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Krefeld: Hubert-Houben-Kampfbahn: Der dramatische Verfall

Krefeld : Hubert-Houben-Kampfbahn: Der dramatische Verfall

Hans-Joachim Kamps war seit Februar als Minijobber auf der Sportanlage im Einsatz. Obwohl sein Engagement vielerorts gelobt wird, beendet das Sportamt das Arbeitsverhältnis.

Krefeld. Hans-Joachim Kamps schießen die Tränen in die Augen. Gerade eben haben sich zwei Sportlehrer mit einer Flasche Rotwein für sein großes Engagement in den vergangenen Monaten bedankt. Auf einem Abschiedszettel steht geschrieben: „Herzlichen Dank für Ihre Hilfe und Unterstützung und alles Gute für die Zukunft“.

Krefeld: Hubert-Houben-Kampfbahn: Der dramatische Verfall
Foto: Andreas Bischof

Es ist diese Geste, die den 54-Jährigen sprachlos macht und ein Stück weit verzweifelt zurücklässt. Denn Hans-Joachim Kamps hatte am Mittwoch seinen letzten Tag als Minijobber auf der Platzanlage von Preussen Krefeld.

Krefeld: Hubert-Houben-Kampfbahn: Der dramatische Verfall
Foto: Andreas Bischof

Seit Februar 2017 war der ehemalige Malermeister als Helfer für das Sport- und Bäderamt auf der Hubert-Houben-Kampfbahn, wie er sagt, für die Hygiene auf der Anlage zuständig. „Die haben jemanden gesucht, der hier möglichst früh das Tor aufschließt und dann erstmal sauber macht“, berichtet Kamps, der schnell mehr als nur der „Saubermann“ gewesen ist.

Die Tartanbahn habe er geschrubbt, Randsteine und Fassaden von Schmutz befreit und soweit es ihm möglich war, auch kleinere Reparaturen durchgeführt. „Doch genau damit fingen die Probleme an“, ist sich Hans-Joachim Kamps sicher. Denn obwohl er für seine engagierte Art vonseiten des Vereins Preussen Krefeld, von Schulvertretern und sogar von Anwohnern viel Lob erhält, kommt es mit den Mitarbeitern des Sport- und Bäderamtes laut seiner Aussage immer zu Querelen.

Am Mittwoch erteilt ihm ein Mitarbeiter des Sportamts sogar einen Platzverweis, nachdem sich die WZ die Mängel auf der Sportanlage angeschaut hat. „Ich rede mir seit Wochen den Mund fusselig, dass hier endlich für Sicherheit gesorgt werden muss, doch nichts passiert“, ärgert sich der 54-Jährige.

Dabei sind die Gefahrenquellen mehr als offensichtlich. Besonders betroffen: die Tribüne und der Kabinentrakt. „Vor einigen Wochen, als die Jahnschule hier Sportfest hatte, brach auf einmal ein Stück Beton aus der Tribünen-Decke heraus, fiel acht Meter in die Tiefe“, berichtet Kamps.

An den beiden Seitenwänden der überdachten Sitztribüne verlaufen Starkstromkabel über der Erde. Eines hängt abgeschnitten auf der Rückseite. Lose Drähte sind sichtbar. Auch im Sicherungskasten im Heizungsraum und an der Außenmauer hängen Stromkabel ungeschützt raus. Eine zerbrochene Scheibe einer Tür im Eingangsbereich ist ebenso wenig repariert wie die stark beschädigte Steinmauer nahe des Tores zum Appellweg hin. Im Kabinentrakt gibt es Stockflecken an der Decke und scharfkantige Fliesen an Abflüssen.

„Auf all das habe ich hingewiesen“, sagt der Minijobber und gesteht auch: „Vielleicht war ich dabei manchmal aufbrausend, aber so bin ich nun mal. Hier betreiben viele Kinder Sport und niemand kümmert sich um ihre Sicherheit.“

Das Sportamt hält sich zur Personalie Hans-Joachim Kamps bedeckt, bezieht auch keine Stellung zu dem Platzverbot für Kamps. Die Baumängel seien hingegen bekannt. „Elektriker und Dachdecker waren bereits vor Ort und haben erste Sofortmaßnahmen durchgeführt. Weitere Maßnahme sind vorgesehen“, teilt das Presseamt mit.