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Hautschuppe überführt die Täter

Hautschuppe überführt die Täter

Der Rentner-Mord an der Drießendorfer Straße konnte dank neuester DNA-Analysen aufgeklärt werden

Krefeld. Es ist einer der spannendsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre in Krefeld. Der Mord an Rentner Werner L. hat den Ermittlern wochenlang Rätsel aufgegeben. Dank länderübergreifender Polizeiunterstützung sind die Krefelder Beamten den mutmaßlichen Tätern auf die Spur gekommen. Wie es dazu kam, rekonstruiert der Leiter der Mordkommission, Gerhard Hoppmann, im Gespräch mit der WZ.

Hautschuppe überführt die Täter
Foto: LKA Hessen

Im Herbst vergangenen Jahres gehen bei den Ermittlern der Krefelder Mordkommission rund 200 Hinweise zum Mord an Werner L. ein. Doch keine Spur führt zum Erfolg. Trotz wochenlanger Ermittlungsarbeit gibt es keinen bahnbrechenden Hinweis auf den Täter oder die Täter, die den 79-Jährigen am 26. Oktober in seiner Wohnung an der Drießendorfer Straße getötet haben sollen.

Hoffnung ruht auf einer am Klebeband gefundenen DNA-Spur

„Natürlich zehrt so etwas an einem“, sagt Gerhard Hoppmann. Der Leiter der Krefelder Mordkommission und seine Kollegen ziehen alle Register, um den Fall dennoch aufzuklären. Die Hoffnung ruht auf einer am Klebeband gefundenen DNA-Spur, die von der Spurensicherung gesichert werden konnte.

Das Problem: Das Material kann in der vom Bundeskriminalamt geführten DNA-Datenbank DAD keiner der rund 1,2 Millionen dort registrierten Personen zugeordnet werden. „Wir wussten lediglich, dass wir nach einer männlichen Person suchen“, berichtet Hoppmann.

Mehr Anhaltspunkte gibt es nicht. Der Polizei läuft die Zeit davon. Hoppmann entschließt sich in Absprache mit dem Landeskriminalamt NRW, länderübergreifende Hilfe einzuholen.

Er kontaktiert Dr. Harald Schneider, den Leiter der DNA—Abteilung beim Landeskriminalamt in Hessen. Der Molekularbiologe ist der Mann für die schwierigen Kriminalfälle. Mit seinen DNA-Analysemethoden hat Schneider zusammen mit seinem Team bereits unzählige Male entscheidende Hinweise zur Klärung von Mordfällen in ganz Deutschland liefern können.

„Ich habe mir den Fall kurz schildern lassen und musste abwägen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, mit einer DNA-Analyse dem Täter auf die Spur zu kommen“, erklärt Harald Schneider. Der Molekularbiologe nimmt den Fall an, weil er sich sicher ist, dass es einen intensiven Täter-Opfer-Kontakt gegeben haben muss — und deshalb Fremd-DNA mit hoher Wahrscheinlichkeit zu finden ist.

„Allein schon, weil das Opfer gefesselt war, musste man davon ausgehen. Durch die Art der Fesselung ging ich zudem davon aus, dass nicht nur ein Täter vor Ort gewesen sein muss. Ich vermutete das DNA-Material möglicher Täter am ehesten auf der Vorderseite der Oberbekleidung des Opfers“, erklärt Schneider.

Nach einiger Zeit kristallisieren sich tatrelevante Spuren heraus

Der Molekularbiologe lässt sich am Tatort genommene Klebestreifen mit DNA-Material zuschicken. „Diese Streifen werden an Tatorten von der Spurensicherung generell genommen, um mögliche DNA-Spuren an Körpern oder Kleidung zu sichern“, so Hoppmann. Sie zeigen ein genaues Abbild der am Tatort vorgefundenen Mikropartikel. Jetzt beginnt die Fleißarbeit.

LKA-Mitarbeiter untersuchen unter dem Mikroskop in Wiesbaden die Klebestreifen auf fremde DNA-Spuren, die einem möglichen Täter gehören. Die Methode nennt sich „Selektive Hautschuppen-Präparation“ und ist ein einmaliges Verfahren, das neben dem Mikrobiologen und seinem Team nur wenige Kollegen in Europa beherrschen.

„Es ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Auf einem Quadratzentimeter befinden sich bis zu 20 Kleinstpartikel“, sagt Schneider. Doch nach tagelanger Arbeit kristallisieren sich zwei tatrelevante Spuren heraus. Neben der am Klebeband gefundenen DNA einer unbekannten männlichen Person, finden die Ermittler weiteres DNA-Material - und das kann dank der DNA-Datenbank zweifelsfrei einer Person zugeordnet werden. Im Fachjargon: ein Spur-Personen-Treffer.

„Als der Anruf aus Wiesbaden dazu kam, herrschte bei uns Euphorie“, erklärt Hoppmann. Die DNA gehört Jerzy S., der verdächtig ist, zu einer Gruppe von Personen zu gehören, die gezielt Straftaten zum Nachteil älterer Mitbürger begehen.

Die Ermittler haben eine neue Spur. Das Bild der möglichen Tatverdächtigen wird deutlicher. Über Wochen werden mehrere Personen von der Polizei überwacht. Anfang Januar erfolgt der Zugriff. In Krefeld, Düsseldorf und Solingen werden auch unter Hilfe von Spezialeinsatzkräften mehrere Objekte durchsucht und insgesamt elf Personen festgenommen. Gegen drei Männer, darunter Jerzy S., wird Haftbefehl werden Mordes erlassen. Auch die DNA der anderen beiden Tatverdächtigen wird von den Experten nachgewiesen.

„Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wären wir den Tätern ohne die DNA-Analyse aus Hessen nicht auf die Spur gekommen. Diese Art der Zusammenarbeit ist sicherlich nicht selbstverständlich, deshalb sind wir stolz darauf, hier zu diesem tollen Ergebnis gekommen zu sein“, sagt Hoppmann erfreut über die gute Zusammenarbeit.