Autoschau: Heimatbund bringt Lkw-Nostalgie nach Uerdingen

Autoschau : Heimatbund bringt Lkw-Nostalgie nach Uerdingen

Ungewöhnliche Urlaubsfahrzeuge haben am Wochenende in der Rheinstadt Halt gemacht.

Krefeld-Uerdingen. „Ist das stark, so etwas habe ich hier noch nie gesehen“, sagte Dieter Heinrich. Der 57-jährige Uerdinger ist Berufskraftfahrer, befördert für einen Logistiker Pakete und Paletten quer durch Deutschland. Dieter Heinrich kommt aus dem Staunen nicht heraus, als immer mehr alte Lastwagen den großen Platz am Röttgen anfahren. Darunter ist sogar ein Opel-Blitz aus dem Jahr 1943. Es ist eine Tour, wie sie die Nutzfahrzeug-Veteranen-Gemeinschaft (NVG) regelmäßig unternimmt.

Foto: D. Jochmann

Für diesen Zwischenstopp hatte Udo Stört vom Heimatbund Uerdingen gesorgt, der den Brummifahrern vor ihrer geselligen Einkehr in der alten Dujardin-Fabrik den Stadtteil in einer Führung erläuterte. Viel wichtiger ist aber für die Einheimischen, den großen Truck selbst zu erleben. „Das ist fantastisch, dass es dem Heimatbund gelungen ist, so etwas nach hier zu holen, ein Traum von Lastern“, schwärmt Wolfgang Nigl. Er steht gerade vor einem alten Deutz-Feuerwehrwagen aus dem Jahr 1960, der früher zunächst für den Luftschutzhilfsdienst in Saarbrücken, dann ab 1974 für den Kreis Saarlouis im Einsatz war.

Dirk Matschke (Meinerzhagen) hat den 125 PS starken Oldtimer gekauft und ihn wieder frisch gemacht. „Zwischen Rhein und Niederlande“ so heißt die elftägige Tour, die die Oldtimer noch bis zum 28. Juli durch Deutschland und die Niederlande führt.

Was die Fahrzeuge früher gemacht haben, steht meist in großen Lettern auf den Planen oder Hängern. „Polar Express“ steht auf einem, Elche sind zu erkennen, Wappen von US-Staaten. Da raucht auf einem Hänger eine Comic-Figur, es ist das aus der früheren Werbung bekannte HB-Männchen, eine Zigarette. Den Spruch kennt man: „Wer wird denn gleich an die Decke gehen, greife lieber zur HB, dann geht alles wie von selbst.“

Sicherlich für die nachfolgenden Autofahrer früher ein schwacher Trost, wenn vor ihnen auf den Fernstraßen die Brummer schlichen und sich dann auch noch gegenseitig überholten. An dem ersten Nachmittag dürften sich etwa 45 Fahrzeuge in der Mitte von Uerdingen versammelt haben. Einer der Steuermänner dieser Vehikel ist der 47-jährige Mülheimer Dirk Obermann. Er ist mit einem 19-Tonner da: dem blauen Mercedes NG 1926, Baujahr 1977, 260 PS und er sagt: „Früher zog das Fahrzeug für eine österreichische Autobahngesellschaft einen Teerkocher. Wir haben stattdessen einen Koffer-Aufbau montiert und daraus ein komplettes Wohnabteil gemacht.“ Der Spediteur, der außerdem eine Lkw-Reparaturwerkstatt hat, ist so eine Art positiv Verrückter und schwärmt von seinem privaten Nutzfahrzeugmuseum, unter anderem mit 65 historischen Lkw und 40 restaurierten Ford Transit.

Gerade kommt aus Schwalmtal ein alter Borgward (Typ 655) an, der nach wie vor Früchte und Gemüse von den Großmärkten holt. Helmut Hoffmann ist mit seiner Ehefrau Heike, mit dem zehnjährigen Enkel Leonard und dem blau-roten MAN, Typ FLS 19361, schon da. Auch die beiden haben aus dem Fahrzeug (Baujahr: 1983) eine mobile Ferienwohnung gemacht. Mit allem, was dazu gehört, Dusche, WC, Kojen, gemütliche Sitzecke, Fernseher und natürlich mit einer Zapfanlage. Gerade kommen ihre Freunde vorbei, Georg und Barbara Reuss, die einen Henschel Typ F 161 aus dem Jahr 1968 fahren. Die Fahrer kennen sich seit langem und nutzen natürlich den Treff zu den obligatorischen „Benzingesprächen“ oder helfen sich mit Ersatzteilen gegenseitig aus.

Aus Willich ist mit seinem Borkward B 4500, Baujahr 1957, Georg Schumacher (68) gekommen. „Früher war dies für den Katastrophenschutz die mobile Feldküche“, erklärt Schumacher.

Es sind nicht nur ältere Herrschaften, die sich diese Veteranen der Landstraße anschauen.

Mit seiner Freundin ist Artur Grzesinik da. Und der 30-Jährige ist ebenfalls fasziniert: „Ich liebe diese nostalgischen Autos, bei denen man damals noch spürte, dass man unterwegs war, heutzutage ist alles viel ruhiger und automatischer geworden, leider.“ Wer die Gemeinschaft kennenlernen möchte:

n-v-g.de

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