Hochschul-Studierende bauen neuen Rennwagen

Hochschule Niederrhein : Neues Rennauto auf der Zielgeraden

Hochschule Niederrhein will wieder an die Spitze. Team stellt neuen Bolliden der Formula Student vor. Er ist leichter und soll zuverlässiger sein.

Schon seit Mitternacht arbeiten die Studierenden am letzten Feinschliff für ihren Flitzer. Am Abend gegen 18 Uhr soll er fertig sein, der RS-19, der neue Stolz des Rennstalls der Hochschule Niederrhein, der sich in der internationalen Formula Student misst. „Die letzten Tage sind immer stressig“, sagt Eduard Machulsky, Mitglied in der Mannschaft, wenige Stunden vor der Präsentation. Man glaubt ihm jedes Wort. Viel geschlafen hat das Team in den vergangenen Tage nicht. Im Hintergrund schrauben noch zehn junge Frauen und Männer am Rennwagen. Doch es sind nur noch Kleinigkeiten.

Studierende fertigen die Teile
teils selbst bei den Herstellern an

Die Fotografen stehen schon bereit. Es wird mal wieder gut gehen an diesem Nachmittag. Die 60-köpfige Gruppe um Projektleiter Professor Michael Heber ist schließlich erfahren mit der Planung und den Abläufen. Und ein bisschen Anspannung fördert ja bekanntlich auch die Leistung.

Das Team wurde 2011 von Professor Rolf Schloms, damaliger Dekan des Fachbereichs Maschinenbau und Verfahrenstechnik, gegründet. Seitdem nimmt die Hochschule jährlich an diesem internationalen Vergleichswettbewerb teil.

Die Rennwagen werden von einer unabhängigen Jury auf Herz und Nieren geprüft und müssen viele Anforderungen erfüllen – zum Beispiel die Kraftstoff-Effizienz. Im Vorjahr jedoch hatte das Gefährt technische Mängel, fiel bei Rennen in Österreich und Italien aus und rutsche in der Weltrangliste, die man jedoch nicht allzu ernst nehme sollte, auf den 200. Platz von etwa 600 zurück.

In dieser Saison, die schon im Spätsommer begann, stand ein personeller Umbruch an. Unter dem neuen Teamleiter Chris Jakubowski und Technischen Leiter Maximilian Gramenz lag der Fokus auf der Ausmerzung der Vorjahres-Mängel. So wurden Studierende aus den Bereichen Elektrotechnik und Informatik angeworben. Die ergänzen die Gruppe, die aus vielen Fachbereichen besteht, darunter Designer, Wirtschaftswissenschaftler und Maschinenbauer.

„Wir wollten leichter und zuverlässiger werden“, sagt Professor Michael Heber, „da geht es um 1000 Kleinigkeiten auf diesem Niveau. Die Leistung des Teams ist nicht hoch genug einzuschätzen.“ Denn so ein Rennwagen besteht bis auf wenige Ausnahmen aus Teilen aus Eigenfabrikation. Studierende würden daher auch zu Herstellern fahren und Teile vor Ort produzieren. Der Zeitdruck spielt immer eine Rolle. „Sie sind bei späteren Arbeitgebern begehrt. Es werden Ingenieure gesucht, die auf den Punkt etwas fertigstellen können.“

Fünf Kilogramm leichter ist der Rennwagen in diesem Jahr. Er besitzt kleinere Räder, ein neues Fahrwerk. Etwa 170 Kilogramm bringt er auf die Waage, 110 km/h ist er schnell. „Es ist alles kompakter, alles liegt viel zentraler“, sagt Chris Jakubowski. Drei PS mehr Leistung erhoffen sich die Bauer von ihren Änderungen.

International im vorderen Drittel mit dabei, in Nordrhein-Westfalen „unter den ersten Drei“, sagt der Teamleiter. Da stecke noch viel Potenzial für die Zukunft in der Mannschaft von 2019, die gemeinsam lerne: „Viele von uns wollen in der Automobilbranche Fuß fassen.“ Professor Heber erfreut an seinem Team vor allem der Ehrgeiz: „Sie machen es von sich aus freiwillig. Man muss sie dazu gewiss nicht antreiben. Sie leisten Überdurchschnittliches. Sie sind sehr begehrt.“

In diesem Jahr wird der Rennbolide in Österreich und Tschechien im Juli und August an den Start gehen. Spielberg und Most sind die Strecken. Einen technisch bedingten Ausfall soll es dann nicht mehr geben.

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