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Hüls: Aus Heimatstuben soll modernes Museum werden

Hüls : Aus Heimatstuben soll modernes Museum werden

Nach dem 145 000 Euro teuren Aus- und Umbau sollen mehr Besucher kommen. Wie lange die Bauarbeiten dauern, ist noch unklar.

Die „Hülser Heimatstuben“ sind genau das, was der Name verspricht: Geheizte Räume in einer Wohnung, ausgestattet mit schönen Dingen. Mit diesem leicht plüschigen Stimmungsbild ist nun Schluss. Die Mitglieder des Heimatvereins Hüls vergrößern und verwandeln ihr Haus an der Konventstraße derzeit in ein strukturiertes modernes und barrierefreies Museum.

Die Arbeiten für das ehrgeizige Ziel unter Mitwirkung des Museums Burg Linn haben begonnen. „Die neue Einrichtung wird in drei Schwerpunkte aufgeteilt“, berichten Karl Heußen, Paul Schumacher und Heinz Gommans, alle Vorstände beim Heimatverein. „Mit Vitaly Karabin hat Museumsdirektorin Jennifer Morscheiser einen Bachelor-Studenten abgestellt, der uns hilft, ein schönes Konzept zu erstellen.“

Die Exponate der Pottbäcker stehen im Vordergrund. „Sie sind ein wichtiges Zeugnis für die Geschichte der Hülser. Die zweigeteilte Geschichte der Hülser selbst, mit ihrer Kurkölnischen und Moersischen Verwaltung, wird als nächstes behandelt. Dann geht es drittens um Zeugnisse aus dem Hülser Leben der vergangenen 200 Jahre.“

Dafür muss mehr Platz her. Das geschieht an der alten Tordurchfahrt. Dort sind derzeit die größten Veränderungen zu erkennen. „Der Bereich wurde bisher als Abstellraum genutzt und wird nach der Fertigstellung Vitrinen mit den Arbeiten der Pottbäcker aufnehmen. Er ist auch als Raum für spätere Wechselausstellungen Hülser Künstler gedacht.“

Die Bodenplatte ist dort bereits gegossen. Später wird das vorhandene große Holztor bis auf das alte Oberlicht durch eine neue, zweiflügelige Haupteingangstür ersetzt. Diese wird komplett verglast. Das bietet gleich drei Vorteile: „Der fensterlose Raum erhält viel Licht und abends können bei eingeschalteten Lampen die ausgestellten Gegenstände auch von der Straße aus betrachtet werden. Außerdem ersetzt die neue, barrierefreie Türanlage den bisherigen Zugang, der nur über drei Außenstufen zu erreichen ist.“

In drei Räumen wird eine Dauerausstellung zu sehen sein

Schumacher, der auch die Bauaufsicht übernommen hat, erklärt: „Knapp 50 Quadratmeter groß und 3,20 Meter lang wird dieser Raum. Er geht über in einen neuen Wintergarten, dessen Ausmaße ebenfalls schon durch die gegossene Bodenplatte ersichtlich sind und rund 15 Quadratmeter betragen.“ Gommans ergänzt: „Hier wird eine Sitzecke eingerichtet, in der kleine Besuchergruppen bis maximal 15 Personen Platz finden können. Vor dort können sie innerhalb einer Führung eine Power-Point-Präsentation sehen und viele Informationen erhalten.“

Dieser Verbindungsraum führt zu den drei Räumen der Dauerausstellung. „In den bisherigen Stuben, zur Konventstraße hin, können die Besucher das Hülser Leben der vergangenen 200 Jahre nachempfinden. Auch dort wird es einen modernen Anstrich geben.“

Der bisherige Besprechungsraum dient als Bereich für die Vermittlung der Hülser Geschichte und erfährt eine große Umwandlung. „Aus diesem hinteren Zimmer gibt es seit einigen Jahren einen Verbindungsgang zur benachbarten Konventskirche. Mit den eigentlichen Heimatstuben, den Außenanlagen, dem Verbindungsgang und der Konventskirche mit einem Ausstellungsraum von sakralen Gegenständen ist so ein kleines Museumszentrum entstanden, das nun erweitert wird.“

Apropos Außenanlagen: An den Wintergarten schließt sich ein kleiner grüner Bereich an. Gommans: „Hier wird unser Beirat, Landschaftsgärtner Rainer Nabbefeld, aktiv. Er will ihn neu herrichten.“ Dort ist auch ein Brunnen zu sehen, dessen Sandsteine aus dem bekannten Liedberger Fels und aus dem 16. oder 17. Jahrhundert stammen. Er wurde den Heimatfreunden aus einer früheren Gaststätte an der Klever Straße übergeben. „Dort wurde wohl selbst gebraut und viel Wasser benötigt.“

Heußen, Schumacher und Gommans freuen sich schon auf die Eröffnungsausstellung. Dann wollen sie ihre schönsten Exponate, die Hülser Schüsseln, das Markenzeichen der Pottbäcker, ausstellen, Leihgaben aus dem Museum Burg Linn eingeschlossen. Gommans: „Der frühere Museumsdirektor Deneken aus dem Kaiser-Wilhelm-Museum hat den Ausdruck geprägt für alle derartigen Schüsseln in der Region.“

Wann die Eröffnung sein wird, ist in Corona-Zeiten allerdings noch ungewiss. Als Heimatministerin Ina Scharrenbach den 95 000 Euro großen Zuschuss überreichte, war die Freude groß. Endlich konnte der rund 145 000 Euro teure Aus- und Anbau des Heimatmuseums in Angriff genommen und damit die Ausstellungsfläche verdoppelt, die Exponate besser zur Geltung gebracht und vor allem mehr Leute angelockt werden. „Sie wollte Ende des Jahres kommen und nachsehen, wie das Geld verwendet wurde. Ob wir bis dahin fertig sein werden, wissen wir nicht“, sagt Gommans.