Interview: Gerald Wagener zieht sich aus Planung für Theaterplatz zurück

Interview: Gerald Wagener zieht sich aus Planung für Theaterplatz zurück

Krefeld. Investor Gerald Wagener hat sich aus der Planung für den Theaterplatz zurückgezogen. Co-Investoren und Aufsichtsrat hätten zu Beginn des Jahres einstimmig entschieden, von dem Projekt Theaterplatz Abstand zu nehmen.

Hierüber habe man den OB und die beteiligten Gesprächspartner bei den Fraktionen bereits vor einigen Wochen informiert. Im Gespräch mit der WZ kritisiert Wagener das Vorgehen der Stadt und insbesondere Stadtplanungsdezernent Martin Linne.

Herr Wagener, Sie sind bereits vor drei Wochen per Schreiben an die Fraktionen ausgestiegen. Warum so lautlos?

Gerald Wagener: Wir hatten Vertraulichkeit vereinbart.

Waren es Ihre Investoren oder haben Sie selbst die Lust verloren?

Wagener: Es war eine einstimmige Entscheidung meines Aufsichtsrates und meiner Co-Investoren. Wir waren gemeinsam der Meinung, dass die Entwicklung des Projektes in Krefeld zu viele Unwägbarkeiten enthält. Es gab zwei Investionsalternativen zu Krefeld. Für eine haben wir uns entschieden, da uns dieses Projekt uns planbarer erschien.

Sie haben attraktive Pläne vorgelegt und mit Zahlen unterlegt, warum haben Sie sich damit nicht einfach dem Wettbewerb gestellt?

Wagener: Wir haben immer gesagt, dass wir uns gerne einem Wettbewerb stellen, aber eben keiner europaweiten Ausschreibung. Wenn wir bauen, tun wir das mit Partnern die wir langjährig kennen, denn wir stehen gegenüber den Pächtern, also auch der der Stadt, im Obligo. Ist zum Beispiel ein Dach undicht, oder die Heizung funktioniert nicht, muss sicher sein, dass der Schaden sofort behoben wird. Wir arbeiten, wo möglich, mit lokalen Unternehmen und lokalen Architekten. In Krefeld hatten wir die hier sehr gut vernetzte und angesehene Architektin Katharina Kulla bereits frühzeitig eingebunden. Es ist ein Unterschied, ob ich ein lokales Unternehmen kurz bitte, zum Theaterplatz zu kommen oder mit einer Firma in Süd-Bulgarien streiten muss, nur weil die die europaweite Ausschreibung gewonnen hat. Ich hatte vermutet, die Stadtverwaltung hätte am Thema Glasdach Ostwall etwas dazugelernt und wäre froh, dass es eben keiner Ausschreibung bedarf. Das war eine Fehleinschätzung von mir. Darüber hinaus ist professionellen Investoren schwer zu vermitteln, sich an einer Ausschreibung zu beteiligen, für die es keine rechtliche Notwendigkeit gibt. Die Stadtverwaltung hat uns mitgeteilt, dass man — egal ob rechtlich erforderlich oder nicht — europaweit ausschreiben wird. Das ist natürlich das ureigenste Recht der Stadt, dann wird aber auch kein privater Investor sich mit dem Projekt beschäftigen. Auch dies ist Entscheidungshoheit der Stadt.

Sie machen Hengst, Wettingfeld und vor allem Linne mitverantwortlich. Welche Rolle spielen diese Herren in der Causa Theaterplatz?

Wagener: Die Zusammenarbeit mit Herrn Hengst und Herrn Wettingfeld war fachlich exzellent. Beide Herren sind erstklassige Fachleute. Auch die Gespräche mit Herrn Hansen und Herrn Heitmann waren klug, sachlich und befruchtend, obwohl ja Die Grünen sich gegen den Standort Theaterplatz ausgesprochen haben. Zu Herrn Linne äußere ich mich nicht. Es mag an anderer Stelle entschieden werden, ob öffentliches Diskreditieren von Investoren der Stadt Krefeld und seinen Bürgern gut zu Gesicht steht. Ich weiß, wie dies bei meinen Co-Investoren, einem internationalem Investmentfond und einer Regionalbank, angekommen ist.