Hauptbahnhof Krefeld verliert zunehmend an Bedeutung

Bahnverbindung : Hauptbahnhof Krefeld verliert zunehmend an Bedeutung

Kein ICE-Halt und bald kein Reisezentrum mehr - der Hauptbahnhof in Krefeld schneidet selbst im Vergleich mit einer 1500-Seelen-Gemeinde schlecht ab. Woran liegt das?

Kennen Sie Züssow? Es handelt sich dabei um eine 1500-Seelen-Gemeinde im Landkreis Vorpommern-Greifswald – und diese hat, was Krefeld (etwa 230 000 Einwohner) gut zu Gesicht stehen würde: einen ICE-Haltepunkt. In dem Umsteigebahnhof für den Bädertourismus in Richtung Usedom verlassen regelmäßig Touristen den Intercity Express. Die Krefelder müssen schon mit dem Nahverkehrszug nach Duisburg oder Düsseldorf fahren, um in einen ICE umsteigen zu können.

„Fernverkehrsverbindungen gibt es in Krefeld und Mönchengladbach kaum“, berichtet der Gladbacher Detlef Neuß, Bundesvorsitzender des Fahrgast-Verbandes Pro Bahn. Einzig der IC 2222 („Karolinger“) zwischen Aachen und Berlin, der montags bis freitags morgens um 8.16 Uhr ab Krefeld fährt, verbindet die beiden niederrheinischen Großstädte direkt mit der großen weiten Welt. In Gegenrichtung fährt der IC 2223 abends um 19.43 Uhr nach Aachen. Das war’s.

Eine ICE-Verbindung, die es einmal in der Woche zumindest von Mönchengladbach über Düsseldorf in die Hauptstadt gab, sei wieder eingestellt worden, bedauert Neuß. Die Randlage der beiden Städte macht er für diesen Umstand verantwortlich. Mehr Glück hätten kleine Gemeinden wie eben Züssow oder Montabaur (13 200 Einwohner) im Westerwald, die direkt an einer Schnellfahrtstrecke liegen.

Mönchengladbach
hat bessere Anschlüsse

Und wie sieht es in Sachen Nahverkehrs-Anbindung am Krefelder Bahnhof aus – zum Beispiel in Richtung Düsseldorf? „Im Vergleich dazu hat Mönchengladbach die besseren Anschlüsse“, berichtet Detlef Neuss: Die S-Bahn verkehre dort bis tief in Nacht in die Landeshauptstadt, mache eigentlich nur zwischen drei und fünf Uhr eine längere Pause. „Ab 1 Uhr tut sich in Krefeld dagegen nicht mehr viel“, so der Pro-Bahn-Vertreter. Es sei schade, dass die U 76 nicht die Nacht über durchfahre. Er ist sich sicher: „Wäre das Angebot da, dann gäbe es auch eine größere Nachfrage.“ Immerhin: Samstags und sonntags fährt der RE10 zum Beispiel um 0.56 und 1.56 Uhr nach Düsseldorf.

Zusatzkosten für ICE-Halt durch Zahl der Reisende nicht zu decken

Verbesserungen wird es aus Sicht von Detlef Neuß vorerst nicht geben. Zwar gingen die Initiative „Deutschland-Takt“ und das „Zukunftsbündnis Schiene“ aus Politik, Wirtschaft und Verbänden in die richtige Richtung. Aber erst ab 2030 sei hier mit konkreten Umsetzungen zu rechnen.

Ein Pressesprecher der Bahn erläutert dazu auf WZ-Anfrage, dass das Fernverkehrsangebot in Deutschland  sich ohne öffentliche Zuschüsse allein aus den Einnahmen im Fahrscheinverkauf tragen müsse. Krefeld liege nicht entlang der überregionalen Hauptreisendendströme im Fernverkehr. „Zusätzliche ICE-Fahrten von/nach Krefeld würde selbst mit optimalen Fahrzeiten leider zu wenige zusätzliche Reisende erreichen, um die entsprechenden Zusatzkosten zu decken.“ Ab Krefeld seien aber wichtige deutsche Metropolen mit meist nur einem oder zwei Umstiegen schnell erreichbar: Frankfurt in rund zwei Stunden, Berlin in viereinhalb Stunden.

 Im Rahmen der Fernverkehrsoffensive wolle man Krefeld langfristig auch an das neue Flächennetz anbinden, sagt der Bahnsprecher weiter. „Dann fahren wir Krefeld zweistündlich mit einer IC-Linie Aachen–Dortmund–Kassel–Erfurt–Chemnitz direkt an. Reisende aus Krefeld erreichen dann noch schneller und komfortabler wichtige ICE-Knoten und weitere Ziele auf direktem Wege.“ Einen Zeitpunkt zur Umsetzung nennt er nicht.

Fest steht dagegen, dass das DB-Reisezentrum im Hauptbahnhof im nächsten Jahre geschlossen wird. Hintergrund: Die DB hatte in einer Ausschreibung das Recht verloren, ab 15. Dezember 2019 VRR-Tickets verkaufen zu können – nur durch den Fernverkehr sei ein Reisezentrum aber nicht zu finanzieren.