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Hochschule: Maschinen drucken Bügel für Schutzvisiere aus

Hochschule : Maschinen drucken Bügel für Schutzvisiere aus

Die fast menschenleere Hochschul-Werkstatt „MakerSpace“ wird genutzt, um Hilfsmittel herzustellen.

Das Surren der 3D-Drucker ist alles, was man in der Werkstatt hört an diesen Tagen. Fast schon gespenstische Leere herrscht derzeit im „MakerSpace“ der Hochschule Niederrhein. Leiter Bruno Bak und sein Kollege Andreas Kascha bilden da die Ausnahme. Aber auch sie arbeiten allein, überwachen die Prozesse vor Ort, wechseln sich von Tag zu Tag ab. Andere Mitarbeiter müssen zu Hause ans Werk gehen. Die Maschinen aber laufen weiter. Die sechs eingesetzten 3D-Drucker spucken von Zeit zu Zeit kleine Kunststoffbügel aus. Mit ihrer Hilfe lassen sich Gesichtsschutzvisiere herstellen. Die Corona-Pandemie, sie hat auch schon die Hochtechnologie-Forschung der Hochschule erreicht. Seit mehreren Tagen schon werden in der Werkstatt an der Reinarzstraße Komponenten gedruckt. 40 am Tag, zu Hochzeiten.

Das Unternehmen Prusa, 2012 vom Hobbyisten, Erfinder und Studenten der Wirtschaftsuniversität Prag, Josef Prusa, ins Leben gerufen, ermöglicht die Produktion solcher Schutzvisiere. Die Firma stellt die Daten für die 3D-Drucker weltweit kostenlos zur Verfügung, für jedermann zum Herunterladen. Die Idee dazu kam über die Gemeinschaft „MakerVSVirus“, die Menschen und Organisationen zusammenbringen will, die in der jetzigen Zeit dringend Ausrüstung oder Ersatzteile brauchen und andererseits in der Lage sind, schnell und günstig zu produzieren.

Die Hochschule Niederrhein hat diese Anregung aufgenommen. „Wir hoffen, dass wir mit unserer kleinen Produktion einen Teil dazu beitragen können, dass die Menschen, die sich täglich der Gefahr einer Ansteckung aussetzen, sich besser schützen können“, sagt Bruno Bak. Kommerzielle Interessen verfolge die Hochschule jedoch nicht, wie mit Nachdruck betont wird. Bei Nachfrage können Bedürftige, ob Privatpersonen oder Krankenhäuser, diese Komponenten abholen kommen, zum Selbstkostenpreis. Die Bildungseinrichtung versteht sich nicht als Konkurrent auf dem Markt für Schutzkleidung.

„Wir wollen den Leuten unter die Arme greifen mit Teilen, die schwer erhältlich sind. Wir nehmen aber keine Aufträge an. Wir wollen niemandem Aufträge wegschnappen. Was wir machen, ist ja nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Bak. In vielen anderen „MakerSpaces“ in Hochschulen werde es landesweit ähnlich gemacht.

Die Leere in der Werkstatt ist für ihn und seinen Kollegen Andreas Kascha eine ungewohnte Situation. „Es ist bei uns sonst ein bisschen wie im Taubenschlag. Es brummt hier eigentlich. Im vergangenen Jahr haben wir etwa 8000 Köpfe durchgeschleust. 100 Veranstaltungen und Workshops gab es für junge Leute in 2019 aus der Region.“ Woche für Woche würden Dienstpläne erstellt für Hilfskräfte und ein Dutzend Studierende. „Jetzt müssen sie eben Themen für neue Workshops von zu Hause erarbeiten“, sagt Bruno Bak.

In der nächsten Woche würde unter normalen Umständen nun eigentlich der Semesterbetrieb wieder beginnen, die ersten Workshops anstehen, genau wie einige Prüfungen. In der Werkstatt „MakerSpace“ aber wird weiter gedruckt. „Wenn sich die Situation wieder beruhigt, werden wir den MakerSpace auch wieder für alle öffnen“, sagt Bak.