Historische Zeitungen für die Nachwelt digitaliseren

Zeitungswesen : Zeitungen fit für Zukunft machen

Das Stadtarchiv übergibt historische Ausgaben aus dem 19. Jahrhundert, um sie digitalisieren zu lassen.

Viele historische Zeitungen sind von Zerfall bedroht und dürfen selbst von Experten nur mit Handschuhen berührt werden. Um sie für die Nachwelt in Zeiten der Digitalisierung zu erhalten, sind viele Ausgaben auf Mikrofilmen aufgenommen worden. Das Stadtarchiv Krefeld gehört zu den ersten im Land, die gestern Mikrofilme an das Reprografie-Team des Landschaftsverbandes Rheinland – um genau zu sein das Archivberatungs- und Fortbildungszentrum (LVR-AFZ) – übergeben haben. Digitalisiert werden zunächst verfilmte Zeitungsbestände der Jahrgänge 1807 bis 1861.

Konkret handelt es sich um die Ausgaben aus dem Crefelder Anzeiger von 1857 bis 1861, dem Crefelder Wochenblatt von 1807 bis 1822, dem Intelligenzblatt für Crefeld und umliegende Gegend von 1822 bis 1841, dem Crefelder Kreis- und Intelligenzblatt von 1841 bis 1850 und Neue Crefelder Volksblätter 1849. Sie kommen in der ersten Projektphase bis 2019 in Frage.

„Für uns ist die Digitalisierung ein spannendes Projekt“, erklärt Christoph Moß vom Krefelder Archiv. „Die historischen Zeitungen sind jetzt bald online recherchierbar.“ Und das Schöne daran ist, es kostet die Stadt und den späteren Nutzer – sei es zu privaten oder Forschungszwecken – keinen Cent. Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft fördert das Zeitungsportal, in dem die ersten der voraussichtlich rund sechs Millionen Zeitungsseiten demnächst abrufbereit sind.

„Zeitungen haben als bedeutende Quellen zur Regional- und Ortsgeschichte einen hohen kulturhistorischen Wert“, sagt Heike Bartel-Heuwinkel vom LVR. „Auf Initiative der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn wurde daher mit dem LVR das Konzept für das Digitalisierungs-Landesprogramm angestoßen.“ Dabei ist es gar nicht so leicht, an die Ausgaben früherer Zeiten zu gelangen.

„Wer hat welche Zeitungen wo liegen, ist eine große Frage. Manche schlummern, irgendwo vor der Öffentlichkeit verborgen, vor sich hin“, weiß Bartel-Heuwinkel. Das ist in Krefeld anders. Hier gibt es Mikrofilme in guter Qualität, deren Digitalisierung schnell geht. Moß: „Wir verfilmen seit den 1960er Jahren zur Sicherung und Schonung der Originale.“

Für die Digitalisierung wurde ein Gerät angeschafft, dessen Preis im sechsstelligen Bereich liegt. Annika Fiestelmann vom LVR-Reprografie-Team bedient es. Sie erklärt: „In einem Jahr können wir etwa eine bis eineinhalb Millionen Seiten digitalisieren und für die Zukunft langfristig sichern.“ Für einen Film braucht sie etwa fünf bis zehn Minuten. Ein Film trägt 1000 Bilder. Später sei jede Seite einzeln abrufbar, erklärt sie weiter.

Es gibt bei diesem Angebot mehr Anfragen aus Archiven, als angenommen werden können. Die Krefelder erfüllen die Voraussetzung für einen vollständigen Bestand, das passende Verbreitungsgebiet und den guten Zustand der Filme. „Wir selbst könnten die Digitalisierung nicht schaffen“, berichtet Moß. „Später werden wir die Daten für unsere Nutzer im Archiv auf den städtischen Server legen.“

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