Hans-Peter Hensel: „Der letzte Tag meines Leben“

Hans-Peter Hensel: „Der letzte Tag meines Leben“

Ein Freund war der letzte, der Hans-Peter Hensel lebend gesehen hat am frühen Sonntag kurz nach dem Brand.

Krefeld. Die Wahrscheinlichkeit, dass Hans-Peter Hensel noch lebt, wird von Tag zu Tag geringer. Definitiv zuletzt gesehen hat ihn ein Freund, den der 50-Jährige am frühen Sonntag aufgesucht hat - nach dem Mord an seiner Freundin an der Süchtelner Straße 232 und unmittelbar nach der Brandstiftung an der Lindenstraße. "Heute ist der letzte Tag in meinem Leben", soll er dem Freund anvertraut haben.

Alle anderen Zeugenaussagen über das Auftauchen Hensels an verschiedenenen Stellen im Stadtgebiet selbst am Montag noch erscheinen der Mordkommission "nicht sicher". Eindeutig erkannt haben will ihn ein Bekannter gegen 21.30 Uhr am Sonntag in der Innenstadt. Da soll der auffällige Zwei-Meter-Mann noch mit seinem weiß-blauen Trekkingrad unterwegs gewesen sein.

Hensel ist zwar im Januar 1960 in Uerdingen zur Welt gekommen, aufgewachsen ist er aber in Tönisberg hinterm Hülser Berg. Dort kennt er sich besonders gut aus. Weil er kein Auto besessen hat, war er gelegentlich als Tramper unterwegs. "Alle seine Kontaktadressen außerhalb Krefeld sind überprüft worden", teilte Am Mittwoch der Leiter des Kriminalkommissariats 11, Gerd Hoppmann, mit.

In den verkohlten Resten der Wohnung Hensels an der Lindenstraße 62 hat der Brandsachverständige jetzt die Sirene gefunden, mit der der Brandstifter seine Nachbarn gewarnt hat. Hoppmann korrigierte die polizeilichen Erkenntnisse bis dato: "Es handelt sich nicht um eine handbetriebene Sirene, sondern um eine elektrische. Das liefert auch die Erklärung dafür, weshalb die Sirene noch lief, als bereits die Flammen durch die Fenster schlugen." Mit welchem explosiven Gemisch den Knall um 6.21 Uhr am Sonntag auslöste, hat der Experte noch nicht herausgefunden.

Der seit Sonntag gegen Hans-Peter Hensel bestehende Haftbefehl wurde am Mittwoch von Staatsanwalt Otto Notemann um den Straftatbestand "Mord" erweitert. Als Mordmerkmal wird die "grausame Begehung der Tat" herangezogen.

Ferner ist am Mittwoch, vier Tage danach, von der Anklagebehörde eine Belohnung für Hinweise ausgesetzt worden, die zur Ergreifung Hensels führen: 2000 Euro. Fahndungsplakate mit dem Konterfei des Gesuchten sind ebenfalls am Mittwoch in der Stadt verteilt worden. Das dürfte vor allem das Drogenmilieu interessieren, in dem Hensel seit Jahren verkehrte. Die vielen Polizeikontrollen seit dem Mord an der 47-jährigen Altenpflegerin haben, so ein Insider, "für gehörige Unruhe auf der Platte gesorgt".

Der Tatort an der Süchtelner Straße, im alten Wohnquartier Grönland (Grünland) gelegen, ist seit kurzem zum Gedenkort geworden. Vor dem Reihenhaus, in dem die 47-jährige Altenpflegerin irgendwann zwischen 22 Uhr am Samstag und 8 Uhr am Sonntag mit mehreren Stichen in den Hals und in den Kopf umgebracht wurde, brennt ein Grablicht, stehen Blumen und zwei Schallplattenhüllen der Reggae-Legende Bob Marley: "Babylon By Bus" und "Uprising".

Eine Polizeiakte über Hans-Peter Hensel existiert seit Mitte der 70er Jahre. Das WZ-Archiv "bereichert" er seit dem 27. Januar 1979. Damals hatte er - 19-jährig - die Sparkasse in Traar mit einer Gaspistole überfallen. Genau 26 Minuten konnte er sich seiner Beute von 10 285 Mark erfreuen - dann hatte ihn die Polizei auf dem Flugplatz Egelsberg geschnappt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung