Gut gefüllte Auftragsbücher, aber fehlendes Personal

Gut gefüllte Auftragsbücher, aber fehlendes Personal

Der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerschaft Niederrhein, Ralf Sibben, blickt auf das neue Jahr.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sieht der neue Hauptgeschäftsführer der Unternehmerschaft Niederrhein mit Sitz in Krefeld auf das frisch begonnene Jahr. „Die Auftragsbücher der Betriebe am Niederrhein sind weitestgehend gut gefüllt, und die Arbeitslosenzahlen sinken. Das sind gute Aussichten für 2018“, sagt Ralf Sibben, der im April des vergangenen Jahres die Leitung des niederrheinischen Arbeitgeberverbandes übernommen hatte.

Die Prognosen für das Jahr seien so gut wie selten: Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von mehr als zwei Prozent. Allerdings schränkt Sibben ein: „Eine gute Konjunktur wirkt sich in unserem Verband differenziert aus. Einerseits müssen sich die Betriebe keine Sorgen um Aufträge machen. Andererseits fehlt es durch die gute Beschäftigungssituation in einzelnen Betrieben schon an Personal, und die Aufträge können nicht abgearbeitet werden.“ Zum Verbandsgebiet der Unternehmerschaft Niederrhein gehören außer Krefeld die Kreise Kleve, Wesel, Viersen und Neuss.

Dass sich die Regierungsbildung nach der Bundestagswahl im September 2017 hinzieht, sieht Sibben kritisch. „Eine solche Hängepartie war nicht absehbar und erweist sich als nicht sonderlich förderlich. Die derzeitige geschäftsführende Regierung ist nicht wirklich handlungsfähig.“

Abzuwarten bleibe auch, wie sich die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie entwickelten. Erstmals stehen nicht nur Forderungen nach höheren Löhnen auf der Verhandlungsagenda. Es soll in dieser Verhandlungsrunde auch um Arbeitszeit gehen. „Die IG Metall stellt Forderungen nach Arbeitszeitverkürzungen, die so und insbesondere vor dem Hintergrund der intensiven Beschäftigungslage nicht zu erfüllen sind“, urteilt Sibben. Die Ankündigung von Streiks stößt daher auf „großes Unverständnis“ bei dem Arbeitgebervertreter.

Mit Blick auf das kommende und die weiteren Jahre sieht Sibben als größte Herausforderung die Digitalisierung. „Sie ist kein Schreckgespenst. Aber sie erfordert von den Unternehmen große Anstrengungen und Umdenkungsprozesse. Wir sehen, dass sich die Digitalisierung nicht aufhalten lässt. Wer hier in den Startlöchern sitzenbleibt, muss sich nicht wundern, wenn er in den nächsten Jahren abgehängt ist“, so Sibben. ok