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Gastronomie: Kosmopolit in Krefeld - Perle in der „Bronx“

Gastronomie : Kosmopolit in Krefeld: Das sagen die Betreiber zur aktuellen Lage

Die Betreiber des Café Kosmopolit an der Lindenstraße in Krefeld sorgen sich trotz der Versteigerung der Immobilie nicht um die Zukunft ihres Geschäfts. Im Gespräch erklären sie, wie sie die Lage sehen und was sie sich für die nächsten Jahre wünschen.

Ganz entspannt sitzt Vera Goossens in ihrem Lokal an der Lindenstraße. „Die Kaffeemaschine braucht noch ein bisschen“, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Es ist früher Mittag, vom Trubel, der das Café Kosmopolit am Nachmittag und Abend beherrscht, ist noch nichts zu spüren. Der große Gastro-Bereich im Erdgeschoss wirkt ruhig, fast ein wenig beruhigend. Beim Blick nach draußen dominieren aber die abbruchreifen Mehrfamilienhäuser, zu deren Ensemble auch die Immobilie gehört, in der das Kosmopolit untergebracht ist. „Das ist schon ein nicht so schöner Anblick“, findet Goossens. Notdürftig zugesperrte Fenster, abbruchreife Mauern, löchrige Dächer: „Manche nennen es ja die Krefelder Bronx“, lächelt die Betreiberin des Lokals.

Drei Häuser werden für 700 000 Euro versteigert

Seit Jahren nimmt Goossens als Pächterin des Hinterhauses, einer ehemaligen Lagerhalle, die widrigen Umstände, die so manchen Gast auch schon abgeschreckt haben sollen, hin. „Mein Wunsch war es ja immer, das Haus, in dem sich das Lokal befindet, einmal zu kaufen.“ Ein vertraglich zugesichertes Vorkaufsrecht habe sie sogar. Doch jetzt, wo die drei zusammengehörigen Immobilien an der Lindenstraße, die einer zerstrittenen Erbengemeinschaft aus Krefeld und Köln gehören, in Gänze versteigert werden, verfällt dies. Die aufgerufenen 700 000 Euro für das Häusertrio kann Goossens bei weitem nicht stemmen. „Da wird jemand anders kommen und zuschlagen“, ist sie sicher.

Der ein oder andere Interessent sei sogar schon da gewesen, „die dachten aber, sie könnten das Kosmopolit ersteigern“. Ein Irrglaube, wie Vera Goossens und ihr Sohn Emad, der Geschäftsführer des Lokals ist, versichern. „Wir besitzen noch einen Pachtvertrag mit einer Laufzeit von sieben Jahren.“ Dementsprechend entspannt seien beide, trotz des für den 24. April anberaumten Termins zur Zwangsversteigerung. „Es kann ja eigentlich nur besser werden“, sagt Emad Goossens.

Der Weg durch den Hinterhof zum Kosmopolit sieht wenig einladend aus. Baustützen müssen den einsturzgefährdeten Durchgang halten. Foto: Ja/Jochmann, Dirk (dj)

Seit Jahren kümmerten sich die aktuellen Eigentümer nicht um ihre Immobilien. Das Dach des Kosmopolit müsse geflickt werden, zudem gebe es immer wieder Probleme mit der Elektrik. „Ganz zu schweigen davon, dass wir den einsturzgefährdeten Durchgang zum Hof hin selber haben abstützen lassen – auf unsere Kosten“, sagt die 66-Jährige. Dass es bei einem Verkauf der Immobilie durch den möglichen Abriss der vorderen Gebäudeteile erneut Probleme mit dem Zugang zum Lokal geben könnte, nehmen beide in Kauf. Alles sei besser als der jetzige Anblick zweier Mehrfamilienhäuser, die augenscheinlich einsturzgefährdet sind.

Betreiber wünschen sich Studentenwohnungen in der Nähe

Laut Mutter und Sohn hätte ihr eigene Geschäft trotz der schwierigen Umstände in den vergangenen Monaten und Jahren nie gelitten. „Es kann immer besser gehen, im Großen und Ganzen sind wir aber zufrieden.“ Das Kosmopolit sei auch außerhalb von Krefeld ein Begriff. „Ob bürgerlich oder alternativ, zu uns kommen sie alle“, sagt Vera Goossens.

Foto: Ja/Jochmann, Dirk (dj)

Für die Zukunft wünscht sich die Krefelderin eigentlich nur eins: „Ich hoffe, dass die Gebäude nicht an irgendwelche Spekulanten verkauft werden, die gar nicht darauf aus sind, die Häuser neu aufzubauen.“ Gemäß der jetzigen Aufteilungen in den beiden Häusern zur Lindenstraße hin, könnten möglicherweise kleine Wohnungen, beispielsweise für Studenten, zurecht gemacht werden. 

„Junge Leute passen hier wunderbar hin. Bei uns geht es bei gutem Wetter abends auch gerne mal länger. Da wird gelacht und gescheppert“, frohlockt die Betreiberin des Kosmopolit ganz entspannt. „Wir sehen den ganzen Prozess als Chance, hoffen wir, dass es gut ausgeht.“