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Geld fließt in die Krebsforschung

Geld fließt in die Krebsforschung

Seit 30 Jahren unterstützt der Verein zugunsten krebskranker Kinder Betroffene.

Anpacken, wo andere nicht mehr können: Das gehört zum Alltag in der Villa Sonnenschein. Am Lutherplatz im ehemaligen Pfarrheim, unweit der Helios-Kinderklinik, hat der Förderverein zugunsten krebskranker Kinder vor einigen Jahren eine feste Heimat gefunden. Nun haben sich einige Mitglieder im Garten der Villa versammelt. Die Vorbereitungen für die Jubiläumsfeier am Samstag waren umfassend, Oberbürgermeister Frank Meyer zur Bestehensfeier anwesend, genau wie Vereinspatin und Olympia-Schwimmerin Anne Poleska.

Ein Empfang mit geladenen Gästen, Mitgliedern und Spendern stand an. Die Vereinsmitglieder feiern in diesen Tagen nicht nur sich, sondern vor allem das bemerkenswerte Engagement einer ganzen Stadt. Sie wissen, dass ihre Arbeit ohne die Unterstützung durch die Krefelder Wirtschaft, Fußballvereine, Einzelhändler und private Spender kaum möglich wäre. „Das geht runter bis zum Kindergartenkind, das 70 Cent abgibt, die es übrighat. Jeder Cent hilft uns weiter.“ Der Vereinsvorsitzende Jens Schmitz verspürt eine tiefe Dankbarkeit für die Unterstützer und ist froh, dass der Verein für viele mittlerweile so selbstverständlich zur Stadt gehört.

Wie fast alle Ehrenamtlichen hat er selbst einmal von der Hilfe des Vereins profitiert, als sein eigener Sohn an Krebs erkrankte. „Und dann möchte man natürlich auch etwas zurückgeben“, sagt Schmitz heute. Hilfreich sei dabei vor allem der Zuspruch von außen, von den Bürgern der Stadt. „Das gibt einem Kraft und Motivation“, sagt Schmitz. Denn natürlich sei so eine intensive Vereinsarbeit auch kräftezehrend. Nicht nur für die erkrankten Kinder ist der Verein da, sondern auch für betroffene Eltern und Geschwisterkinder, denn die Belastung für sie ist im Falle einer Krebserkrankung ähnlich groß.

Für den Verein steht die psychosoziale Betreuung von allen Betroffenen im Vordergrund: „Wir verfolgen den Ansatz, dass man für den Heilungserfolg eines Kindes Rahmenbedingungen gestalten muss, die eine, soweit möglich, gute Atmosphäre entstehen lassen. Dazu zählen Ruhe und Momente der Freude sowie das Schaffen von möglichst normalen Alltagsstrukturen.“ Das verbessere die Heilungschancen enorm, sagt Schmitz.

Anne-Marie Szava ist Beirats- und Gründungsmitglied des Vereins. Die frühere Leiterin der Spielabteilung in der Kinderklinik erzählt: „Gegründet haben wir uns vor 30 Jahren aus einer Notsituation heraus. Damals herrschten noch andere Bedingungen. Vor allem wurden neues Spielmaterial, Beistellbetten und Angebote für Kinder und Eltern finanziert.“

Was ursprünglich als Elterninitiative in Zusammenarbeit mit dem Krankenhauspersonal begann, zählt heute rund 250 Vereinsmitglieder. „Wir unterstützen vor, während und nach der Krankheit und im Falle des Falles auch nach dem Tod, materiell sowie immateriell“, sagt Szava.

Besonders die Arbeit in der Villa Sonnenschein ist für die Ehrenamtler eine Herzenangelegenheit. Hier können bis zu acht Eltern(teile) ein Zuhause abseits des Klinikalltags finden, solange ihre Kinder stationär behandelt werden. Auch den Angehörigen will der Förderverein hier in der schweren Zeit die Option auf ein möglichst normales Leben bieten. Heute ist die Unterstützung kleinteiliger und individueller geworden, an den Bedürfnissen jedes einzelnen Kindes orientiert. Die Optimierung der Behandlung für jeden der jungen Patienten sind in den Vordergrund gerückt. Das Klinikum, welches heute nicht mehr städtisch, sondern Teil des Helios-Konzerns ist, hat durch den Neubau eine moderne Ausstattung.

Aktuell muss deshalb kaum noch in die Einrichtung der Krankenzimmer oder in neue Geräte investiert werden. Ein Großteil der Vereinsgelder fließt in die Krebsforschung. „Wenn wir unsere Abrechnung machen, geht jedes Mal ein nicht unbeträchtlicher Teil der Spenden an die Forschung. Wir bezahlen beispielsweise Personal mit“, sagt Schmitz. Schnellere und besser verträgliche Behandlungsmöglichkeiten zu erreichen, ist ihm wichtig.

Die Teammitglieder des Fördervereins gehen in ihrer Arbeit mit den medizinischen und pflegerischen Kräften Hand in Hand. „Wir sind stolz auf die Zusammenarbeit mit der Klinik“, sagt der Vorsitzende. Neben der Forschung werden für die erkrankten Kinder von den Spenden auch Ausflüge zum Zirkus oder zum Ponyhof finanziert. Die Unterstützung für den Verein kann vielfältig aussehen. Jens Schmitz appelliert an Interessierte, die auch helfen wollen: „Ich will nicht sagen, wir haben Nachwuchssorgen, aber natürlich kann man immer mehr Hilfe gebrauchen.“

Mit einem Kernteam von rund 20 Leuten bewältigt der Verein seine Arbeit. Auch in Zukunft wollen sie in der Villa Sonnenschein und in der Kinderklinik für Freude sorgen, um krebskranken Kindern und den Eltern ein Stück ihrer Last zu nehmen.