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Ideen für Landschaftspark in Krefeld anstelle eines Neubaugebiets

Grüne Alternative : Sprudelnde Ideen für Landschaftspark

Grüne wollen mit Wettbewerb Ideen liefern für das Naherholungsgebiet an der Ottostraße anstelle eines möglichen Neubaugebietes.

Die Fantasie und der Glaube versetzen Berge. Das wünschen sich ganz fest die Gewinner des Wettbewerbs „Ideensammlung zur Gestaltung des Landschaftsparks West“. Was vom Namen her etwas sperrig klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Genau an der Stelle, wo im Landschaftsplan der Stadt Krefeld seit Jahrzehnten ein Landschaftspark als Option eingezeichnet ist, könnte nach Vorstellung des Landes ein neues Baugebiet entstehen. Die Pläne für den „Wohnpark Ottostraße“ eines privaten Investors sind zwar vor zwei Jahren im Fachausschuss abgelehnt worden. Aber in der im vergangenen Jahr beschlossenen Änderung des Regionalplans ist dieses Gebiet als „Sondierungsbereich für ein Allgemeines Siedlungsgebiet“ aufgenommen worden.

Sobald ein Bahnhof gebaut wird, könnte das Baugebiet folgen

Sobald dort ein Haltepunkt der Deutschen Bahn gebaut wird, soll nach Willen des Landes die Fläche drumherum bebaut werden und neuer Wohnraum entstehen. In den Finanzierungsplänen der Deutschen Bahn ist dieser neue Bahnhof bis 2025 schon enthalten. Geplant ist der Aufbau einer neuen Linie. So hat der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) eine Ausschreibung für die Linie RB 41 veröffentlicht. Diese soll von Geldern über Kerken, Kempen und Krefeld nach Neuss fahren.

Rolf-Bernd Hechler will das Baugebiet ebenso verhindern wie das Team des nahen Mitmach-Bauernhofes für Kinder und zahlreiche Anwohner aus der näheren und weiteren Umkreis. Zunächst über die neue gegründete „Initiative Freiraum Nord-West“, dann im Wahlkampf für die Grünen und mit zahlreichen Stimmen aus West als neuer grüner Ratsherr setzt sich Hechler für den Erhalt der Natur ein, die vielen – nicht erst in Corona-Zeiten – als Naturerholungsgebiet dient. „Außerdem ist hier ein wichtiges Kaltluftentstehungsgebiet“, erklärt Axel Heimendahl von den Grünen und vom BUND, die die Innenstadt kühle. Die Luftschneise reiche bis zum Ring und sei beim immer stärker spürbaren Klimawandel von großer Bedeutung für das Stadtklima.

Beim Wettbewerb, zu dem Hechler über Facebook im Wahlkampf aufgerufen hatte, waren mehrere konkrete Vorschläge eingegangen. 13 verwertbare hat eine Jury ausgewählt und sie erneut ohne Namensnennung für ein Publikumsvoting wieder bei Facebook eingestellt. Die meisten Stimmen bekam der zwölfjährige Krefelder Jakob Birmes gefolgt von Ralf Zanders aus Kerken und Britta Czollek aus der Nachbarschaft.

Der Vorschlag von Jakob ist der interessanteste, selbst wenn er nicht zur Realisierung im Landschaftspark als geeignet erscheint. Der Schüler des Maria-Sybilla-Merian Gymnasiums sammelt seit er vier Jahre alt ist, Muscheln, Fossilien, Gesteine und Mineralien, und seine unablässigen Streifzüge durch die Natur, bei denen er Knochen und Fossile Fundstücke untersucht, schärften, laut seiner Mutter Janine Birmes, seine Beobachtungsgabe. Angeregt durch Reisen nach Dubai, Frankfurt, London und Walcheren, wo er unter anderem einen Mammutknochen am Strand fand, beschäftigt er sich intensiv mit Themen rund um Umwelt, Natur und Tiere. Nach einer Reise 2019 nach London/Isle of Wight war sein Traum geboren, in Krefeld ein Museum zu den Themen Natur und Umwelt voranzutreiben. Die Sammlungen des Krefelder Enthomologischen Vereins und Geologischen Dienstes könnten darin eingebunden werden. „Denkbar als Ort dafür wäre der Schönwasserpark, dass wollen wir bei den Grünen mal prüfen“, sagt Hechler.

Ralf Zanders schlägt einen großen Wasserspielplatz vor, der gleichzeitig auch Lebensraum für die Tierwelt sein könnte. Vorbild für ihn ist der Wasserspielplatz in Haltern. Hechler kann sich so ein Angebot gut vorstellen an Holthausens-Kull, von der auch die dortige Gastronomie profitieren könne.

Britta Czollek kommt mit ihren Ideen von Wander- und Reitwegen, Kunstobjekten am Wegesrand den Zielen eines Landschaftsplans am nächsten. „Am liebsten wäre mir, es bleibt alles wie es ist: ein Naturerholungsgebiet“, sagt sie.