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Große Sorgen ums Latumer Bruch

Große Sorgen ums Latumer Bruch

Mit dem Ausbau der A 57 soll auch die Wasserversorgung für das Naturschutzgebiet versiegen — das Todesurteil für viele Arten.

Linn/Gellep-Stratum. Der geplante Ausbau der Autobahn 57 lässt seit Jahren bei vielen Krefeldern die Alarmglocken schrillen. Lärmschutz, das ist vor allem für die Linner ein immer wiederkehrendes Streitthema. Rebekka Eckelboom dagegen hat ganz andere Sorgen. Die Naturschützerin und langjährige Leiterin der Krefelder Nabu-Gruppe ist sich sicher, dass die sechsspurige Autobahnerweiterung verheerende Folgen für das Latumer Bruch haben wird.

In dem Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebiet, das von Linn vorbei an Oppum und durch Gellep-Stratum bis nach Meerbusch verläuft, mangelt es seit Jahren an Wasser. Der niedrige Grundwasserspiegel ist Schuld. Über einen großen Wasserspeicher an der Autobahnausfahrt Oppum wird deshalb derzeit Wasser in das vom Austrocknen bedrohte Naturschutzgebiet eingeleitet, erklärt Eckelboom. Das allerdings soll mit dem Ausbau der A 57 vorbei sein. Dann nämlich soll der Wasserspeicher abgerissen und das anfallende Regenwasser direkt ins Grundwasser versickern.

Der Grund hierfür ist Salz, weiß Eckelboom. Wenn nämlich der Winterdienst mit Streusalz auf der Autobahn unterwegs ist, fließt entsprechend salziges Wasser ins Latumer Bruch. Und das ist nach den Richtlinien für FFH-Schutzgebiete verboten, so das Argument der Stadt. „In Naturschutzgebiete dürfen keine Stoffe eingeleitet werden, die zu Problemen führen könnten“, fasst Eckelboom zusammen. Nur: „Gar kein Wasser mehr, das wäre ein viel größeres Problem“, da ist sich die Naturschützerin sicher.

Für viele Pflanzen- und einige Tierarten im Latumer Bruch, dessen Artenvielfalt herausragend sei — „es hat fas 150 Rote-Liste-Arten, das ist außergewöhnlich für NRW“ —, wäre es das Todesurteil. Da sind zum Beispiel die Sauergräser, die viel Feuchtigkeit brauchen. „Die werden ohne Wasserzufuhr wahrscheinlich vernichtet“, zeichnet Eckelboom ein Schreckensszenario. „Dafür werden Brombeeren und Brennnesseln explodieren und über riesige Bereiche wuchern.“ Denn der austrocknende Torfboden sei besonders nährstoffreich.

Und dann ist da der Ameisenbläuling, „ein extrem seltener Schmetterling mit einer hochkomplexen Lebensweise“, dessen größte Population im Meerbuscher Teil des Latumer Bruchs durch den Bau der A 44 ausgelöscht wurde. Einige Falter leben jetzt auf Krefelder Gebiet, die Zahl sei aber kritisch, sagt Eckelboom. „Als gerettet gelten sie, wenn ich 100 am Tag zähle, davon sind wir weit entfernt, heute sind es vielleicht ein Fünftel.“ Überleben kann der Ameisenbläuling nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen: Um seine Eier abzulegen, braucht er den Großen Wiesenknopf, der im Latumer Bruch wächst, als Schmarotzer ernährt sich die Raupe des Ameisenbläulings von den Puppen der Roten Kontenameise. Auch die leben im Krefelder Naturschutzgebiet. „Nur wenn beides vorkommt, kann der Schmetterling überleben.“ Der Ausbau der A 57 und die damit von Naturschützern befürchtete Austrocknung des Latumer Bruchs könnte die Natur und den Lebensraum des Ameisenbläulings empfindlich aus dem Gleichgewicht bringen.

Damit das nicht passiert, fordert Eckelboom von Stadt und Straßen NRW, die für den Ausbau der Autobahn zuständig sind, „der Gesetzgebung zu folgen“. Demnach gibt es in der FFH-Richtlinie ein so genanntes Verschlechterungsverbot. Nicht, dass die Naturschützerin um Vorschläge, es in der Zukunft besser zu machen, verlegen wäre. Das sind zwei davon: „Man könnte kleine Brunnen bauen, um das Wasser einzuleiten, oder es über eine Rohwasserleitung einspeisen.“