Gericht: Über Inkassobüro 280000 Euro eingenommen

Gericht: Über Inkassobüro 280000 Euro eingenommen

Ein 28-Jähriger setzt Gewinnspielteilnehmer unter Druck. Ihm droht eine lange Haftstrafe.

Krefeld. Vor fünf Jahren begann die Karriere des damals 23-jährigen William F. im deutschen Call- Center Milieu. Jetzt sitzt er seit anderthalb Jahren in Untersuchungshaft und ist wegen Betruges angeklagt. Von 2007 an soll er sich in betrügerischer Absicht auf die Suche nach Adressen ehemaliger Gewinnspielteilnehmer gemacht haben, so die Vorwürfe gegen den inzwischen 28-jährigen vor dem Krefelder Landgericht.

Von sechs Vertragspartnern aus dem Gewinnspiel-Milieu habe er sich nach und nach Datensätze von mehreren Zehntausenden Kunden erworben. Obwohl keine Forderungen gegen die ehemaligen Gewinnspielteilnehmer mehr bestanden, soll er diese über Inkassobüros eingeschüchtert haben.

Mehr als 8200 Geschädigte hielten dem Druck nicht stand und zahlten. Auf diese Weise verdiente der Angeklagte so gut, dass er 2008 seinen Vollzeitjob als Chemielaborant aufgab. „Beide Jobs waren zeitlich einfach nicht mehr zu schaffen“, so der Mann, der mit seinem Nebenjob als Adressenhändler schon in 2007 rund 75 000 Euro erwirtschaftete.

Diese Arbeit sei auch einfacher gewesen als neun Stunden täglich am Arbeitsplatz zu verbringen. „Als Selbständiger brauchte ich jetzt nur noch ein Laptop, mein Mobiltelefon und mich selbst.“

Ansonsten aber schweigt er zu den Vorwürfen und lässt über seine drei Anwälte mitteilen, dass er nur echte Forderungen aufgekauft und den ehemaligen Gewinnspiel-Teilnehmern keineswegs Schulden aus erfundenen Lotterien wie zum Beispiel „Deutschland sucht den Super-Millionär“ angedichtet hätte.

Dass er aber mit dieser Masche auch auf längere Sicht erfolgreich war, davon konnte sich das Gericht durch den Blick auf seine Bankauszüge überzeugen. Danach flossen alleine in 2010 mehr als 280 000 Euro aus den Inkassoeinnahmen auf das Konto des Angeklagten.

Als jedoch immer mehr Beschwerden und Anzeigen der Opfer eingingen wurden die Behörden aufmerksam. Im Mai 2011 flog F. auf. Einer der Ermittler wird noch diese Woche zur Vorgehensweise des Angeklagten gehört werden. Dann soll die Beweisaufnahme geschlossen und plädiert werden. Im Falle einer Verurteilung muss William F. mit einer mehrjährigen Gefängnisstrafe rechnen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung