Gegen den Müll: Die Uerdinger packen’s an

Gegen den Müll: Die Uerdinger packen’s an

Der Bürgerverein hat die Nase voll vom Müll am Rheinufer. Auch Vertreter der Hafen-GmbH beteiligen sich an der Aktion.

Krefeld. Nuran Önem (31) möchte nicht, dass ihre zwei Jahre alte Tochter Aylin am Rheinufer „in einem Müllhaufen aufwächst.“ Deshalb beteiligt sie sich gemeinsam mit ihrer Schwester Nurcan (22) an der großen Entmüllungsaktion am Rheinufer. Die Schwestern sind Töchter eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter.

Angeregt durch die WZ-Berichterstattung hat der Bürgerverein Uerdingen für Samstag zu der Aktion aufgerufen. Rund 20 Mitstreiter kann der im vergangenen Jahr gegründete Verein begrüßen. Die beiden Schwestern sind nicht Mitglied: „Wir haben es über Facebook erfahren.“

Von der Stadttochter GSAK mit Picksern, Müllsäcken und Kehrbesen ausgestattet, gehen die ehrenamtlichen „Straßenfeger“ vom Rheintor aus an ans Werk. Tim Littbarski legt Jackett und Krawatte ab und zieht sich wie die anderen Arbeitshandschuhe an. Er und Andreas Glogowiec vertreten die Krefelder Hafen GmbH, die Eigentümerin des Geländes zwischen Rheindeich und Wasserkante ist.

Glogowiec fährt den zur Kehrmaschine umgerüsteten Unimog, Littbarski („mit dem Fußballer nicht verwandt“) sitzt bei der Hafengesellschaft normalerweise am Schreibtisch und ist für Personal und Recht zuständig. Beide sind ebenfalls ehrenamtlich dabei.

Heike Hoffmann (50) ist sichtlich zufrieden mit der Resonanz. Die Vorsitzende des Bürgervereins, der auf rund 80 Mitglieder angewachsen ist, schaut jedoch vergeblich danach, ob auch die Kommunalpolitik am Rheinufer vertreten ist.

„Wäre ja schön gewesen, den einen oder anderen aus der Bezirksvertretung auch hier zu sehen“, meint die gelernte Altenpflegerin. Aber so sei es halt. Die einen reden, die anderen packen an, nach dem Motto: „Es gibt viel zu tun.“

Nicole Meyer (43) war längere Zeit nicht mehr am Rhein. „Als ich kürzlich wieder herkam, war ich richtig erschrocken über diese Entwicklung. Das ist ja ein Tummelplatz für Wodkatrinker und andere gleichgültige Zeitgenossen geworden.“

Mit Wohlwollen schauen Walter und Gerda Rohr den Müllsammlern zu. Weil oben auf dem Deich keine Bänke stehen, haben sie sich unten am Ufer auf ein kleines Mäuerchen zur Rast gesetzt. „Wir würden ja mitmachen“, sagt der 85 Jahre alte Uerdinger. „Aber wir können uns nicht mehr so gut bücken.“

Zaungäste gibt es auch auf dem Deich. „Warum sollen wir mitmachen“, meint einer kopfschüttelnd. „Wir sind ja nicht verantwortlich für den Dreck.“

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