Großmarkt-Prozess: „Das Motiv der Angeklagten war Rache“

Großmarkt-Prozess: „Das Motiv der Angeklagten war Rache“

Dreieinhalb Jahre Haft für den Rädelsführer gefordert. Verteidigung setzt auf Freispruch.

Krefeld. "Das Motiv der Angeklagten war Rache" - die Position von Staatsanwalt Traugott Miche-Seeling in seinem Plädoyer im so genannten Großmarkt-Prozess ist klar. Alle neun wegen der Ereignisse am 1. Mai 2008 Angeklagten seien schuldig der schweren Körperverletzung.

Zweimal verlangt Miche-Seeling dreieinhalb Jahre, zweimal zweieinhalb, einmal zwei Jahre und gegen drei Angeklagte anderthalb Jahre Haft. Vier der Urteile sollten auf Bewährung erfolgen. Der zum Tatzeitpunkt 16 Jahre alte Gianni C. (Namen von der Redaktion geändert) solle einen mehrwöchigen Arrest absitzen.

Als Haupttäter kristallisierten sich nach Ansicht des Staatsanwalts Marco M. und Armin C. heraus. Nach seiner Ansicht war es Letzterer, der die Aggressionen gegen die Polizisten in Zivil geschürt hätte. "Er war der Rädelsführer. Er war es, der einen richtigen Racheplan entwickelte." Nach mehr als 40 Zeugenaussagen sei klar geworden, dass Armin C. nach einer angeblichen Kränkung die Freunde und Verwandte per Telefon nicht zur Hilfeleistung an dem völlig betrunkenen Gianni herbeigerufen habe, "sondern um seine Rachgelüste zu befriedigen."

Gianni wäre ihm dabei gleichgültig gewesen. Marco M. warf Miche-Seeling vor, einen sehr großen Anteil an der Gewalt zu tragen. "Es war ein maßloser Einsatz seiner Körperkräfte."

Die neun Verteidiger blieben dabei, nur zuzugeben, was nachweislich feststand. Sie stützten sich bei ihren Anträgen auf Freispruch oder Bewährung auf widersprüchliche Zeugenaussagen oder den zeitlichen Abstand zum Geschehen.

Als strafmildernd sollte das Gericht auch den Alkoholpegel zwischen 1,3 und 1,9Promille der meisten Angeklagten werten.

Die Anklage listet zwölf Geschädigte auf, die erhebliche Verletzungen erlitten hätten. Einer der am schwersten Verletzten, der Polizeibeamte Gerd M. (49), in dessen Gesicht getreten wurde, stellte als Nebenkläger einen Antrag auf Schmerzensgeld in Höhe von 5000 Euro.

Die Urteile sollen am kommenden Donnerstag gesprochen werden.