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Heiligabend: Eine Ersatzfamilie für 88 Kinder

Heiligabend : Eine Ersatzfamilie für 88 Kinder

Im Kinderheim Kastanienhof bemühen sich alle, Wünsche zu erfüllen.

Alle Kinder haben Wünsche. Vor allem zu Weihnachten. Bei der Bescherung unterm Christbaum hoffen sie – gleich welchen Alters –, dass sich das erfüllt, was sie sich monatelang ausgemalt haben. Fällt es in den Familien schon schwer, die Wunschliste der Kinder und Jugendlichen zu erfüllen, stoßen Kinderheime und Pflegestellen oft an ihre leistbaren Grenzen. Vor allem bei den immateriellen Wünschen. „Der Wunsch vieler unserer Kinder, in ihre Familien zurückkehren zu können, ist zu erfühlen, aber von uns nicht zu erfüllen“, sagt Raimund Haider, stellvertretender Einrichtungsleiter.

Dennoch komme das feierliche und Freude bereitende Weihnachtsfest im Kastanienhof nicht zu kurz. „Wir machen es für unsere Kinder kuschelig“, betont Haider. „Wir verstehen uns schließlich für die Zeit als Elternersatz und machen das Beste daraus.“

Schon im November beginnen in den Familiengruppen die Vorbereitung fürs Weihnachtsfest. 88 Kinder von fünf bis 18 Jahre wohnen allein an der Kaiserstraße. Es wird gebastelt und geschmückt. Auch in den Kindergärten und Schulen wird auf Weihnachten eingestimmt. „Dadurch baut sich die Vorfreude und Spannung aufs Fest immer mehr auf“, beschreibt Haider die Adventszeit.

Jede Kinderheim-Familiengruppe organisiert ihren eigenen Heilig Abend, ganz individuell. Haider: „Die Kinder erleben in der Regel den Tag gerne dort.“ Sie wüssten, warum sie für eine Zeit im Kastanienhof wohnen und dass sie nicht schuld daran sind. Dieser innerliche Frieden mit der Situation sei wichtig für sie – und ihre Zeit im Kastanienhof.

Schon in den Wochen zuvor haben die Betreuer die Geschenke-Wünsche der Kinder aufgeschrieben. Haider: „Wir schauen, wie wir sie erfüllen könen.“ Das Budget für ein jedes Kind ist in Jugendhilfeeinrichtungen sehr begrenzt. „Dennoch können und wollen wir den Kindern mit dem, was wir haben, eine Freude schenken“, sagt Haider. Dabei helfen auch die Wunschbäume von Firmen, Banken und Warenhäusern, die auf die Stadt verteilt sind und von denen sich jeder Krefelder einen aufgeschriebenen Wunsch nehmen kann, um ihn zu erfüllen.

Auch die Bescherung mit den Eltern kommt nicht zu kurz, da, wo es möglich ist. Entweder erhalten die Kinder am ersten und zweiten Weihnachtstag ihre Geschenke, wenn sie im Kastanienhof von ihnen besucht werden, oder aber in ihrem ursprüngliche Zuhause, wenn sie über die Weihnachtstage nach Hause können. Für viele Kinder ist das der größte Wunsch.