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Getreidemühle statt Römercastell

Getreidemühle statt Römercastell

Der Grundstein für den Bau im Krefelder Hafen ist gelegt: Naturschützer kritisieren Vorhaben.

Dort, wo vor kurzer Zeit noch die Archäologen nach Fundstücken aus der Römerzeit gruben, starten nun die Bagger erste Ausschachtungsarbeiten für „Europas modernste Mühle“. Wenn diese steht, wird dort ein Stück Mühlstein aus der Römerzeit in einem prominenten Raum zu sehen sein.

Getreidemühle statt Römercastell

Am Freitag wurde der Grundstein für den Neubau gelegt, der wegen seines Standortes Castellmühle heißen wird. Gunnar Steffek, Sprecher der Geschäftsführung von Good Mills Deutschland sagt: „Der Name soll an das Römercastell erinnern, beinhaltet aber auch den Namen unseres alten Standortes, der Kölner Ellmühle.“ Sie ist besser bekannt durch eines ihrer Produkte: „Aurora mit dem Sonnenstern“. Steffek lobt den guten neuen Standort, an dem das Getreide — in der Mühle werden künftig 365 000 Tonnen pro Jahr vermahlen — per Bahn und Schiff eintrifft. Außerdem lobt er die schnelle Arbeit der Verwaltung. Oberbürgermeister Frank Meyer betont: „Für uns ist es ein unglaublich wichtiges Projekt, ein traditionelles Geschäftsfeld an einem traditionellen Ort.“ Durch die Verlagerung eines der bedeutendsten Mühlenstandorte Europas nach Krefeld mache sich auch „das intensive Werben für den Wirtschaftsstandort bezahlt“.

Derweil erhebt das Landesbüro der Naturschutzverbände NRW als Träger von BUND, Naturschutzbund (Nabu) und der Landesgemeinschaft Natur und Umwelt (LNU) deutliche Einwände gegen den Neubau der Mühle im Hafen in Gellep-Stratum. Angelika Horster, die sich im Vorstand der Krefelder Kreisgruppe des BUND mit Genehmigungsverfahren befasst, hat auf elf Seiten eine Mängelliste zusammengefasst. Darin kritisiert Horster unter anderem Umwelt— sowie Verkehrs- und Lärmbelastungen für Anwohner. „Wir befürchten durch den nun geplanten Bau einer Großmühle im Hafen unter anderem die weitere Verschlechterung der Luftsituation durch die Anlage selbst und die Energiegewinnung dafür sowie durch den Lieferverkehr per Lkw und Schiff.“

Weiter stellt die Naturschützerin den wirtschaftspolitischen Gewinn in Form von Arbeitsplätzen für Krefeld kritisch infrage: „Die Konzentration in der Mühlenwirtschaft und die Orientierung an Profit führen — wie in der Milchwirtschaft und Massentierhaltung — zu weniger Qualität, mehr Schadstoffen in der Umwelt und noch mehr Verkehr, aber weniger Arbeitsplätzen“, erklärt Horster auf Anfrage unserer Zeitung.

Frank Markmann, der künftige Chef des Krefelder Hauses, schießt bei der Grundsteinlegung auch in Richtung der Naturschutzverbände: „Wir haben das Projekt im Januar in Linn vorgestellt. Da hätten wir schon Vieles besprechen können.“ Die Naturschützer seien bei dieser Veranstaltung nicht dabei gewesen. Ralf Fuchs, Geschäftsführer und Gutachter der im Umwelt-Engineering tätigen Firma Sareen, gibt sich gesprächsbereit: „Wir werden alle Fragen beantworten und sie dem Umweltamt vorlegen.“

Jürgen Hengst ist Vorsitzender des Aufsichtsrats des Krefelder Hafens und Bezirksvorsteher für Gellep-Stratum. Er verteidigt die Ansiedlung der Getreidemühle und bezeichnet sie als „enormen Gewinn für die Stadt“. Mit Good Mills ziehe ein Betrieb in den Hafen, der „genau das erfüllt, was wir immer wollten“, betont Hengst: „Nicht immer nur Logistik, sondern eine Produktionsanlage, deren Anlieferung aber trimodal — über Schiff, Eisenbahn und Lkw-Verkehr — abläuft. Das ist ein starkes Element für die Neuausrichtung des Hafens und dessen wirtschaftliche Positionierung.“

Zumal: Kritische Nachfragen von Anwohnern habe es bei der Vorstellung des Projekts Anfang des Jahres in Linn kaum gegeben, sagt Hengst. „Da ging es um die üblichen Fragen zur Unterbringung der Lkw-Fahrer während der Nachtzeiten, auch bezüglich der Nutzung von Sanitäranlagen.“ Nach wie vor suche die Stadt da nach einer dauerhaften Lösung und prüft mögliche Anlaufstellen. In diesem Jahr erwarte er keine Ergebnisse, sagt Hengst. Die Kritik der Naturschützer, die Verkehrsanbindung an den Hafen sei spekulativ, nennt er eine „Unterstellung, die objektiv nicht stimmt“. Zum Schutz der Anwohner vor Lärm baue die Stadt den Hafenring über die Düsseldorfer, Mündelheimer und Berliner Straße für den Zuliefererverkehr aus — das letzte Teilstück soll 2019 komplett neu gebaut werden. Auch an dem Bebauungsplan für die Hafen-Nordanbindung werde „mit Hochdruck gearbeitet“, betont Hengst.

Dass der Bau der Mühle grundsätzlich genehmigungsfähig ist, belegt wohl auch der Vorbescheid seitens der Genehmigungsbehörde für einen vorzeitigen Baubeginn (siehe Box). Good Mills betont in einer Stellungnahme: „Grundsätzlich können wir die von der NGO vorgebrachte Argumentation hinsichtlich Branchen- und Wettbewerbssituation sowie der Mitarbeiterthematik nicht nachvollziehen. Dadurch, dass wir das alte Werk in Köln stilllegen und durch ein, nach neuesten Umweltstandards geplantes Werk ersetzen, hat das Projekt eine positive Umweltbilanz sowohl was Emissionen, Energie- und Flächenverbrauch betrifft.“ Weiter heißt es: „Dass den Mitarbeitern aus Köln ein Wechsel in das Krefelder Werk angeboten wird entspricht dem geltenden Arbeitsrecht.“