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Hauptbahnhof Krefeld: Unternehmerin übernimmt Reisezentrum

Krefeld : Unternehmerin übernimmt Reisezentrum im Hauptbahnhof

Die Nachricht kommt überraschend: Eine Unternehmerin aus Werl übernimmt den Betrieb des Reisezentrums im Krefelder Hauptbahnhof. Was geplant ist.

Die Deutsche Bahn hat ihr DB Reisezentrum im Krefelder Hauptbahnhof geschlossen – Fahrkarten für den Nah- und Fernverkehr werden in den Räumen aber weiterhin verkauft. Den Grund dafür nennt die Unternehmerin Anne Lindeboom aus Werl: „Ich habe den Betrieb übernommen. Am 31. Oktober war die Schlüsselübergabe, seit dem 2. November bin ich mit meinem Team in den Räumlichkeiten drin.“

Die Nachricht kommt überraschend. Denn schon seit Monaten schien klar zu sein, dass das Reisezentrum am 15. Dezember schließen wird. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt das Berliner Unternehmen Transdev den Verkauf von VRR-Tickets, nachdem es eine europaweite Ausschreibung gewonnen hatte. Nur mit dem Verkauf von Ferntickets sei das Reisezentrum aber nicht zu finanzieren, argumentierte die Bahn und kündigte Schließungen in mehreren Städten in NRW an – darunter auch Krefeld.

Nachricht von der Schließung hatte für Aufregung gesorgt

Diese Nachricht sorgte für große Aufregung bei den Reisenden und in der Politik. Sogar Oberbürgermeister Frank Meyer setzte sich dafür ein, dass ein Ticketverkauf erhalten bleiben soll. Die Stadt teilte schließlich Anfang August mit, dass eine Vertriebsstelle im Hauptbahnhof auch weiterhin für den Verkauf von Fernverkehrstickets zur Verfügung stehen werde. Der Verkauf werde in der Bahnhofsbuchhandlung in Form einer Shop-in-Shop-Lösung erfolgen, konkretisierte Transdev wenig später. Damit habe man an anderer Stelle gute Erfahrungen gemacht. Der VRR bestätigte zudem, dass sowohl in der Vertriebsstelle, als auch an den Ticketautomaten neben den VRR-Fahrscheinen auch Fahrkarten des NRW-Tarifes verkauft werden.

Von einer Übernahme des bisherigen Reisezentrums durch eine private Agentur hatte zu diesem Zeitpunkt nur die CDU-Politikerin Carla Stomps gehört. Von der Bahn wurde dies auf Nachfrage unserer Zeitung aber nicht bestätigt. „Zur künftigen Nutzung des Reisezentrums können wir noch keine Aussage machen“, hieß es.

Die Bestätigung kommt jetzt von Anne Lindeboom. „Mit Unterstützung der Bahn, die nach der Übernahme noch vier Tage lang zwei Schalter im Reisezentrum betrieben hat, haben wir neu eröffnet.“ Seit dem 6. November sei die Bahn endgültig raus aus den 140 Quadratmeter großen Räumen.

Die Frau aus Werl hat offenkundig Erfahrung mit dem Ticketverkauf: Ihr Unternehmen sei seit 15 Jahren am Markt und betreibe bereits vier DB-Agenturen, nämlich in Kamen, Oelde, Bocholt und Borken. In Krefeld will sie mit eigenem Personal drei Schalter besetzten. Dort wird es die Tickets der Bahn geben, aber auch VRR-Fahrkarten: Ab 15. Dezember werde sie diese im Auftrag der Stadtwerke Krefeld (SWK) anbieten. „Das ist jetzt eine runde Geschichte.“ Die SWK haben den Verkauf bestätigt.

Anne Lindeboom kündigt eine kompetente Beratung an: Fahrkarten könne jeder verkaufen, doch ihre Mitarbeiter könnten zum Beispiel auch Fragen zu Gruppenreisen und anderen Spezialangeboten beantworten. „Dazu müssen sie eine Schulung bei der Bahn machen“, erklärt Lindeboom.

Vier Vollzeitkräfte und eine Teilzeitkraft werden im bisherigen DB Reisezentrum, das künftig Reisecenter heißen soll, arbeiten. Der Name steht aber noch nicht endgültig fest. Derzeit ist die Fläche, auf der DB Reisezentrum zu lesen war, leer. Einen ihrer neuen Mitarbeiter hat Anne Lindeboom von der Bahn übernommen, er saß vorher schon am Schalter im Hauptbahnhof.

Ein Sprecher von Transdev hatte vor Monaten im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt, über die Vertriebsprovisionen allein sei eine Ticket-Verkaufsstelle nicht finanzierbar. Das Reisezentrum zu erhalten, nannte er deshalb damals „völlig unrealistisch“.

Anne Lindeboom sieht dies naturgemäß anders. Eine kompetente Beratung durch geschultes Fachpersonal sei ihre Stärke, die Kundenbindung besonders wichtig. Vor dem Konkurrenz-Verkauf in der Buchhandlung  gegenüber sei ihr deshalb nicht bange.