Hoffen auf gute Nachrichten aus dem Nordirak

Dilschad Kaidy ist Jeside und lebt mit seiner Familie in Krefeld — sein Vater kämpft im Nordirak gegen die IS-Miliz.

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Foto: dpa

Krefeld. Auf der Facebookseite von Dilschad Kaidy sticht unter den Einträgen die weiße Friedenstaube heraus. „Ich wollte mich damit bedanken“, sagt der 25-Jährige. Der Dank richtet sich an die Menschen, die den Jesiden dabei halfen, im Nordirak dem sicheren Tod zu entkommen. Kaidy ist selbst Jeside und lebt in Krefeld. Als er acht Jahre alt war, entschied sein Vater Khalid, dass ein sicheres Leben in der Stadt Sharya im kurdischen Autonomiegebiet nicht mehr möglich sei.

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Seit Anfang August erlebt der Student für Ingenieurwesen aus der Ferne, wie Zehntausende Jesiden im Nordirak auf der Flucht vor der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ sind. „Es sind bereits Tausende Jesiden getötet worden“, sagt Kaidy. Gemeinsam mit seiner Mutter Ramziya und den vier Geschwistern hofft Kaidy täglich, dass die Horrormeldungen über Tötungen, Entführungen und Vergewaltigungen aus dem ehemaligen Heimatland aufhören. „Sowohl die Familien meiner Eltern als auch mein Vater selbst leben in der Nähe der bedrohten Gebiete“, sagt Kaidy. Der Vater hat sich unlängst sogar der kurdischen Peschmerga-Miliz angeschlossen, um gegen die Terroristen zu kämpfen. „Ich versuche täglich, mit ihm zu telefonieren. Oft hatte ich schon Tränen in den Augen, weil ich gedacht habe, es könnte das letzte Gespräch mit meinem Vater gewesen sein“, sagt Kaidy.

Während die meisten Verwandten in einem weitestgehend sicheren Gebiet in Kurdistan leben, mussten zuletzt rund 80 000 Jesiden aus dem Sindschar-Gebirge gerettet werden. Wie viele Menschen heute noch auf dem 70 Kilometer langen Bergstück ausharren, ist nicht klar.

„Täglich verfolgen wir im Fernsehen und im Internet die Geschehnisse“, sagt Kaidy, der mit Freunden und Bekannten an Demonstrationen in Köln, Düsseldorf und Brüssel vor dem EU-Parlament teilgenommen hat, um auf das Leid seines Volkes aufmerksam zu machen.

Als die Nachrichten von der Hilfe des US-Militärs eintreffen, ist für Kaidy klar, dass die Welt auf die Gräueltaten, die den Jesiden zugefügt werden, reagiert. „Es ist in der Geschichte unseres Volkes mehr als 70 Mal vorgekommen, dass wir angegriffen, getötet und geplündert wurden“, sagt Kaidy. „Die westlichen Staaten sollen das autonome Gebiet Kurdistan mit Waffen versorgen, damit die Peschmerga das nächste Mal die Jesiden beschützen können und es nicht zu so einer Katastrophe kommt.“

Inmitten von muslimischen Glaubensgemeinden lebt die jesidische Bevölkerung als religiöse Minderheit. „Die Menschen, die jetzt im Nordirak verfolgt wurden, hatten die Wahl, binnen ein oder zwei Tagen zum Islam überzutreten oder zu sterben“, sagt Kaidy. Angegriffen wurde von den Terroristen auch Lalish, das Heiligtum der Jesiden.

„Der Schwager meiner Mutter hat dabei mitgeholfen, Lalish zu verteidigen, und es ist ihm gelungen“, erzählt Kaidy. „Jedes Leben, das durch die Terroristen genommen wurde, ist eines zu viel. Ich hoffe, dass alle Menschen, die auf der Flucht sind, irgendwann in Sicherheit sind.“

Was dann aus den Vertriebenen wird, weiß Kaidy auch nicht. Er hofft darauf, dass trotz der Zerstörung, der Trauer und der Wut, für die flüchtenden Jesiden eine Chance auf eine bessere Zukunft besteht. An die deutsche Regierung richtet der Student den Appell, den heimatlos gewordenen Jesiden Asyl zu gewähren.