Gewalt im Krefelder Amateurfußball: So wird das Problem bekämpft

Attacken auf Schiedsrichter : Gewalt im Krefelder Amateurfußball: So soll das Problem bekämpft werden

Die Hemmschwelle für Gewalt im Amateurfußball sinkt laut dem Krefelder Sport-Fachbereichsleiter Oliver Klostermann zunehmend. Er möchte Schiedsrichter auf den Plätzen besser schützen.

In seiner Freizeit pfeift Oliver Klostermann seit 34 Jahren Fußballspiele als Schiedsrichter. Als Assistent war er bis in die damals drittklassige Regionalliga aktiv. Als Unparteiischer leitete er Begegnungen bis in die Oberliga. Das Herz des 38-Jährigen schlägt als gebürtiger Duisburger für den MSV - als Jugendlicher besuchte er Mitte der 80er Jahre aber auch schon die Heimspiele des FC Bayer Uerdingen in der Krefelder Grotenburg. Für den KFC hat er heute auch etwas übrig. Er kennt sich aus in der Szene.

Er weiß, welche Emotionen im Fußball zu Hause sind, wie diese auch gegen die Schiedsrichter ausgelebt werden. Heute leitet Klostermann den Fachbereich Freizeit, Sport und Bäder der Krefelder Verwaltung und sagt: „Die Hemmschwelle sinkt zunehmend. Wir legen als Stadt viel Wert darauf, dass auf unseren Plätzen Fair Play herrscht. Jeder unterliegt den Nutzungsbedingungen der Stadt.“ Klostermann will, dass überführte Täter auf Fußballplätzen im Stadtgebiet nichts mehr zu suchen haben. Mitstreiter hat er bereits gefunden.

Erst kürzlich wurde ein Krefelder Fußballer für ein Jahr gesperrt

Seit 2003 setzt sich der frühere Krefelder Schiedsrichter Thomas Kirches und seine Arbeitsgruppe „Keine Gewalt gegen Schiedsrichter“ für einen besseren Umgang mit den Unparteiischen und mehr Schutz für die Spielleiter aus. Seit Jahren platziert Kirches mit seinen Partnern das Thema in der Öffentlichkeit. Er will die Gesellschaft sensibilisieren, aber auch den Fußball-Dachverband Deutscher Fußball Bund (DFB) zum Handeln bewegen. Erst kürzlich bedrohte ein mittlerweile ausgemusterter Spieler des SC Viktoria Krefeld einen Schiedsrichter auf dem Platz, der diesen zuvor des Feldes verwiesen hatte und sich dann gezwungen sah, die Partie abzubrechen. Das Sportgericht sperrte den Täter für ein Jahr. Im hessischen Münster schlug ein Spieler einen Unparteiischen Ende Oktober bewusstlos.

In vielen Fällen, wenn es zu körperlicher Gewalt kommt, fordert Kirches null Toleranz: „Diejenigen, die Schiedsrichter angreifen, sollte man lebenslang sperren. Es darf keine zweite Chance geben, einen Schiedsrichter zu attackieren.“ Dem DFB wirft Kirches seit Jahren ein Versagen vor. Der Dachverband, der auch für das Schiedsrichterwesen zuständig ist, würde seiner Schutzfunktion nicht nachkommen. Stattdessen: Ablenkung und Verwässerung. „Wir fordern nicht nur Haltung, sondern auch Handlung vom DFB“, sagt Thomas Kirches.

Klostermann will rechtliche Schritte prüfen

Klostermann will rechtlich prüfen lassen, was man gegen Täter in Zukunft tun kann: „Mein Wunsch ist: Ich möchte solche Spieler nicht mehr auf unseren Sportanlagen haben. Sportstätten sind kein rechtsfreier Raum.“ Er will einen engen Austausch pflegen. Vorfälle sollen ihm in Zukunft gemeldet werden. Ohne einen engen Draht zu den Vereinen wird dies aber nicht gelingen.

Thomas Kirches will mit seiner Arbeitsgruppe Strafanzeigen an die Staatsanwaltschaft heranführen. So sollen betroffene Unparteiische vor den Tätern geschützt werden, sollen nur noch als Zeugen geführt werden. Wie er sagt, sei die Zahl der Schiedsrichter in Deutschland rückläufig. Das Hobby sei gefährlich. Das schrecke auch ab. In den vergangenen vier Jahren seien 28 000 Unparteiische hinzugekommen, 31 000 hätten dagegen aufgehört. Insgesamt seien in der Republik 57 000 Männer an der Pfeife tätig, 200 Aktive allein im Kreis Krefeld/Kempen. Schon in der Vergangenheit forderte Kirches einen Rechtschutz des DFB für die Schiedsrichter. Doch es geschehe nichts. „Unser Führungsgremium ist eingefroren“, sagt er. Gemeint ist die DFB-Spitze.

Ein gesellschaftliches Problem sieht Kirches nicht als Hintergrund: „Es ist ein Fußballproblem.“ Im Vergleich zu anderen Sportarten sei der Schiedsrichter im Fußball das „schwächste Glied.“