässen gerechnet, jetzt melden fast 40 Prozent der Unternehmen Probleme, Zahlungen leisten zu können“, erläutert Steinmetz und appelliert: „Diejenigen, die durch diese Pandemie unverschuldet in eine Schieflage geraten, brauchen jetzt dringend Unterstützung – dabei handelt es sich nicht nur um Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern.“ Es werde sich zeigen, ob die Soforthilfeprogramme, die in Nordrhein-Westfalen bis zu einer Größenordnung „50 Mitarbeiter“ greifen, wirklich ausreichend seien. Steinmetz: „Die Regierung hat schnell gehandelt, aber wir werden in den kommenden Tagen sehen, wo wir nachjustieren müssen.“

Auch für den Arbeitsmarkt in der Region dürfte die Corona-Krise Folgen haben. Rund ein Drittel der befragten Unternehmer muss trotz Kurzarbeitergeld Personal abbauen. Nicht nur die Umfrageergebnisse verdeutlichen die ernste Lage. „Auch in den Gesprächen, die wir an unserer Hotline mit den Unternehmern führen, äußern sich Liquiditätsprobleme und Existenzängste“, betont Steinmetz auch mit Blick auf das am Dienstag von der Landesregierung vorgestellte Verfahren zur Bewilligung und Bereitstellung der Mittel. „Geschwindigkeit ist jetzt entscheidend. Für langwierige und bürokratische Verfahren ist keine Zeit. Kommende Woche muss das Geld ausgezahlt werden.“

Steinmetz sicherte zu, dass die IHK den Unternehmen über ihre Hotline bei der Antragstellung helfen werde. Unternehmen, die Fragen zum Coronavirus haben, können sich telefonisch und per E-Mail an die IHK wenden: 02151/63 54 24 und corona@mnr.ihk.de.