Händler haben Angst vor Junkies

Händler haben Angst vor Junkies

Szene: Die Lage auf dem Theaterplatz scheint sich zu verschärfen. Die Polizei wiegelt ab.

Krefeld. Die Händler des nördlichen Ostwalls haben Angst. Seitdem der Kaufhof geschlossen wurde und die oberirdische Querung der Kreuzung St.-Anton-Straße möglich ist, bekämen sie immer häufiger in ihren Geschäften Besuch von alkoholisierten, ungepflegten Drogenabhängigen vom Theaterplatz. Die ließen sich teure Waren zeigen und würden dann wieder verschwinden. Das unangenehme Gefühl, ausgekundschaftet worden zu sein, aber bleibe. In einem der WZ vorliegenden Brief hat sich ein Händler im Namen aller jetzt hilfesuchend an den Oberbürgermeister gewandt.

Namentlich zu Wort melden wollen sich die verschiedenen Geschäftsleute nicht. Zu groß ist die Angst, dass es für sie unangenehme Folgen haben könnte. Dennoch erzählt eine eingeschüchterte Mitarbeiterin allein von drei solchen Besuchen zweier Männer innerhalb von drei Wochen. "Nur gut, dass wir immer mit mehreren im Haus sind." Gestohlen worden sei bisher nichts. Das führt sie aber auf einen beim letzten Besuch abgesetzten Notruf bei der Polizei und deren Auftauchen zurück.

Bei einem anderen Händler wurde in einer Blitzaktion am helllichten Tag wertvolle Ware gestohlen. "Die gute Beschreibung des Täters hat eine halbe Stunde später schon zur Festnahme des Täters geführt", erzählt der betroffene Ladeninhaber. Beruhigt ist er dennoch nicht. Bei einem weiteren sei eine Scheibe eingeschmissen worden. Zwar sind in allen Fällen die Geschädigten froh über das schnelle Eingreifen der Polizei, doch sie vermissen seit Jahren eine Lösung. "Zumal die Gruppe auf dem Theaterplatz immer größer wird."

Dem widerspricht Polizeipressesprecher Wolfgang Weidner. "Wir haben in den vergangenen Monaten keine Ausweitung der Szene und keinen Anstieg der Kriminalität zu verzeichnen." Durch regelmäßige Razzien, aber auch Kontrollen durch Zivilbeamte und die Fahrradstaffel werde verhindert, dass Abhängige aus anderen Städten sich auf der Platte breit machen. Mit Platzverweisen werde das verhindert.

Durchschnittlich 30 bis 40 Drogenabhängige treffen sich täglich auf dem Theaterplatz. Bei schönem Wetter weitaus mehr. Diese Zahl nennt Caritas-Streetworker Thorsten Henkel. Er und seine beiden Kollegen zählten im vergangenen Jahr knapp 6000 Kontakte zu der Stammszene, von der ein Großteil als Ersatz für das illegale und kostspielige Heroin von Krefelder Ärzten Methadon verabreicht bekommt. Nach seinen Worten habe aber im vergangenen Jahr die Zahl ausländischer, hier vor allem russlanddeutscher Drogenabhängiger, zugenommen. Die machen noch einmal ein Drittel der durchschnittlichen Besucherzahl aus.

Dass der Ton rauer in der Szene wird, beobachtet der Leiter der nahen Mediothek, Manfred Schroers, schon seit längerem. Er, seine Mitarbeiter und die zahlreichen Besucher seien deshalb froh über den eigenen Wachdienst vor dem Haus.

Gänzlich unbeobachtet sind hingegen die Notausgänge der privat betriebenen Tiefgarage des Seidenweberhauses. "Dort kauern diese Menschen, setzen sich einen Schuss oder verrichten ihre Notdurft", beschreibt Karl-Heinz Renner von den Grünen unerträgliche Zustände. Der Politiker setzt sich in der neuen, fraktionsübergreifenden Arbeitsgruppe "Theaterplatz" für eine ganzheitliche Lösung ein. Dazu zählen Toiletten auf dem Theaterplatz, ein Drogenkonsumraum sowie eine optische Abtrennung des Treffpunkts der Junkies von der übrigen Platzfläche.

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